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AssCompact 11/2019

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INVESTMENT „Die FinVermV ist ein Katalysator der Digitalisierung“ Interview mit Martin Eberhard, Vorstand Marketing der FondsKonzept AG Die Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) ist endlich durch. Martin Eberhard ist erleichtert, dass die Ungewissheit damit ein Ende hat. Mit der neuen Regelung könnten die Beteiligten auch gut leben. Zudem sieht der FondsKonzept-Vorstand darin ein Katalysator für die Digitalisierung der Vermittlung von Finanzanlagen. Herr Eberhard, die Gesetzesvorlage zur FinVermV wurde am 20.09.2019 ohne Änderungen vom Bundesrat durchgewunken. Wie bewerten Sie das neue Gesetz? Nachdem sich der Nebel aus der mehr als 20 Monate dauernden Unsicherheit verzogen hat, haben wir nun eine Regelung, mit der alle Beteiligten gut leben können. Die Branche hatte durch die mehrmaligen Verschiebungen einen verhältnismäßig langen Zeitraum, um sich darauf vorzu - bereiten und profitiert von der zehnmonatigen Übergangsfrist. Wir haben die Zeit genutzt und waren bereits im vergangenen Jahr „FinVermV-ready“. So wurden vor einem Jahr das Maklerservicecenter und alle weiteren Anwen - dungen von der Finance-Cloud über die Finance-App bis zum Fondsshop an den Entwurf angepasst, der letztendlich nur wenig verändert wurde. Welche Folgen hat die FinVermV für unabhängige Finanzmakler? Die Durchführung sämtlicher Prozessschritte zu Kundeninformationen, Risikoabgleichen, Zielmärkten sowie Geeignetheitsprüfungen und auch die Telefonaufzeichnungen lassen sich mit einer leistungsfähigen technologischen Infrastruktur und optimierten, aufeinander abgestimmten Prozessen sehr gut in den Griff bekommen. Wir haben die Makler in unseren Akademieterminen, Partnertagen und Webinaren intensiv darauf vorbereitet. Diese Weiterbildungen ergänzen sich mit unserem Coachingprogramm zur sogenannten Roadmap mit einer 360-Grad- Betrachtung des Maklerunternehmens von der Akquise bis zum Zielgruppenmanagement. „Die FinVermV ist ein weiterer Beweggrund für die Makler, die digitale Transformation ohne Kompromisse zu vollziehen, also gewissermaßen ein Katalysator der Digitalisierung.“ Welche Rolle spielt die FinVermV bei der Digitalisierung der Finanzanlagenvermittlung? Die FinVermV ist ein weiterer Beweggrund für die Makler, die digitale Transformation ohne Kompromisse zu vollziehen, also gewissermaßen ein Katalysator der Digitalisierung. Ohne die Software eines Maklerdienstleisters, in der sämtliche Informationen und Daten zusammenlaufen, ist die komplexe Administration zur Anlagenvermittlung nicht zu bewältigen. Unsere Makler nehmen die Tools zur neuen Regelung im Maklerservicecenter sehr gut an und nutzen die Schnittstellen zu ihren Kunden. Ein Beispiel ist die Finance-Cloud, die im ersten Halbjahr gestartet ist und zusammen mit der Kunden-App eine neue Servicedimension eröffnet. Inwiefern erleichtert die Finance- Cloud dem Makler die Arbeit bei der Umsetzung der FinVermV? Mit den beiden Tools Finance-Cloud und Finance-App geben Finanzberater ihren Kunden für alle Vermögenswerte ein neues Zuhause. Der Kundenzugang arbeitet mit einem personalisierten Dashboard zur kompletten Vertrags- und Vermögensübersicht und bietet multibankingfähige Schnittstellen zu allen relevanten Produktpartnern. Der Knackpunkt dabei ist, dass der Kunde in alle „arbeitsintensiven“ Vorgänge eingebunden wird und der Berater damit nicht nur die Vorgaben aus der FinVermV abarbeiten kann, sondern auch diejenigen aus dem Datenschutz. Daraus resultiert eine erhebliche Zeitersparnis in der Zusammenarbeit mit dem Kunden in vielen Vertragsarten. Wie verändert die Regulierung die Außenwahrnehmung von Finanzmaklern? Finanzmakler, die ihre Hausaufgaben in puncto Digitalisierung gemacht haben, können gegenüber ihren Kunden selbstbewusst auftreten. So bringt die aktuelle Regulierung den Vorteil mit sich, dass zwischen KWG-lizenzierten Anbietern 70 November 2019

und Finanzanlagenvermittlern keine nennenswerten regulatorischen Unterschiede mehr bestehen, da die Fin- VermV MiFID II nahezu eins zu eins übernommen hat. Wenn nun die Aufsicht von den Industrie- und Handelskammern und Gewerbeämtern auf die BaFin übergehen sollte, operieren beide Gruppen regulierungstechnisch und aufsichtsrechtlich auf einer Stufe. Die Neufassung der FinVermV ist daher keine Bedrohung, sondern vielmehr eine Chance. Was heißt das für den einzelnen Makler konkret? Finanzmakler sollten gegenüber ihren Kunden so transparent wie möglich auftreten. Die Regelungen zu Interessenkonflikten, die Geeignetheitsprüfung und der digitale Mitschnitt von Kundentelefonaten erhöhen die Sicherheit im Geschäftsverhältnis zwischen Berater und Kunde. Auf keinen Fall sollte der Makler den Kunden spüren lassen, dass er von den neuen Standards nicht viel hält, oder sie als überflüssige Bürokratie abwerten. Auch die Unabhängigkeit der Vermittlung gewinnt in diesem Zusammenhang als Qualitätsmerkmal eine neue Bedeutung. Denn sie ist der eigentliche Markenkern von unabhängigen Finanzmaklern. Eine professionelle Website mit eigener Finance-App und der adressierten Finance-Cloud sind hier State of the Art und „kommunizieren“ permanent mit dem Maklerverwaltungsprogramm des Finanzberaters. Wie bewerten Sie die Aufsicht der Makler durch die BaFin, wenn sie denn ab 2021 kommen sollte? Dieser Schritt ist nur konsequent. Mit der FinVermV sind Finanzanlagenvermittler heute wie bereits genannt der KWG-lizenzierten Wertpapierberatung viel näher als den Industrie- und Handelskammern oder Gewerbeämtern. Diese haben mit einer Vielzahl von Berufen aus dem handwerklichen und kaufmännischen Bereich zu tun. Wenn die Unterscheide zwischen Anlageberatung und Anlagevermittlung immer geringer werden, ist es nur legitim, beides unter einer Aufsicht zusammenzufassen, wobei es für die Vermittlung sinnvollerweise eine eigenständige Aufsichtskategorie ohne KWG-Lizenz geben soll. Wie bereiten Sie sich als Maklerdienstleister organisatorisch auf die mögliche BaFin-Aufsicht vor? Wir wissen heute zu wenig, wie eine solche Aufsicht in der Praxis in allen Einzelheiten aussehen könnte, dennoch sind wir vorbereitet. So verfügen wir mit der FinanzAdmin Wertpapieradministration GmbH aus Österreich seit Martin Eberhard mehr als zehn Jahren über ein konzerneigenes Haftungsdach. Die FinanzAdmin ist eine 100- prozentige Tochter der FondsKonzept AG und administriert als Spezialdienstleister gewerbliche Vermögensberater, Vermögensverwalter, Vertriebe und Wertpapiervermittler in der Abwicklung und Risikokontrolle von Wertpapiergeschäften. Hinzu kommt das Angebot von länderübergreifenden Haftungsdachlösungen, die mit dem EU-Pass auch in Deutschland problemlos nutzbar sind. Könnten in dieser Konstellation auch Vermögensverwaltungen als Produktlösung profitieren? Wir sehen die Vermögensverwaltung weiterhin im Aufwind, da die Nachfrage nach strukturierten und aufeinander abgestimmten Gesamtkonzepten im Anlagesegment nicht zuletzt aufgrund der FinVermV zunehmen wird. So dürfte auch die Nachfrage nach Vermögensverwaltungslösungen und Strategiedepots weiter steigen. Mit der WealthKonzept Vermögensverwaltung können wir diese wir für Makler mit überdurchschnittlichen Bestands - volumina abdecken. Die WealthKonzept ist ein Gemeinschaftsunternehmen der FondsKonzept AG und der SDF Süddeutsche Family Office AG mit Beteiligungen zu je 50%. „Die geplante BaFin-Aufsicht ist nur konsequent. Mit der FinVermV sind Finanzanlagenvermittler heute der KWG-lizenzierten Wertpapierberatung viel näher als den IHKs oder Gewerbeämtern.“ Was ist insgesamt Ihr Fazit aus der FinVermV? Der Einzelvermittler erhält von uns alle technisch erforderlichen Lösungen in einer All-in-One-Software, um den regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden und sein Tagesgeschäft professionell zu führen. Sicher ist die Anpassung des ein oder anderen Geschäftsmodells in der Fläche nötig und es wird zu einer weiteren Konsolidierung am Markt kommen, auf die wir mit dem angesprochenen Haftungsdach, einer Maklerrente oder den Lösungen zur Vermögensverwaltung gut vorbereitet sind. W November 2019 71

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