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AssCompact 12/2018

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NACHHALTIGKEIT

NACHHALTIGKEIT Vermittlung mit dem grünen Daumen Nachhaltigkeit entwickelt sich vom Trend zum grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Dieser erfasst nun auch in großen Schritten die Finanzwelt. Schon bald dürfte sich kaum ein Berater noch nachhaltigen Anlagen und Versicherungen verwehren können. Von Michael Herrmann, AssCompact Grüne Geldanlage – das stand lange Zeit für Investments in Wind und Solar. Beteiligungen an Wind- und Solarparks bilden mittlerweile aber nur noch einen winzigen Teil der nachhaltigen Finanzwelt. Heute gibt es neben grünen Investments längst auch nachhaltige Versicherungen. Befeuert wird diese Entwicklung von einem allgemeinen gesellschaftlichen Wandel. Immer mehr Menschen achten darauf, wo ihr Hühnchen oder ihre Äpfel herkommen. Selbst das liebste Kind der Deutschen hat es mittlerweile schwer. Gerade die junge Generation verzichtet immer häufiger bewusst aufs Auto. Nachhaltigkeit erobert die Geldanlage Auch bei der Geldanlage schwinden die Hemmschwellen. Bereits knapp jeder zweite deutsche Sparer hält laut einer aktuellen Umfrage von Union Investment nachhaltige Geldanlagen mittlerweile für attraktiv. 85% der Bundesbürger wären zudem bereit, zugunsten der Nachhaltigkeit weniger Gewinn in Kauf zu nehmen. Ähnlich wie bei Elektroautos ist die Verbreitung aber noch gering. Erst jeder Achte gibt an, nachhaltige Anlagen zu besitzen. Damit haben ökologisch und sozial agierende Fonds, Beteiligungen und Versicherungen weiter immenses Aufholpotenzial. Politischer Rückenwind Auch politisch erhalten nachhaltige Anlagen und Versicherungen Rückenwind. Die Europäische Union will, dass der Finanzsektor ein starker Akteur im Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltiges Wirtschaften wird – und hat deshalb den Aktionsplan für ein nachhaltiges Finanzwesen erarbeitet. Er 38 Dezember 2018

einhaltet umfassende Maßnahmen wie ein eigenes Klassifizierungssystem sowie die Schaffung eines europaweiten Siegels für grüne Finanzprodukte, ähnlich dem Bio-Siegel bei Lebensmitteln. Vermögensverwalter und institutionelle Anleger sollen zudem dazu verpflichtet werden, das Kriterium der Nachhaltigkeit bei den Investitionsabläufen zu berücksichtigen. © fotomek – Fotolia.com Aus der Praxis der ESG-Beratung Makler und Vermittler tun daher gut daran, sich bereits jetzt mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Michel Kraus, Geschäftsführer der Brandl Versicherungsmakler GmbH & Co. KG, und Christian Schöttler, Inhaber von EcoKontor, haben den Schritt zur nachhaltigen Beratung bereits gewagt. Im AssCompact-Sonderthema auf den folgenden Seiten verraten sie unter anderem, wie nachhaltige Beratung in der Praxis funktioniert und wie ökologisch und nachhaltig eine Beratung überhaupt sein kann. Die neue Normalität Auch auf der Produktebene ist das Thema Nachhaltigkeit längst angekommen – und die Produktgeber erwarten, dass sich nachhaltige Faktoren in vielen Teilbereichen fest etablieren werden, wie etwa bei Anleiheinvestments. Laut Mike Amey und Gavin Power von PIMCO werden sich ESG- Kriterien dort zum Standard entwickeln. Dass sogar Investments im franziskanischen Geist möglich sind, beweist derweil die Missionszentrale der Franziskaner, die dazu eigens die terrAssisi- Fondsfamilie aufgelegt hat. Auch die Versicherung wird grün Rasantes Wachstum Auch bei etlichen Versicherern hält der Nachhaltigkeitsgedanke mittlerweile Einzug. Was nachhaltige Versicherung ausmacht und wie die Unternehmen mit dem Thema umgehen, erläutern vier Gesellschaften im Kurzgespräch mit AssCompact. Dass der Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit im Versicherungsbereich tatsächlich gelingt, ist das Ziel der Greensurance Stiftung, denn nur dann könne die Versicherungsbranche dabei helfen, dass die Welt auch für die zukünftigen Generationen ein lebenswerter Planet bleibt. Nachhaltigkeit ist schließlich auch in der Versicherung heute mehr als Wind und Solar. W 1,5 Bio. Euro – so groß ist bereits allein in Deutschland der Markt für Anlageprodukte, bei denen einzelne nachhaltige Kriterien oder Anlagestrategien angewendet werden. Das zeigt der aktuelle Marktbericht des FNG – Forum Nachhaltige Geldanlagen. Seit 2008 hat der nachhaltige Anlagemarkt zudem jedes Jahr stärker zugelegt als der konventionelle Markt. Für 2018 wird ein Wachstum von 30% prognostiziert – ein Wert, von dem selbst große Techfirmen oft nur träumen können. Ein Ende dieser Wachstumszahlen ist nicht in Sicht. Gerade in Zeiten von Digitalisierung, Regulierung und steigendem Kostendruck ist Nachhaltigkeit daher nicht nur ethisch und moralisch, sondern auch ökonomisch ein Feld, das zu beackern sich lohnt. Neue Vorgaben für Berater Auch Berater dürften sich dem nicht entziehen können. Nach dem Willen der EU sollen sie Kunden entsprechend ihren Nachhaltigkeitspräferenzen beraten. Neben dem Risikoprofil müssten sie somit zukünftig auch das Nachhaltigkeitsprofil des Kunden abprüfen. Der Zeitplan hierfür steht zwar noch in den Sternen. Und gerade die einheitliche und greifbare Definition des Begriffs Nachhaltigkeit dürfte die EU-Kommission noch vor Schwierigkeiten stellen. Die Richtung ist aber klar vorgegeben, zumal die Bundesregierung die Pläne der EU bereits offiziell begrüßt hat. Sonderthema im Überblick Nachhaltige Transformation: „Versicherungen sollen grün werden“ Aus der Berufspraxis eines „grünen“ Beraters „Immer weiter, immer höher – das kann auf Dauer nicht gut gehen“ Kurzinterviews: Nachhaltige Versicherer Nachhaltige Anleihen werden zum Normalfall „Der Franziskanerorden pflegte schon früh verantwortungsvollen Umgang mit Geld“ Dezember 2018 39