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AssCompact 12/2018

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NACHHALTIGKEIT ©

NACHHALTIGKEIT © sasinparaksa – Fotolia.com Aus der Berufspraxis eines „grünen“ Beraters Christian Schöttler hat sich als Anlageberater, Finanz- und Versicherungsmakler auf nachhaltige Lösungen spezialisiert. Der „grüne“ Makler gewährt einige Einblicke in seine Beratungspraxis sowie die Bandbreite seiner Kundengruppe und erläutert, wie sich das Thema Nachhaltigkeit mit einer objektiven Beratung in Einklang bringen lässt. Ob in der Landwirtschaft, beim Einkauf im Supermarkt selbst in der Autoindustrie – die Begriffe „bio“, „öko“ etc. sind in aller Munde. Zunehmend auch in der Welt der Versicherungen und Kapitalanlagen. Ist das nur eine Mode erscheinung oder eine im Wortsinn nachhaltige Entwicklung? Wenn man die Aktivitäten der Finanz- und Versicherungswirtschaft in den letzten Jahren beobachtet, so stechen neben dem aktuellen Haupttrend „Digitalisierung“ vor allem die Bestrebungen ins Auge, insbesondere neue Produktlinien möglichst in ein grüneres Gewand zu kleiden. Offenbar scheinen also die Aufseiten der Anleger und Versicherungsnehmer ist eine eindeutige, stetige Zunahme von Interesse und Bedarf an nachhaltigen Finanz- und Versicherungsprodukten zu beobachten. Anbieter plötzlich von der Idee beseelt, unser aller Welt besser und lebenswerter zu machen. Oder stecken dahinter vielleicht noch andere Beweggründe? Schließlich handelt es sich ja um Wirtschaftsunternehmen, die ihre Daseinsberechtigung zumindest steuerrechtlich einzig und allein ihrer Gewinnerzielungsabsicht verdanken. Also muss sich das neu entdeckte grüne Gewissen wohl auch lohnen. Denn es kostet ja nicht nur viel Zeit und Aufwand, immer mehr Anlageklassen und Versicherungssparten zu „sustainabilisieren“. Was der Markt selbst dazu sagt, also das Substrat, welchem die Gewinne letztlich entsprießen sollen, lässt sich ziemlich klar erkennen, wenn man tagtäglich direkt mit den Marktteilnehmern zu tun hat. Zum Beispiel als ein auf nachhaltige Lösungen spezialisierter Versicherungsmakler und Anlageberater. Passt die Nachfrage zum Angebot? Zugegeben, immer noch halten manche Menschen die Verknüpfung von „Nachhaltigkeit“ mit „Kapitalanlage“ und „Versicherungen“ zunächst für eine ideologische Spinnerei. Mit diesem Geschäftsmodell kann man jedoch nicht nur erfolgreich überleben, sondern vielmehr ist aufseiten der Anleger und Versicherungsnehmer eine eindeutige, stetige Zunahme von Interesse und Bedarf an nachhaltigen Finanz- und Versicherungsprodukten zu beobachten. Gleiches bestätigen die Kollegen, mit denen ich seit Jahren über unser überregionales freies Netzwerk „Grüne Makler“ kooperiere. Dabei reicht die Bandbreite der Kunden und Mandanten vom Auszubildenden und Studenten über junge Familien, Beamte und Selbstständige bis zum Ruheständler. Verbindendes Element ist zwar (noch) mehrheitlich ein höheres Bildungs- bzw. Einkommensniveau, aber auch der „einfache“ Angestellte verschließt sich diesem Thema nicht. Interessanterweise sind es darüber hinaus zunehmend Unternehmen, die nachhaltige Versicherungslösungen anfragen. Eigentliche Triebfeder dürfte auch hier der Verbraucher sein. Der erwartet in heutiger Zeit einfach von einem Unternehmen, mit dem er in eine Geschäftsbeziehung tritt, die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien. Nicht umsonst ist nahezu jeder Internetauftritt einer Firma inzwischen mit einem eigenen Menüpunkt „Unternehmensphilosophie“ oder „Unsere Leitlinien“ garniert, in dem die nachhaltigen Grundwerte und Bestrebungen besonders hervorgehoben werden. Dem müssen aber dann natürlich Taten folgen. Nachhaltigkeit und objektive Beratung – geht das überhaupt? Anders als in der öffentlichen Wahrnehmung leider immer noch verbreitet, besteht die Aufgabe eines Maklers bzw. Vermittlers nicht darin, Menschen zu überreden und ihnen Kapitalanlagen und Versicherungen aufzuschwatzen, die sie nicht brauchen. Ganz im Gegenteil unterliegt das Tätigkeitsprofil eines zugelassenen Vertreters dieses Berufsstandes ganz konkreten und strengen gesetzlichen Vorgaben: nach bestem Wissen und Gewissen ausschließlich die Interessen des Kunden bzw. Mandanten zu wahren und zu vertreten. 42 Dezember 2018

Trotzdem muss ich mich als Berater in keiner Weise verbiegen, wenn es um nachhaltige Lösungen für die Kundenwünsche geht. Denn am Ende der Bedarfsermittlung reicht die schlichte Frage, ob dem Kunden eine mindestens gleichwertige nachhaltige Lösung vielleicht lieber wäre als eine konventionelle. Als Antwort höre ich schlimmstenfalls verwunderte Reaktionen, aber bislang kein einziges „Nein“. Häufig ist es nur Unwissenheit, sodass ich auch bei diesem Thema einfach nur eine meiner ohnehin wichtigsten Berateraufgaben erledigen muss: erklären. Meistens wollen die Leute immer dasselbe wissen: „Ist das nicht teurer?“, „Was bedeutet das genau?“, „Taugt das etwas?“. Lohnen sich nachhaltige Kapitalanlagen und Versicherungen? Regelmäßig fällt die Entscheidung pro „grün“, wenn die Kunden davon überzeugt sind, dass das Produkt den finanziellen Zweck gleichwertig erfüllt. Sie sind dann nicht nur zufrieden, sondern sogar stolz und freuen sich, mit ihrer Entscheidung Gutes zu bewirken, also beispielsweise kein Geld in Rüstungsindustrie oder ausbeuterische Kinderarbeit zu investieren. Insbesondere, da es sich nicht mehr um eine Entscheidung zwischen „Rendite“ und „gutem Gewissen“ handeln muss, da sich heutzutage beides gut miteinander in Einklang bringen lässt. Gleiches gilt für den Versicherungsbereich, in dem es für immer mehr Sparten moderne Tarife gibt, bei denen nicht nur auf ein Top-Leistungsniveau sowie konkurrenzfähige Beiträge geachtet wird, sondern auch auf nachhaltige Ausrichtung, also die Berücksichtigung ökologischer, sozial-ethischer und humaner Kriterien in der Tarifgestaltung oder Verwendung der Beiträge. Tatsachen zur eigenen Vorteilsnahme. Die immer wieder aufflammende Diskussion über den „Best-in-Class-Ansatz“ beispielsweise nährt sich nicht zuletzt aus diesem Vorwurf. Daher ist permanentes Hinterfragen und Kritisieren, sei es aus dem Lager des Verbraucherschutzes, diverser Nachhaltigkeitsforen sowie insbesondere der Verbraucher selbst, notwendig und sehr willkommen. Letztlich kann nur so eine beständige Qualitätssteigerung bewirkt werden. Andererseits ist es aber auch nicht zielführend, alles, was (noch) nicht hundertprozentig und mit veganen Schleifchen umkränzt dem grünen Reinheitsgebot entspricht, leichtfertig mit dem K.-o.-Stempel „green washed“ zu versehen und direkt wieder vom Tisch zu fegen. Denn wo stünde die menschliche Zivilisation heute, wenn sich die bronzezeitliche Dorfgemeinschaft der Nutzung des gerade neu erfundenen Rads verweigert hätte, nur weil die ersten Exemplare zu schwer, zu kurzlebig und noch nicht perfekt ausgewuchtet waren? Nachhaltige Beratung – Luftblase oder erfolgreiches Geschäftsmodell? Der Markt für nachhaltige Lösungen im Finanz- und Versicherungssektor ist nicht nur bereits da – er wächst stetig. Unabhängig von den noch vorhandenen Kinderkrankheiten nehmen Nachfrage, aber auch verbraucherseitiger Qualitätsund Renditeanspruch zu. Sofern vorhanden, bevorzugt der Kunde Lösungen, die „so grün wie Sofern vorhanden, bevorzugt der Kunde Lösungen, die „so grün wie möglich“ sind. Dem ein oder anderen muss man noch die Steigbügel halten, aber dann reitet er begeistert los. möglich“ sind. Dem ein oder anderen muss man noch die Steigbügel halten, aber dann reitet er begeistert los. Insofern bräuchte es die zusätzliche Anstrengung der EU-Kommission gar nicht mehr unbedingt. Deren im Frühjahr 2018 verabschiedeter sogenannter „Nachhaltigkeits- Aktionsplan“ ist aber dennoch nicht nur begrüßenswert, sondern dürfte die Entwicklung noch weiter beschleunigen. Nicht nur, weil dann im Beratungsprozess gezwungenermaßen jeder Kunde über das Thema stolpern muss, sondern auch jeder Berater. Spätestens dann sollte man genug gute Pfeile im Köcher haben – und halbwegs wissen, wovon man spricht. W Wirklich öko oder bloße Augenwischerei? Ja, es gibt Alibi-Produkte, die einzig und allein auf den Markt geworfen wurden und werden, um sich noch ein möglichst großes Stück vom grünen Kuchen zu sichern. Und nein, Greenwashing ist wirklich nicht gut. Schließlich handelt es sich um die Vorspiegelung falscher Von Christian Schöttler, Inhaber von EcoKontor Dezember 2018 43