Aufrufe
vor 1 Woche

AssCompact 12/2018

  • Text
  • Makler
  • Unternehmen
  • Dezember
  • Versicherer
  • Beratung
  • Nachhaltige
  • Digitale
  • Berater
  • Vermittler
  • Digitalen

NACHHALTIGKEIT ©

NACHHALTIGKEIT © 9comeback – Fotolia.com Nachhaltige Versicherer Bei etlichen Versicherern hat der Nachhaltigkeitsgedanke bereits Einzug gehalten. AssCompact hat bei vier Gesellschaften nachgefragt, was ihre nachhaltigen Produkte ausmacht und wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen umgehen. Arend Arends Nachgefragt bei Arend Arends, Vorstandsvorsitzender der NV-Versicherungen Herr Arends, Bioprodukte im Lebensmittelhandel finden ihre Kunden. Wie ist das Ihrer Erfahrung nach im Bereich Versicherungen? Immer mehr Menschen werden für einen nachhaltigen Konsum sensibilisiert. Steigende Energiepreise, wiederkehrende Extremwetterlagen – die Menschen merken, dass sie selbst einen nachhaltigen Beitrag leisten können. Auch im Versicherungsbereich spüren wir eine steigende Nachfrage. Wir denken, dass Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil der Versicherungsbranche werden wird. Die NV-Versicherungen haben ja auch grüne Varianten einiger Sachversicherungen im Angebot. Inwiefern sind diese Produkte nachhaltig? Wir zeigen unseren Mitgliedern einen klaren Mehrwert mit unseren grünen Versicherungslösungen auf. Das bekommt er zum großen Teil durch den grünen, also den ökologischen Aspekt. Wird ein Baum gepflanzt und kann dies transparent nachgewiesen werden, dann kennt der Kunde den Mehrwert bei einem grünen Versicherungsprodukt. Aber bei grünen Versicherungen geht es um mehr als nur den ökologischen Aspekt. Bei uns geht es darum, dass das gesamte Beitragsaufkommen aus den grünen Versicherungen in nachhaltige Kapitalanlagen investiert wird. Das bedeutet, dass wir sicherstellen, dass dieses Kapital ausschließlich in Anlagen fließt, bei denen wir wissen, dass definierte Negativkriterien ausgeschlossen und ökologische und soziale Belange berücksichtigt werden. Darüber hinaus beteiligen wir uns an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung über nachhaltige Unternehmen bzw. an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung von nachhaltigen Geräten. Was verstehen Sie dabei unter „nachhaltiger Wiederbeschaffung“? Wie sieht das aus und wie wird dies im Schadenfall gehandhabt? Das bedeutet konkret im Beispiel unserer NV HausratPremium 6.0 „grün versichert“, dass wir uns bis zu 60% an den Mehrkosten für die Wiederbeschaffung von Kühlschränken, Gefrierschränken, Geschirrspülern, Waschmaschinen und Trocknern beteiligen. Das neue Gerät muss dabei die höchste Effizienzklasse und eine anerkannte nachhaltige Zertifizierung wie den „Blauen Engel“ oder „Energy Star“ aufweisen. Wir unterstützen damit die nachhaltige Lebensweise unseres Mitglieds und haben diese Nachhaltigkeitsklauseln auch in unsere anderen grünen Versicherungen integriert. Sind diese Produkte tendenziell teurer oder günstiger als die traditionellen Produkte? Die grünen Versicherungen sind unwesentlich teurer als unsere normalen Versicherungen. Der leicht erhöhte Preis zeigt aber auch gleichzeitig den Mehrwert der nachhaltigen Versicherungen auf. Für den Makler ist das ideal, denn dann ist er raus aus der Preisdiskussion und kann sich mit seinem Kunden über die nachhaltigen Mehrleistungen unterhalten. Wie setzen Sie denn im eigenen Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit um? Für die NV-Versicherungen ist Nachhaltigkeit schon immer eine Selbstverständlichkeit, da wir seit 200 Jahren direkt an der Nordsee arbeiten. Das heißt, dass wir Klimaveränderungen direkt mitbekommen. Auch unsere Rechtsform greift den nachhaltigen Grundgedanken auf. Denn als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sind wir nur unseren Mitgliedern gegenüber verpflichtet. Seit Anfang dieses Jahres wurden wir daher auch vom Deutschen Institut für Nachhaltigkeit und Ökonomie für eine „Gesicherte Nachhaltigkeit“ ausgezeichnet. Das bedeutet, dass wir als Unternehmen ganzheitlich nachhaltig ausgerichtet sind. W 46 Dezember 2018

Martin Gräfer Nachgefragt bei Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische Herr Gräfer, Bioprodukte liegen bei Kunden im Trend und der Aspekt der Nachhaltigkeit wird zumindest scheinbar wichtiger. Wie hat sich Ihrer Auffassung nach der Markt der – sagen wir „echten“ – nachhaltigen Versicherungen in den letzten Jahren entwickelt? Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr, sondern in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Und die dahinter stehenden Fragen gehen jeden an: Wie schaffen wir es, den Klimawandel in den Griff zu bekommen? Wie schnell geht die Energiewende? Welchen Beitrag kann ich persönlich leisten? Da wollen wir als Bayerische eine Antwort geben, die zu uns als Versicherer passt und die auch anspruchsvolle Kunden zufriedenstellt. Marktstudien zeigen, dass rund 16 Millionen Kunden an nachhaltigen Investments interessiert sind. Davon sind 7 Millionen bereit, ihre Anlagestrategie für mehr Nachhaltigkeit neu auszurichten. Der Markt ist also sehr groß. Die Aufgabe ist: Diese Kunden sind sehr kritisch und fordern absolute Transparenz bei den Investments. Dem Wunsch kommen wir mit unserem Investmentansatz nach. Und das gilt im Übrigen für uns als Kapitalanleger selbst auch. Sie haben im Oktober 2017 mit Pangaea Life sogar eine eigene neue Marke für dieses Segment ins Leben gerufen. Was waren die Beweggründe? Wir haben schnell gemerkt, dass die „grünen“ Versicherungsangebote am Markt mit den üblichen und allseits bekannten Öko-Publikumsfonds hinterlegt sind. Diese Fonds sind aber meist eher ein – mehr oder weniger – schlechter Kompromiss, weil dort auch Konzerne im Portfolio aufgenommen sind, die strengen Nachhaltigkeitskriterien nicht immer standhalten. Und weil für den Anleger vielleicht auch die erwünschte Transparenz fehlt. Deshalb haben wir uns entschlossen, einen eigenen Fonds unter unserer neuen Marke Pangaea Life aufzulegen, der all diese strengen Kriterien erfüllt und bei dem wir volle Kontrolle über die Investments haben – ganz im Sinne des Kunden. Der Name des Urkontinents Pangaea steht für unser Ziel, Vorsorge und Absicherung mit Nachhaltigkeit zu verbinden. Der Pangaea-Life-Fonds enthält ausschließlich Investments, die die ökologische Entwicklung fördern und das Wachstumspotenzial einer nachhaltigen Anlagestrategie nutzen. Deshalb investiert der Pangaea-Life-Fonds grundsätzlich nur in Projekte, die den Klimaschutz fördern, also Photovoltaik, Windenergie, Wasserkraft, Forstwirtschaft, Energieffizienz oder Energiespeicher. Auf der anderen Seite engagiert sich der Fonds deshalb ausdrücklich nicht in Unternehmen, die in Verbindung stehen beispielsweise mit Tierversuchen, Kinderarbeit, Korruption, Herstellung von Militärgütern oder sogenannter grüner Gentechnik. Diese Stringenz gab es in Anlagefonds bisher nicht. Das Herz des Pangaea-Fonds sind die Investmentthemen Klimaschutz und regenerative Energien. Welche Produkte hat die Marke inzwischen im Angebot? Der Pangaea-Life-Fonds zur Altersvorsorge ist hinterlegt als Kapitalanlage bei unserer Investment-Rente. Überdies bieten wir Versicherungen im Bereich betriebliche Altersvorsorge, Hausrat und Haftpflicht und eine spezielle Versicherung für Elektrofahrzeuge unter dieser Marke an. Letztlich läuft es darauf hinaus, dass bei den Produkten die Kapitalanlage in einen nachhaltigen Sachwertefonds erfolgt. Nur weil dieser „grün“ ist und in Windkraft investiert, muss er aber nicht risikoarm sein. Wie sieht es an dieser Stelle aus? Gerade erneuerbare Energien sind als Anlageklasse besonders risikoarm. Und sie bieten gute Ertragschancen bei geringer Volatilität. Wir haben unsere Investments gut diversifiziert, etwa in Segmente wie Wind, Solar oder Wasser, sowie geografisch gestreut und sehen uns jedes Projekt genau an. Zudem untersuchen wir ständig neue Opportunitäten in anderen ökologischen Bereichen. Der Erfolg gibt uns recht: Bereits im ersten Jahr erzielte der Pangaea-Fonds eine Bruttorendite von 4,01%, obwohl darin die einmaligen Anfangskosten zum Auflegen des Fonds enthalten sind. Die fallen nun weg, deshalb sind wir zuversichtlich, künftig Renditen zwischen 4 und 6% oder darüber hinaus erzielen zu können. Das zeigt, Nachhaltigkeit geht nicht auf Kosten des Ertrages. Zahlt sich denn der Aufwand aufseiten der Makler und Kunden aus? Wir haben aufgrund der hohen Nachfrage unsere internen Planzahlen schon im ersten Jahr deutlich übertroffen und rechnen uns für die nächsten Jahre weitere attraktive Steigerungsraten aus. W Dezember 2018 47