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AssCompact 12/2018

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NACHHALTIGKEIT Dr.

NACHHALTIGKEIT Dr. Andreas Eurich Nachgefragt bei Dr. Andreas Eurich, Vorstandsvorsitzender der Barmenia Versicherungen Herr Dr. Eurich, die Barmenia unternimmt einige Anstrengungen, was Nachhaltigkeit und soziales Engagement betrifft. Was gehört für Sie hier alles dazu? Nachhaltigkeit gehört bei uns zur Verantwortungskultur. Das Thema ist deshalb dort verankert, damit alle Mitarbeiter Prozesse dahingehend überprüfen. Aus unserer Sicht ist eine Zieldefinition zu kurz gedacht. Ziele werden definiert und irgendwann sind sie erfüllt. Nachhaltigkeit hört aber nie auf. Dabei ist es wichtig, dass ökonomische, soziale und ökologische Komponenten zusammen und nicht einzeln gedacht werden. Den Anfang unserer nachhaltigen Ausrichtung haben wir auf 2001 datiert, da die Barmenia in dem Jahr eine Krankenvollversicherung geschaffen haben, die neben der klassischen Schulmedizin auch Naturheilverfahren sowie die ökologische Kapitalanlage der Alterungsrückstellungen beinhaltete. Ein ganzheitlicher Ansatz, der vollständig das Kerngeschäft betraf. Mittlerweile ist es für uns normal, dass unsere Krankenversicherungen Leistungen für Naturheilverfahren vorsehen und sich die verantwortungsbewusste Kapitalanlage über die gesamte Barmenia-Produktpalette erstreckt. Die Barmenia bekennt sich dabei zu den Grundsätzen für nachhaltiges Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI). Was bedeutet das konkret? Mit unserem Bekenntnis zu den UNPRI zeigen wir, dass verantwortungsbewusstes Investieren für uns wichtig ist. Wir achten darauf, dass unsere Investitionen für die Gesellschaft förderlich sind. Für alle Neuinvestitionen wurden Ausschlusskriterien definiert, die festlegen, in welchen Staaten und Unternehmen keine Anlagen getätigt werden dürfen. Auf der Internetseite www.nachhaltige.versicherung zeigen wir dies transparent auf. Einmal jährlich erhalten die Vereinten Nationen einen sogenannten Fortschrittsbericht, der die verantwortungsbewusste Entwicklung unserer Kapitalanlage aufzeigt. Inwieweit zahlt sich das Engagement im Hinblick auf Image und Marke aus? Oder geht es vor allem um das Erreichen neuer Zielgruppen? In erster Linie sehen wir das Thema als unternehmerische Verantwortung. Zum Vorteil ist, dass viele Maßnahmen automatisch auf unser Image einzahlen. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Barmenia Versicherungen viele Nachhaltigkeitsaspekte umgesetzt, sodass die Unternehmen von einigen Experten als Vorreiter bezeichnet wurden. Wenn sich jemand für Nachhaltigkeit interessiert und den Bedarf an Versicherungsprodukten hat, führt ihn sein Weg sehr wahrscheinlich zur Barmenia. Welche nachhaltigen Produkte hat die Barmenia im Portfolio und inwiefern tragen diese dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung? Da die Kapitalanlage die gesamte Produktpalette betrifft, sind wir bereits gut aufgestellt. Darüber hinaus wird bei Produktentwicklungen überlegt, inwieweit sinnvolle soziale oder umweltfreundliche Leistungen einfließen können. So bieten wir beispielsweise in der Pflegeversicherung persönliche Hilfeleistungen durch unseren Partner, die Johanniter-Unfall-Hilfe, an. In der Hausratversicherung erhält der Kunde im Schadenfall bei Haushaltsgeräten ein Upgrade auf die höchste Energie - effizienzklasse. Unsere papierlosen Prozesse tragen genauso zum Umweltschutz bei wie der Einsatz von Ökostrom und die Klimaneutralität unserer Hauptverwaltungen. Sind Sie mit der Resonanz bei Vermittlern, insbesondere bei Maklern, heute schon zufrieden? Nachhaltigkeit kommt bei den Menschen positiv an. Bei Kunden sowie Vertriebspartnern gewinnt das Thema an Bedeutung. Bevorzugt wird nach der Art der Investition von Kundengeldern gefragt. Da die Barmenia gut aufgestellt ist, kann der Berater das Thema im Beratungsgespräch aktiv ansprechen. Die Berater und die Kunden sind immer wieder positiv überrascht, wie vielseitig die Barmenia ist. Neben den vertrieblichen Aspekten freuen wir uns, wenn Nachhaltigkeit von unseren Partnern und von den Kunden positiv aufgenommen wird, da es insgesamt zum Wohle der Gesellschaft ist. W © 9comeback – Fotolia.com 48 Dezember 2018

© trahko – Fotolia.com Thomas Gebhardt Nachgefragt bei Thomas Gebhardt, Vorstandsvorsitzender der Waldenburger Versicherung Herr Gebhardt, die Nachfrage nach Bioprodukten steigt, es sind aber auch manchmal Mogelpackungen dabei. Wie sieht es hierzu im Bereich der nachhaltigen Versicherungen aus? Die Frage ist doch, wie eine Mogelpackung definiert ist. Bei Konsumgütern ist das relativ einfach: Insektizide, Pestizide, industrielle Tierhaltung, Kinderarbeit etc. sind hier das Problem. Bei Versicherungsprodukten sind die Leistungsinhalte eines Produktes ganz schnell vom Mitbewerber abgeschrieben. Ob der Versicherer wirklich nachhaltig ist oder nicht, kann nur der Kunde erkennen, der auch nachhaltiges Wissen hat und die richtigen Fragen stellt, nämlich ob der Versicherer auch wirklich auf dem Weg der Transformation zu einem „nachhaltigen Versicherer“ ist. Für die Waldenburger soll Nachhaltigkeit kein reines Lippenbekenntnis sein. Wie setzen Sie das Thema also im Unternehmen um? Ausgangslage war und ist nicht, grüne, sprich nachhaltige Produkte zu vertreiben, sondern die Veränderung der Waldenburger in sich. Wir wollen mit einer nachhaltigen Ausrichtung unseren Anteil zum gesellschaftlichen Wandel beitragen und beginnen, uns zu verändern. Dies beginnt „top down“ durch den Vorstand und wird „buttom up“ durch die Mitarbeiter reflektiert. Um unseren aktuellen Stand der Transformation und unsere zukünftigen Ziele in einem zeitlichen Rahmen zu dokumentieren, haben wir einen Nachhaltigkeitsbericht wie die großen Unternehmen erstellt, allerdings auf freiwilliger Basis und ohne die gesetzlichen Verpflichtungen hierzu. Welche „grünen“ Versicherungslösungen haben Sie im Angebot und inwiefern tragen diese dem Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung? Wir möchten unseren Kunden und nachhaltig lebenden Menschen die Möglichkeit geben, auch nachhaltige Produkte zu kaufen. Die Inhalte sind sehr unterschiedlich. Je nach Risiko, ob Unfall-, Hausrat-, Wohngebäudeschutz oder auch private Haftpflichtansprüche, erbringen wir Leistungen, die über den „normalen“ Leistungsumfang des jeweiligen Standardproduktes hinausgehen und nachhaltigen Charakter haben. Des Weiteren zahlen wir aus dem erbrachten Leistungsvolumen noch einen Teil in ein Allmendegut: das Waldenburger Moor. Makler können diese Produkte jedoch nur vermitteln, wenn sie über nachhaltiges Wissen verfügen. Damit heben wir uns sehr stark vom Markt ab, da wir der Meinung sind, dass ein nachhaltiges Produkt auch nur von wissenden, sprich nachhaltig denkenden Vermittlern erklärt werden kann, denn auch ein nachhaltiges Versicherungsprodukt bleibt ein erklärungsbedürftiges Gut. Wie sind denn Versicherungsvermittler beim Thema Nachhaltigkeit aufgestellt? Versicherungsvermittler mit nachhaltigen Kenntnissen sind deutlich in der Unterzahl. Hier bietet die Greensurance Stiftung, Stiftung für Mensch und Umwelt, Weiterbildungen für Makler, um dieses nachhaltige Wissen zu erlangen und dann weiterzugeben. Erst wenn die Vermittler verstanden haben, warum Unwetter teilweise für die Erhöhung der Wohngebäudeprämie verantwortlich sind, werden die Kunden verstehen, vor welchen Herausforderungen unsere Gesellschaft steht, und hoffentlich zum Wandel beitragen. Braucht es Ihrer Einschätzung nach ein – vielleicht einheitliches – Label bzw. eine Zertifizierung für nachhaltige Produkte? Ach, wissen Sie, Labels und Zertifizierungen sind gut und schön, der durchschnittliche Verbraucher kennt sich doch schon heute nicht in diesem Dschungel aus. Die Gesellschaft sollte viel früher mit der Aufklärungsarbeit beginnen. Wenn jeder hinterfragen und kritisch prüfen würde, wären wir schon einen großen Schritt beim Thema Treibhauseffekt und Klimaerwärmung weiter. Aber ja, eine Zertifizierung würde das grundsätzliche Problem der Branche zum Umgang mit diesem Thema vereinfachen. W Dezember 2018 49