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AssCompact 12/2019

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KRANKENVERSICHERUNG Die

KRANKENVERSICHERUNG Die neuen Gesundheitsbutler Die Rolle der Krankenversicherer und -kassen verändert sich. E-Health, Ökosysteme, Telematik und elektronische Patientenakte lauten die neuen Themen. Insbesondere die PKV will nicht mehr Kostenerstatter, sondern Gesundheitsdienstleister sein. Von Brigitte Horn, AssCompact Es gibt sie natürlich noch, die alten Rivalitäten zwischen de r PKV und der GKV oder dem, was man den beiden Systemen zuschreibt. Gerade zeigt sich das wieder an der Diskussion darüber, ob Privatpatienten für Versorgungsmängel auf dem Land verantwortlich seien. Der PKV-Verband meint, dazu den Gegenbeweis im aktuellen PKV-Regionalatlas Hessen gefunden zu haben. Privatversicherte würden gerade auch in ländlichen Regionen überproportional zum Einkommen und damit zum Fortbestand der Arztpraxen beitragen. „Die Regionaldaten widerlegen die These, dass sich Ärzte angeblich seltener in ländlichen Regionen niederlassen, weil es dort weniger Privatversicherte gibt“, so der PKV-Verbandsdirektor Florian Reuther. Der Regionalatlas schlüsselt die zusätzlichen Einnahmen der Arztpraxen durch den Anteil der Privatversicherten nach Städten und Landkreisen auf. Diese Mehrumsätze entstehen, weil Privatpatienten für viele Leistungen höhere Honorare entrichten, als sie bei Kassenpatienten anfallen. Diese zusätzlichen Mittel könnten Ärzte, Apotheken, Therapeuten und Krankenhäuser in Fachpersonal oder moderne Geräte investieren, so der PKV-Verband. Davon würden auch die gesetzlich versicherten Patienten profitieren. Gleichermaßen erteilt der Verband damit auch einer Einheitsgebührenordnung, wie sie die SPD fordert, eine Absage und richtet entsprechende Appelle an die von der Bundesregierung berufene Kommission, die Vorschläge für die Vergütung der ambulanten ärztlichen Versorgung bis Ende 2019 unterbreiten soll. Doch während weiter über Finanzierung und Vergütung in den beiden Systemen gestritten wird, ist es die Digitalisierung, die die Krankenversicherer und die Krankenkassen aktuell in neue Welten treibt. 34 Dezember 2019

Das Digitale-Versorgung-Gesetz Zunächst sei dazu das neue „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (Digitale-Versorgung-Gesetz – DVG) erwähnt. Dank des Gesetzes können Ärzte nun Gesundheits-Apps verschreiben. Die Kosten dafür zahlt die GKV. Gemeint sind etwa Apps, die dabei unterstützen, dass Patienten ihre Arzneimittel regelmäßig einnehmen oder ihre Blutzuckerwerte dokumentieren. Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser müssen sich in vorgegebenen Fristen an die digitalen Netzwerke, etwa ab 2021 an die elektronische Patientenakte, anschließen, oder sie müssen mit Honorareinbußen rechnen. Rezepte sollen künftig vermehrt auf elektronischem Weg verordnet werden und Ärzte dürfen auf Videosprechstunden verweisen. Ziel ist ein einheitliches und sicheres Datennetz im gesamten Gesundheitsbereich. Problematisch dabei ist, dass die PKV-Versicherer hier nicht angebunden sind und mittlerweile – auch zusammen mit verschiedenen Krankenkassen – eigene Wege gehen. © adam121 - stock.adobe.com E-Health ist im Kommen Die bekannteste elektronische Gesundheitsakte ist dabei sicherlich Vivy, die sich auch als Gesundheitsassistentin präsentiert. Zahlreiche Funktionen sollen bei der Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit unterstützen. Sie erinnert die Versicherten an Arzttermine oder gibt Tipps für ein besseres Wohlbefinden. Wie auch bei Konkurrenzprodukten sollen auch die Daten von Fitnesstrackern eingespielt werden können. Mit diesen Tools sind die Weichen gestellt: Versicherer und Krankenkassen präsentieren sich immer öfter als Gesundheitsbutler. Sie wollen nicht mehr der rein finanzielle Leistungserstatter, sondern Partner des Versicherten sein. Die Digitalisierung macht es möglich. Es geht um E-Rezepte und Direktabrechnung, um Telemedizin und Ökosysteme. Die „Touchpoints“ zum Kunden sollen deutlich erhöht werden. Und mithilfe von gesammelten (anonymisierten) Daten sollen Risiken, Verhaltensweisen und Krankheitsverläufe besser erkannt werden. Relevante Wettbewerbsfaktoren? Das Gesundheitssystem hat sich auf den Weg in das digitale Zeitalter gemacht. Ob die neuen Angebote Versicherte und Vermittler überzeugen können und zu einem relevanten Wettbewerbsfaktor werden, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen. Jedenfalls aber ist der Markt in Bewegung und es wird weiter um Vermittler und Kunden in beiden Systemen und in der PKV sowohl in der Voll- als auch in der Zusatzversicherung geworben. Damit beschäftigt sich abseits und diesseits der Digitalisierung dieses Sonderthema. W Sonderthema im Überblick Die Krankenversicherung in Zahlen Wie Vermittler jetzt ihre Chancen in PKV und bKV nutzen können ARAG Kranken setzt auf neues Tarif-Trio im Vollversicherungsmarkt (K)eine zweite Meinung „Ich kann Vermittlern nur raten: Keine Angst vor der bKV“ Krankenversicherung bei Ruhestand im Ausland: Die wichtigsten Fragen Angst vor Telematiktarifen – Begründet oder unbegründet? Das Land Hessen hat im Oktober einen Entschließungsantrag beim Bundesrat gestellt. Es geht dabei um den Schutz von Versicherungsnehmern vor laufender Erhebung hochsensibler Gesundheitsdaten zu Zwecken der Tarifgestaltung in der Krankenversicherung. Die Landesregierung befürchtet, dass Versicherer auf Basis der neuen Technologie, etwa Fitnesstracker, Tarife entwickeln, in denen sich das gesundheitsbewusste Verhalten der einzelnen Versicherten günstig auf den PKV-Beitrag auswirken kann. Solche PKV-Tarife seien gar nicht mit den rechtlichen Vorgaben vereinbar, stellt dazu der PKV- Verband fest. Denn die PKV-Unternehmen müssten die Risikoprüfung für den PKV-Beitrag laut Gesetz vor Vertragsabschluss durchführen. Veränderte Risiken, zum Beispiel durch einen besonders gesunden Lebensstil, dürften sich danach nicht mehr auf die Prämie auswirken.Beim digitalen Gesundheitsmonitoring gehe es nicht um Beitragskalkulation und Selektion, sondern um das Potenzial für die Gesundheit der einzelnen Versicherten und für die finanzielle Entlastung des Kollektivs, erklärt der PKV- Verband den Nutzen solcher Tarife. Dezember 2019 35

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