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AssCompact Sonderedition Betriebliche Versorgung

Ausgabe 2019

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KONZEPTE & LÖSUNGEN © nezezon – stock.adobe.com Zinswende und Pensionsrückstellungen: Fluch oder Segen? Der Zins ist die wesentliche Stellschraube für die Höhe der Pensionsrückstellung. Es ist durchaus lohnenswert, die Auswirkungen einer Zinswende auf die Direktzusage und die dazugehörigen Pensionsrückstellungen genauer zu betrachten. Immerhin befinden sich noch über 50% der Deckungsmittel in diesem Durchführungsweg. Lange stand sie vor der Tür, doch nun ist sie erst einmal in London shoppen gegangen – die Zinswende. Sollte sie sich dennoch für einen Eintritt entscheiden, wird die Zinswende auch bei den Versorgungsträgern der betrieblichen Altersversorgung (bAV) Spuren hinterlassen. Stille Reserven werden dann eventuell zu stillen Lasten, Deckungsmittel müssen neu bewertet werden und die handelsbilanziellen Pensions - rückstellungen sinken. Im Folgenden werden der Durchführungsweg Direktzusage und die dazugehörigen Pensionsrückstellungen betrachtet. Immerhin befinden sich mehr als 50% der Deckungsmittel in diesem Durchführungsweg, der aufgrund der steigenden Pensionsrückstellungen seit Beginn der Niedrigzinsphase oft als unkalkulierbares Risiko dargestellt wird. Der Zins als Treiber der Pensionsrückstellung Auch wenn Biometrie, Inflationsrate und Lohnentwicklung eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Direktzusagen spielen können, ist zumeist der Zins die wesentliche Stellschraube für die Höhe der Pensionsrückstellung. Die einfache Faustformel lautet: je höher der Zins, desto niedriger die Pensionsrückstellung. Auf den ersten Blick würde also eine Zinswende die Bilanzen der betroffenen Unternehmen deutlich entlasten. Eine sorgfältige Analyse zeigt jedoch, dass die Auswirkungen einer Zinswende auf die Höhe der Pensionsrückstellung sehr unterschiedlich sein werden – je nach Art der Direktzusage und Bilanzierungsmethode. Von Dr. Hauke Voßeler, Leiter Beratende Gutachter bei der Condor Dienstleistungs-GmbH Individuelle Lösungen für Makler Als Unternehmen der R+V-Gruppe verfügt die Condor Dienstleistungs-GmbH über langjährige Erfahrungen im Bereich bAV. In Zusammenarbeit mit der compertis Beratungsgesellschaft für betriebliches Vorsorgemanagement liefern die bAV- Experten individuelle und praxisorientierte Lösungen für Makler und deren Kunden. Zinsfestung § 6a EStG Die steuerliche Rückstellung nach § 6a Einkommensteuergesetz (EStG) ist mit 6% pro Jahr abzuzinsen. Diese Zahl ist eine verlässliche Konstante aus dem letzten Jahrtausend. Egal wohin sich die Zinsen am Anleihemarkt in der Zeit nach der Jahrtausendwende entwickelten, es blieb bei der gesetzlichen Vorgabe eines Rechnungszinses von 6%. Ändern kann das höchstens das Bundesverfassungsgericht. Eine Zinswende hätte aktuell somit keine Auswirkung auf die Höhe der steuerlichen Pensionsrückstellung. Deutsche Handelsbilanz hinkt hinterher Bei der Bewertung nach dem Standard der internationalen Rechnungslegung (zum Beispiel IFRS) werden tagesaktuelle Zinsen angesetzt. Eine Zinswende führt somit unmittelbar zu niedrigeren Pensionsrückstellungen. Die deutsche Handelsbilanz dagegen hinkt in der Entwicklung hinterher. Hier kommt ein Durchschnittszins zur Anwendung. Vor dem Hintergrund sinkender Zinsen hat der Bundestag im Jahr 2016 den Zeitraum der Durchschnittsbildung von sieben auf zehn Jahre verlängert, was damals zu einer kurzfristigen Entlastung bei den handelsbilanziellen Pensionsrückstellungen führte. Im Umkehrschluss macht sich so ein dauerhafter Zinsanstieg in der Handelsbilanz auch erst deutlich später bemerkbar. Bis ein Zehnjahresdurchschnitt auf 12 Sonderedition

ein höheres Niveau kommt, geht somit viel Zeit ins Land. Unter Umständen hat bereits die nächste Zinswende – hin zu niedrigeren Zinsen – eingesetzt. In der unten stehenden Grafik ist eine Zinswende modellhaft abgebildet: Steigt der Zins bis auf 4% im Jahr 2027, steckt der Zehnjahresdurchschnitt noch unter 2,8% fest. Er ist niedriger als ein Siebenjahresdurchschnitt, der die Zinswende deutlich schneller nachvollziehen würde. Ausgestaltung einer Pensionszusage Nicht nur die Bilanzierungsmethode, sondern auch die Ausgestaltung einer Pensionszusage spielt eine Rolle für das Maß der Auswirkung einer Zinswende auf die Pensionsrückstellung. Die Zusage auf eine einmalige Kapitalleistung per Alter 67 hat im Mittelwert beispielsweise eine deutlich geringere Laufzeit als die Zusage einer lebenslangen Altersrente. Dies gilt umso mehr, wenn auch eine Hinterbliebenenrente zugesagt ist. Rückstellungen für Rentenzusagen sind damit deutlich stärker vom Rechnungszins abhängig, als dies bei Kapitalzusagen der Fall ist. Bei einer Direktzusage bestehen somit Gestaltungsmöglichkeiten, um die Abhängigkeit der Pensionsrückstellung vom Rechnungszins zu vermindern. Cashflow-Analyse und Vorsorgeplanung Die Entwicklung der Pensionsrückstellung und ihre Auswirkung auf den Unternehmensgewinn ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die tatsächliche Belastung des Cashflows eines Unternehmens durch die monatlich zu zahlenden Betriebsrenten. Dieser Cashflow ist in der Regel unabhängig vom Zinsumfeld. Um sicherzustellen, dass die Betriebsrente in 20 bis 30 Jahren ohne große Belastung für das Unternehmen gezahlt werden kann, bietet sich eine versicherungsförmige Rückdeckung dieser Verpflichtung an. Es ist oft sinnvoll, wenigstens für einen wesentlichen Baustein der Altersvorsorge das Langlebigkeitsrisiko und das Anlagerisiko (Zinsentwicklung) über eine Lebensversicherung abzusichern – unter Umständen auch zulasten der Gesamtrendite. Bei vernünftiger Ausgestaltung entstehen hierbei Deckungsmittel, die die Pensionsrückstellung direkt reduzieren. Auch bei Auslagerung oder Liquidation erweisen sich Rentenversicherungen oft als hilfreich. Denn die Deckungsmittel können durch einen Wechsel des Versicherungsnehmers ohne große Verluste auf den neuen Versorgungsträger übertragen werden. Fazit Eine Zinswende würde die handelsbilanziellen Pensionsrückstellungen nicht zeitnah entlasten. Für das professionelle Management von Direktzusagen bleiben eine vernünftige Abschätzung der Entwicklung der Pensionsrückstellung sowie eine zuverlässige Cashflow-Analyse unerlässlich. Dabei ist zu überprüfen, ob die Gestaltung der Zusage anzupassen ist und welche Mittel zur Rückdeckung sinnvoll sind. W Entwicklung Durchschnittszins (HGB) bei einer Zinswende Steigt der Zins auf 4% im Jahr 2027, bleibt der Zehnjahresdurchschnitt noch unter 2,8%. Quelle: Condor Sonderedition 13

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