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AssCompact 01/2019

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INVESTMENT © kasto –

INVESTMENT © kasto – Fotolia.com Investieren im reifen Bullenmarkt Die Situation an den Weltbörsen bleibt 2019 weiterhin undurchsichtig. Anleger sollten daher den Blick auf die übergeordneten Einflussfaktoren richten. Dabei zeigt sich: Auch wenn die Volatilität hoch bleibt, ist der Bullenmarkt weiterhin intakt. Deshalb gilt es, seiner Strategie treu zu bleiben und sich nicht zu übereiltem Aktionismus hinreißen zu lassen. Das Börsenjahr 2018 hat die Geduld der Anleger zweifellos auf eine harte Probe gestellt. Das makroökonomische Umfeld rund um den Globus ist zwar stabil geblieben, aber es war eben nicht mehr die beste aller möglichen Welten, in der die Investoren zuvor gelebt haben. Solide, aber eben wenig schimmernd – das reichte Ökonomen und angesehenen Finanzhäusern, um regelmäßig ein Ende des jahrelangen Aufschwungs, vor allem in den USA, und ein weltweites Abgleiten in die Rezession zu prophezeien. Die zum Teil düsteren Prognosen speisten sich aus ständig wechselnden Krisenherden: Sorgen um die Notenbankpolitik in den USA und Europa, eine flache US-Zinsstrukturkurve, die auf mittelfristige Sicht droht, invers zu werden, sowie unzählige politische Diskussionen und diverse konjunkturelle Schwächephasen auf regionaler Ebene. Anleger im Krisenmodus Kaum ein Akteur an den Märkten blieb von diesen Argumenten unbeeindruckt, zumal negative Ereignisse stets neue Ängste schürten. Die überbordenden Steuergeschenke der amerikanischen Regierung hatten vor allem zu Jahresanfang Das Börsenjahr 2018 ließ die Anleger am Ende mit einer durchwachsenen Wertentwicklung regelrecht „hängen“. Zweistellige Aktienrenditen wie in den Jahren zuvor waren Fehlanzeige. die Befürchtung auf steigende Zinsen und Inflationsraten geweckt. Dazu gesellten sich die Währungskrisen der Türkei und Argentiniens. Und ab der Jahresmitte gab es ein permanentes Störfeuer von politischer Seite. Mal waren es die schleppenden Verhandlungen rund um den Brexit, dann wieder sorgte der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China für Unruhe an den Börsen – ein Disput, in den nach und nach der gesamte Welthandel hineingezogen wurde. Die Kurse schaukeln Bei vielen Anlegern bleibt von 2018 somit das subjektive Gefühl einer zähen Seitwärtsphase zurück. Über Wochen oder Monate hinweg pendelten die Kurse in einem mehr oder weniger engen Korridor. Ging es dann endlich ein Stück bergauf, folgte die Ernüchterung in Form von zwei kräftigen Korrekturen – einmal im Frühjahr und dann der zweite Paukenschlag im Spätsommer. So ließ das Börsenjahr die Anleger am Ende mit einer durchwachsenen Wertentwicklung regelrecht „hängen“. Zweistellige Aktienrenditen wie in den Jahren zuvor waren Fehlanzeige. Der Bullenmarkt lebt All das ist jedoch charakteristisch für einen reifen Bullenmarkt, der in seiner Ausprägung viel typischer ist, als es das Gros der Marktteilnehmer wahrnimmt. In der spätzyklischen Phase sind es nicht mehr unbedingt bessere Fundamentaldaten, die den Aufschwung tragen. Eher im Gegenteil mangelt es häufig an Dynamik, weil der konjunkturelle Tiefpunkt bei der vergleichenden Betrachtung mehr und mehr herausrutscht. Irgendwann aber wird sich die Stimmung unter den Anlegern wieder bessern. Sie schöpfen Vertrauen, werden offensiver und tragen damit selbst den Aufschwung. Wie das „funktioniert“, ließ sich besonders am Marktumfeld der vergangenen Monate beobachten: Kaum stellte sich heraus, dass bestimmte Krisenthemen wie etwa Strafzölle oder der nahende Brexit doch nicht so schlimm wie ursprünglich erwartet waren, ging es an den Märkten abrupt bergauf. Solche Episoden sollten Anleger daran erinnern, diszipliniert bei der Stange zu bleiben. Gerade in negativen Zwischen- 52Januar 2019

phasen tendieren viele von ihnen dazu, sich von den Märkten abzuwenden. Doch so verderben sie sich ihre Performance, weil sie später steigenden Kursen hinterherlaufen müssen. Dafür, dass die Stimmung an den Märkten weiter fragil und gespalten bleibt, spricht einiges. Im aktuellen Marktumfeld mit sehr niedrigen Zinsen sind Aktien zwar weiterhin „alternativlos“, allerdings ist die Liste ungelöster Probleme und potenzieller Risikofaktoren lang. Dies wird in seinem Zusammenspiel aller Wahrscheinlichkeit nach immer wieder zu größeren Verwerfungen an den Märkten führen. Insofern bleibt den Anlegern 2019 das Erbe aus Wankelmut und unklarem Gesamtbild erhalten. Vor diesem Hintergrund erscheint es konsequent, dass die bisher veröffentlichten Jahresprognosen der Banken größtenteils gemischt ausfallen. In der Summe zwar moderat positiv, werden die Erwartungen vielfach von kurzfristig wirkenden Faktoren beeinflusst. Klaren Kopf bewahren In dieser Situation ist es aus Sicht strategisch orientierter Anleger wichtig, den Fokus auf übergeordnete Einflussgrößen zu legen, statt sich von Punkt - prognosen zu einzelnen Indizes leiten zu lassen. Diese sind letztlich zufalls - bestimmt, liefern in der Summe dennoch Hinweise für das Marktsentiment. Aus Sicht von Grüner Fisher Investments sollten sich langfristig orientierte An - leger vor allem mit drei maßgeblichen Einflussfaktoren beschäftigen, um daraus abzuleiten, wie es 2019 an den Börsen aller Wahrscheinlichkeit nach weitergeht. Der erste Einflussfaktor ist das fundamentale Umfeld. Auf globaler Ebene ist das Wachstum der Weltwirtschaft weiterhin robust. Das schließt Wachstumsdellen in einzelnen Volkswirtschaften oder Regionen nicht kategorisch aus. Aber davon sollten sich Investoren nicht zu sehr ablenken lassen, sondern das große Ganze im Blick behalten. Dazu kommt als zweiter Einflussfaktor die Entwicklung auf (welt)politischer Ebene. Nach den Zwischenwahlen in den USA wird die politische Situation in der weltgrößten Volkswirtschaft von einem Patt bestimmt. Das gilt mit Abstrichen auch für die großen Länder Europas. Für die Märkte ist das tendenziell ein positives Signal. Investoren können damit rechnen, dass die legislativen Rahmenbedingungen stabil bleiben und das Risiko aus dieser Richtung abnimmt. Die Unternehmen bekommen Planungssicherheit. Das alles schließt jedoch nicht aus, dass politische Ereignisse immer wieder für Irritationen an den Börsen sorgen. Als Drittes schließlich gilt es, die Marktstimmung im Blick zu behalten. Nach einem nunmehr zehn Jahre währenden Aufschwung an den Weltbörsen bleibt der immer wieder aufkeimende Optimismus bis auf Weiteres anfällig für Rückschläge. Es braucht häufig nur eine schlechte Nachricht – und schon fallen die Investoren in ihre skeptische Grundhaltung zurück. Weitsichtig agierende Anleger sollten sich von diesem Wechselbad der Gefühle nicht beirren lassen. Am Ende kommt es darauf an, die wichtigen und übergeordneten Fragen zu stellen. Eine davon ist: Sind wir in einem globalen Bullenmarkt? Aus fundamentaler und politischer Sicht spricht sehr viel für ein deutliches „Ja“. Von Euphorie ist noch wenig zu spüren, bislang schlägt die Realität immer noch regelmäßig die gedämpften Erwartungen. Die Stimmungslage beim Brexit zum Beispiel war und ist extrem negativ geprägt. Im Umkehrschluss bedeutet das: Auf dem niedrigen Erwartungsniveau brauchte es nicht viel, um kurzfristig immer wieder für positive Überraschungen zu sorgen. Für den Ernstfall gewappnet bleiben Weitsichtig agierende Anleger sollten sich vom Wechselbad der Gefühle nicht beirren lassen. Am Ende kommt es darauf an, die wichtigen und übergeordneten Fragen zu stellen. Aus dieser Betrachtung folgt: Die Aussicht auf wieder freundlichere Börsenzeiten ist besser, als viele Marktakteure glauben. Der Bullenmarkt wird seiner Linie 2019 treu bleiben, und daraus ergibt sich: Geduldige Anleger werden belohnt – auch wenn die Volatilität, wie typisch für diese Phase, hoch bleibt. Marktteilnehmer tun daher gut daran, ihr Portfolio global zu diversifizieren, um regionale Keulenschläge einzugrenzen und abzufedern. So können sie das Jahr gelassen angehen, auch wenn der Gegenwind an den Finanzmärkten kurzfristig mal auffrischen sollte. W Von Torsten Reidel, Geschäftsführer von Grüner Fisher Investments Januar 2019 53