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AssCompact 01/2020

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ASSEKURANZ MANAGEMENT &

ASSEKURANZ MANAGEMENT & VERTRIEB „Wir haben Ideen, wie wir noch schneller an unser Ziel gelangen könnten“ Interview mit Marcus Rex, Vorstand der Smart InsurTech AG SMART INSUR steht für die Idee der Plattformökonomie in der Versicherungswirtschaft. Die Plattform ist im Einsatz, durchdringt aber noch nicht den Markt. Es gibt einige Faktoren, die für ein schnelleres Vorankommen sprechen, aber auch Hemmnissse. Plattformökonomie ist ein Buzzword unserer Branche. Wie würden Sie die ideale Plattform beschreiben, die Versicherer und Vermittler zusammenbringt? Eine Plattform fungiert wie eine Art Marktplatz. Sie regelt technologisch die Beziehung zwischen Produktgebern und Vertriebsunternehmen. Dabei werden sämtliche Geschäftsvorfälle digital verarbeitet und verwaltet. Die Plattform ermöglicht eine standardisierte schnelle Geschäftsbeziehung zwischen den Marktteilnehmern, die nicht ihre eigene Unabhängigkeit und Authentizität aufgeben müssen. Indem sie Freiräume schafft, können sich angebundene Partner auf ihre Kernkompetenz fokussieren. Hohe Datenqualität und Prozess exzellenz sorgen für nachhaltige Effizienz aller Marktteilnehmer und erhöhen die Wertschöpfung. Wie weit sind Sie denn, was die Prozesse angeht, auf dem Weg dahin? Mit SMART INSUR haben wir eine voll funktionsfähige Plattform in Betrieb, die bereits von einigen Vertrieben erfolgreich genutzt wird. Mit ihr erreichen wir aber heute noch nicht die Breite des Marktes. „Viele Marktteilnehmer stehen noch auf der großen digitalen Kreuzung und versuchen, den richtigen Weg zu finden. Den Weg kennen wir und legen stetig Strecke vor. Wir sind insofern auf einem guten Weg und kennen das Ziel.“ Die Anforderungen und Erwartungen an uns als Innovationsführer verpflichten uns natürlich, unsere Roadmap agil und dynamisch zu gestalten. Viele Marktteilnehmer stehen noch auf der großen digitalen Kreuzung und versuchen, den richtigen Weg zu finden. Den Weg kennen wir und legen stetig Strecke vor. Wir sind insofern auf einem guten Weg und kennen das Ziel. Nun kennen wir Plattformen wie Google oder Uber. Plattformen setzen sich dann durch, wenn sie groß sind. Gilt das auch für unsere Branche? Die Charakteristika von echten Plattformen sind immer die gleichen – unabhängig, in welcher Branche man unterwegs ist. Plattformen leben von Netzwerkeffekten. Sie entstehen nur, wenn möglichst viele Transaktionen auf dem Marktplatz stattfinden. So entsteht Datenvielfalt, aus der sich Empfehlungssysteme beispielsweise für Produkte oder Beratungsanlässe speisen. Ein anderer für unsere Branche signifikanter Aspekt ist die Standardisierung von Prozessen. Das geht nur mit Größe und damit verbundenen Skalierungseffekten. Würden Sie dabei den Markt immer noch in zwei große Plattformplayer unterteilen? Oder werden auch Pools zu Wettbewerbern? Plattformökonomien sind meistens nicht monopolistisch in den Märkten vertreten. Auch bei uns in Deutschland wird es durchaus zwei bis drei weitere Player neben uns geben. Die Pools sehe ich nicht in diesem Geschäftsumfeld, auch wenn das im Moment anders anmutet und sie natürlich bei Ausschreibungen häufig vorkommen. Denn Plattformen belassen den Marktteilnehmern ihre Unabhängigkeit, weil die Vergütungen immer transaktionsbezogen sind. Pools agieren sehr häufig mit den klassischen Provisionsteilungsmodellen. Dazu müssen Bestände Besitzer wechseln oder direkte Beziehungen zu Produktgebern aufgegeben werden. Das widerspricht dem eigentlichen Plattformgedanken. Ihr Ziel hatten Sie ja klar definiert. Sie wollen 10% des verwalteten Bestands von einem Gesamtmarktvolumen von 200 Mrd. Euro über Ihre Plattform abwickeln. Sind Sie hier im Plan? Wir haben rund 10 Mrd. Euro Jahresnettoprämie in unseren Maklerverwaltungsprogrammen – Smart Admin. Davon ist auch schon ein gesunder Anteil auf unsere vollumfängliche Plattform transformiert. Wir sind gut im Plan, was das Thema, bestehende Kunden auf die Plattform zu migrieren, anbelangt. Das Hypoport-Ökosystem, bestehend aus 100 Januar 2020

Kreditplattform, Immobilienplattform und Versicherungsplattform, schafft Synergien und weiteren Marktzugang. Ich bin daher recht optimistisch, dass wir unseren Plan erreichen werden. Was könnte hier in den nächsten Jahren als Booster wirken? Wir haben einige Ideen, wie wir noch schneller an unser Ziel gelangen könnten. Parallel sehen wir Geschäftsmodelle, die thematisch zu uns passen, die wir aber noch nicht besetzt haben. Dann stellt sich nur immer die Frage „make or buy?“. Ich glaube fest daran, dass eine standardisierte Plattform allen Marktteilnehmern helfen wird. Daher setzen wir auf größere Kooperationen oder Joint Ventures, um mit weiteren Volumen schneller zu wachsen. Für uns sehr interessante und bereits langjährig bekannte Partner aus dem Umfeld unseres Kreditmarktplatzes sind die Banken. Und was könnte die Entwicklung jetzt noch hemmen? Regulierung ist heute schon ein Hemmnis in vielen Bereichen. In unserer Branche ist sie ein Dauerbrenner, der uns immer wieder beschäftigt. Die Zeit fehlt dann für andere Themen. Auf der Produktgeberseite sehen wir zudem schon die latente Gefahr, die Digitalisierung nicht konsequent genug voranzutreiben. Welche Rolle spielt dabei die Datenauswertung bei Ihnen? Daten werden in Zukunft den Erfolg eines Unternehmens bestimmen. Ohne sinnvolle Nutzung von Daten wird es für die traditionellen Geschäftsmodelle schwierig sein, Marktanteile zu behalten. Für uns sind Daten und Datenqualität das zentrale Thema unserer Plattform. Ein Beispiel ist unser Einsatz von KI. Sämtliche Geschäftsvorfälle – ob postalisch, webbasiert, per Fax oder E-Mail – werden via KI erkannt und ohne manuellen Einsatz verarbeitet. KI lernt stetig dazu und optimiert sich selbst. Voraussetzung dafür ist eine Vielzahl von Daten und Transaktionen. Damit wären wir wieder bei den Netzwerkeffekten von Plattformen. Sie sprechen größere Vertriebsstrukturen an, der User ist dann aber letztlich der einzelne Vermittler. Wie wird sich dessen Arbeitsalltag mit Ihrer – oder anderer technischer – Hilfe ändern? Der Arbeitsalltag des einzelnen Vermittlers wird sich ändern bzw. ändert sich schon heute. Wer auf unsere Technologie setzt, spart Zeit bei der Administration ein. KI unterstützt ihn bei zeitaufwendigen Prozessen. So kann sich der Vermittler wieder auf echte Beziehungspflege mit seinen Kunden konzentrieren. Unsere digitalen Lösungen helfen dem Vermittler, den veränderten Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Marcus Rex Sie wollen die Nutzung vonseiten des Vertriebs irgendwann kostenlos anbieten. Ist das ein typisches Merkmal von Plattformen? Ja, das ist es. In der Regel bezahlt der Plattformteilnehmer mit der geringsten Wertschöpfung die Transaktion. Das ist in unserer Branche der Produktanbieter. Im Bankenumfeld hat sich dieses Modell durchgesetzt. Kreditinstitute ziehen sich schrankfertiges Immobilienfinanzierungsgeschäft zu einem festen Standard aus unserem Kreditmarktplatz. Dabei profitieren die Institute enorm von den Einsparungen hinsichtlich eigener Vertriebsstrukturen, IT, Sachbearbeitung etc. Warum sollte das nicht auch im Versicherungsumfeld stattfinden? Welche der neuen Technologien werden die wichtigsten Treiber sein? Denn künstliche Intelligenz oder zumindest eine Art KI setzen Sie ja bereits ein. KI wird ein Treiber sein. Mit unserem vollumfänglichen Dokumentenmanagement setzen wir ein solches selbst - lernendes, neuronales Netz ein. Es automatisiert die Verarbeitung und Zuordnung von Dokumenten und beschleunigt so Geschäftsvorfälle. Robo Advice ist ebenfalls eine vielversprechende Technologie. Sie hat vor allem im Cross-Selling-Bereich Potenzial und bietet sich bei der Direktvermarktung margenschwacher Produkte an den Endverbraucher an. Sollte sich die nächste gehypte Technologie – Blockchain – durchsetzen, wäre das dann ein Problem für Plattformen derzeitiger Machart? Grundsätzlich glaube ich das nicht. Der Vorteil von Blockchain wäre für uns, dass wir die Plattform dann auf einer einheitlichen Datenbasis aufsetzen könnten. Das ist technologisch einfacher, als die Plattform auf der Legacy der einzelnen Versicherer aufzubauen. Die Herausforderung sehe ich jedoch bei den anderen Marktteilnehmern – sind sie in der Lage, mit Blockchain zu arbeiten? W Januar 2020 101

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