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AssCompact 01/2020

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INVESTMENT „Die nächste Krise wird richtig heftig“ Interview mit Prof. Dr. Max Otte, Ökonom und Bestsellerautor Prof. Dr. Max Otte sagte schon 2006 die letzte große Finanzkrise voraus und erlangte dadurch den Titel „Crash-Prophet“ – obwohl er danach lange Optimismus versprühte und aktiv für Aktien warb. Nun hat sich seine Stimmung aber wieder gedreht. Es drohe sogar eine noch viel heftigere Krise als 2008. Aktien sieht er dennoch für unerlässlich. Herr Prof. Dr. Otte, Ihr aktuelles Buch trägt den Titel Weltsystemcrash. Was kommt da auf uns zu? Es kommt auf jeden Fall mehr auf uns zu als im Jahr 2008. 2008 brach eine Finanzkrise aus, der eine kurze Rezession folgte. Durch alle Maßnahmen, die seitdem getroffen wurden, haben wir die Risiken nur verschleppt und nicht aus der Welt geschafft. Beim nächsten Mal kommt nicht nur eine Finanzkrise auf uns zu, sondern eine handfeste Wirtschaftskrise inklusive handfester politischer Verwerfungen. Sind die Vorboten davon heute schon erkennbar? Die politischen Verwerfungen sehen wir ja schon zum Teil. Und das kann natürlich noch schlimmer werden. Die nächste Krise wird richtig heftig. Bricht dann alles zusammen oder was muss man sich darunter vorstellen? Man muss sich darunter vorstellen, dass wir in eine Rezession bis Depression fallen werden, in der die Wirtschaft massiv einbricht. Man kann sich vorstellen, dass es teilweise Währungsschnitte und Insolvenzen in größerem Ausmaß geben wird. Vermögen wird vernichtet – geplant oder ungeplant. Es kann auch sein, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen zunehmen werden. Auch das ist eine Gefahr, die man thematisieren muss – zwar nicht im Mittelpunkt, aber durchaus als ernstzunehmende Gefahr. „Es wird endlich Zeit, mit dem Märchen vom reichen Land aufzuräumen. Deutschland steht lange nicht so gut da, wie viele glauben.“ Wie kritisch ist denn die Lage speziell für eine Exportnation wie Deutschland? Gerade in der für Deutschland wichtigen Autoindustrie kippt die Stimmung gerade ja schon deutlich … Das zeigt, dass Deutschland als Akteur und souveräne Wirtschaftsnation nicht mehr viel zu melden hat. Selbst die Politik für die in Deutschland extrem wichtige Automobilindustrie wird mittlerweile zum Teil in den USA gemacht. Für Deutschland wird es sehr kritisch, auch, weil wir mit dem Euro in den vergangenen Jahren eine zu schwache Währung hatten. Warum ist das problematisch? Wir haben unsere Exportindustrie damit subventioniert. Dadurch ist unsere Wirtschaft gerade für ein so großes Land übermäßig exportlastig. Das wird uns in einer globalen Rezession richtig um die Ohren fliegen. Hinzu kommt der strukturelle Umbruch in der Autobranche und dass wir in den meisten Zukunftsbranchen verschlafen haben. Diese Kombination kann zu einer echten Verarmung in Deutschland führen. Die Tatsache, dass 70% der Dax-Unternehmen mittlerweile in ausländischer Hand sind, hilft dabei auch nicht gerade. Geht es den Deutschen bisher aber nicht vergleichsweise gut? Es wird endlich Zeit, mit dem Märchen vom reichen Land aufzuräumen. Deutschland steht lange nicht so gut da, wie viele glauben. Wir haben das geringste Haushaltsvermögen in der Eurozone – was schockierend ist. Das kommt daher, dass wir schlecht investieren. Wir lassen viel auf dem Konto vergammeln. Wir haben sehr hohe Geldforderungen, während alle anderen reale Werte kaufen. Der deutsche Sparer spart, ohne anzukommen. Mein Buch ist daher ein ganz klares Plädoyer für Real Assets. Selbst der Spiegel hat daher schon vor Jahren geschrieben, dass der deutsche Sparer ein Narr ist. Das ist schon ein Wort für ein nicht gerade konservatives Blatt. Inwiefern spielt die politische Landschaft in Deutschland eine Rolle? Mit der SPD bewegt sich eine Regierungspartei unter dem neuen Führungsduo nun wieder stärker nach links. Teilweise wird auch offen über Enteignungen 56 Januar 2020

gesprochen. Zugleich gewinnt auch der rechte Flügel an Gewicht. Wir haben nicht die unternehmerfreundlichste Regierung – auch in der CDU nicht. Über deutsche Innenpolitik kann man nicht lange sprechen, ohne Bauchschmerzen zu bekommen. Die Enteignungsdiskussion haben wir allerdings nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in den USA. Sie ist definitiv zurück in der politischen Debatte. ... was vor wenigen Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre. Vor 70 Jahren allerdings schon. Im Aalener Programm der CDU von 1947 war weitgehend die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien enthalten. Viele Bundesländer haben zudem noch immer Enteignungsparagrafen. Nun werden diese Möglichkeiten wieder offen diskutiert. Da kommt etwas zurück, was zuletzt in den Gründungsjahren der Bundesrepublik ein Thema war – was man sogar verstehen kann. Inwiefern? Die letzten 15 Jahre haben vor allem einer Gruppe geholfen: den Vermögenden. Die Mittelschicht, die von Arbeitseinkommen lebt, muss dagegen immer höhere Mieten bezahlen und immer stärker kämpfen. Dass Enteignungen nicht unbedingt die richtigen Mittel sind, ist klar. Aber dass Diskussionen aufkommen, wie man gegen diese Entwicklung etwas machen kann, ist verständlich. Wie in meinem Buch beschrieben ist der Populismus nicht die Ursache, sondern das Symptom. Ohne Frustration in der Bevölkerung würde der Populismus keinen so breiten Boden finden. Was heißt das denn für Anleger? Wie sollten sie sich in einem solchen Umfeld positionieren? Die Krise wird definitiv kommen. Die Welt der sich immer weiter aufblähenden Asset-Märkte wird irgendwann vorbei sein. Ob das noch ein, zwei oder drei Jahre dauern wird, weiß ich nicht. Und es gibt auch kein Drehbuch für die Krise. Die Märkte werden verrückt spielen. Aber ob zum Beispiel erst die Inflation und dann die Deflation oder umgekehrt kommen wird, kann nicht vorhergesagt werden. Diese Unsicherheit macht Anleger natürlich nervös. Die Situation ist aber im Detail nur sehr begrenzt vorhersehbar. Welcher Anlagemix ist vor diesem Hintergrund sinnvoll? Wie immer eine breite Mischung. Edelmetalle als Versicherung. Der richtige Anteil kommt auf die persönliche Neigung an. 10 bis 30% dürfen es je nach Risikoneigung schon sein. Die genauen Anteile für unterschiedliche Anlegertypen habe ich auch in meinem Buch aufgelistet. Und auch in der harten Phase sind Aktien wichtig. Aktien sind Sondervermögen. Die Unternehmen sollten natürlich gute Geschäftsmodelle und starke Cashflows haben. Auch nach der Weltwirtschaftskrise und selbst nach dem Zweiten Weltkrieg haben gute Unternehmen weitergemacht. Aktien sind immer noch die beste und pflegeleichteste Art der Vermögensanlage. Und im Gegensatz zu den Immobilienmärkten sind die Aktienmärkte noch nicht in einer Blase. Sie sind zwar auch nicht mehr billig, aber noch in Ordnung bewertet. In einzelnen Bereichen vielleicht nicht mehr, im Großen und Ganzen sind Aktien aber immer ordentlich investierbar. Bei Aktien habe ich im Gegensatz zu zum Beispiel Bargeld zudem eine starke Lobby auf meiner Seite. Welche? Aktien sind vor allem in den Händen der Reichen. Und die Reichen haben die Macht. Mit Aktien bin ich zudem nicht so erpressbar wie bei Immobilien. Immobilien sind, wie der Name schon sagt, im-mobil und daher schlecht kurzfristig abzugeben. Noch leichteres Spiel hat der Staat natürlich bei Kontoguthaben. Die lassen sich im Zweifel sehr schnell entwerten. Wären Kryptowährungen eine Alternative? Prof. Dr. Max Otte „Die Krise wird definitiv kommen. Die Welt der sich immer weiter aufblähenden Asset-Märkte wird irgendwann vorbei sein. [...] Und es gibt kein Drehbuch für die Krise.“ Ich bin ein großer Kritiker von Kryptowährungen. Für mich sind das reine Spekulationsobjekte. In den USA gab es im 19. Jahrhundert schon mal eine Free-Banking-Ära. Damals haben die Geschäftsbanken ihre eigenen Währungen ausgegeben. Das ist für mich der Verfall der Rechtsordnung. Dann muss sich jeder von verschiedensten Währungen ein Bild machen. Nichts anderes passiert mit den digitalen Währungen. Man muss Bitcoin in XYZCoin umrechnen und hat dabei keinen Maßstab wie bei einer einheitlichen, staatlichen Währung. Und so sicher wie geglaubt sind die digitalen Währungen auch nicht. Die Gefahr des Überwachungsstaates ist auch bei Bitcoin & Co. hoch. Ich bin, wie gesagt, kein Freund davon, sondern ein Freund von realen Werten. W Januar 2020 57

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