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AssCompact 01/2020

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Ein hervorragender

Ein hervorragender Impuls für die bAV Nachgefragt bei Dr. Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH und Generalbevollmächtigte für die bAV der Stuttgarter Lebensversicherung a. G. Frau Dr. Meissner, viele Hoffnungen ruhen auf der betrieblichen Altersversorgung. Könnte die bAV im nächsten Jahr dann auch tatsächlich weiter Fahrt aufnehmen? Die betriebliche Altersversorgung bekommt gerade einen hervorragenden Impuls: Die Verbeitragung von Betriebsrenten wird zum 01.01.2020 deutlich abgesenkt. Der neue Freibetrag bedeutet eine erhebliche Erleichterung und für viele eine echte Befreiung von der Verbeitragung. Das ist ausgesprochen positiv und kann sofort in der Beratung genutzt werden. Die Kombination von verpflichtendem Zuschuss in Höhe von 15% und Freibetrag macht die Betriebsrente nun noch attraktiver. Für Versicherungsmakler sind das Ansatzpunkte für die Beratung. Wie sehen Sie denn mittelfristig und natürlich auch langfristig die Rolle der Makler in der Altersversorgung? Die Diskussion um das Obligatorium hat es glasklar gemacht: Makler und Versicherer hatten und haben eine überragende Rolle für die Verbreitung ergänzender privater und betrieblicher Altersversorgung. Wir haben einen klaren sozialpolitischen Auftrag, den wir erfüllen müssen. Daher sollten wir mit den uns zur Verfügung stehenden neuen Instrumenten den Markt sehr optimistisch angehen. Mit konkretem Blick auf 2020: Werden wir in den nächsten Monaten weitere Sozialpartnermodelle am Markt sehen? Auch nach ersten Schritten geht es ja nur zaghaft in diese Richtung. Zunächst einmal: Wir werden mehr Betriebsrenten sehen und sicherlich auch Sozialpartnermodelle. Zu begrüßen wäre es, wenn das zentrale Element des Sozialpartnermodells höherer Renditechancen auch auf die bAV und Riester übertragen würden. Ideal wäre eine neue Balance zwischen Anlagechance und Garantie, die der Kunde selbst wählen kann. Dann bleibt die eigenverantwortliche Altersversorgung auch in Minus-Zins-Phasen attraktiv. Wie lautet denn Ihr persönlicher bAV- Tipp für Versicherungsmakler für das gerade gestartete Jahr? Im Vertrieb die Impulse aus dem Betriebsrentenstärkungsgesetz und der Verbesserung bei der Verbeitragung nutzen. Gleichzeitig die eigenen Prozesse anschauen und sich zum Beispiel mit Arbeitgeber-Portalen schlanker aufstellen. 2020 wird wieder ein herausragendes Jahr für die private und die betriebliche Altersversorgung werden. W © magele-pictre – stock.adobe.com Dr. Henriette Meissner 72 Januar 2020

Alte und neue Fragen zum Berufsstand Nachgefragt bei Norman Wirth, Vorstand des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e. V. Herr Wirth, wird 2020 ein Provisionsdeckel kommen? Und wenn ja, für Leben und für Restschuld? Es gibt zwar einen Gesetzentwurf, der es aber noch nicht in das Kabinett geschafft hat. SPD und CDU/CSU versuchen eine Einigung dazu zu finden. Mit dem momentanen Entwurf wird das aber nichts mit der Zustimmung der Union. Das hat zuletzt der zuständige CDU-Fachpolitiker Dr. Carsten Brodesser auf dem AfW- Hauptstadtgipfel nochmals bestätigt. Mit Dr. Brodesser haben wir zum Glück einen pragmatischen, mittelstandsorientierten und Sinn hinterfragenden Politiker involviert, der auch sehr genau weiß, wovon wir hier reden. Auf SPD-Seite sieht das leider anders aus. Ich bin aber weiter sehr optimistisch, dass der Provisionsdeckel gar nicht kommt. Gemeinsam mit dem Votum- Verband und der Bundesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Versicherungsmakler (BFV) hatte der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kamen, dass ein Provisionsdeckel in der Lebensversicherung weder mit der Verfassung noch mit dem Europarecht in Einklang zu bringen wäre. Sämtliche sonstigen Argumente gegen den Provisionsdeckel lassen sich unter die verfassungsrechtlichen Argumente subsumieren. Anders bei der Kreditrestschuldversicherung. Dort sehen wir ein Aufsichtsversagen der BaFin und sicherlich Handlungsbedarf. Dort werden wir wohl tatsächlich Provisionsexzesse sehen. Letztlich ist das aber kein Problem der Versicherungsmakler, die wir vertreten. Das Thema hat auch nichts mit dem Lebensversicherungsreformgesetz zu tun. Leider wird das unzulässigerweise oft vermischt, auch was die veröffentlichten Zahlen zu Provisionshöhen angeht. Die mögliche BaFin-Aufsicht für 34f-Vermittler ist ein weiteres Streitthema. Kommt es hier in den nächsten zwölf Monaten zur Entscheidung? Politische Prognosen zu treffen, ist heute ja schon fast unseriös. Sehr viel hängt vom Fortbestand der großen Koalition ab. Aber gehen wir einmal davon aus. Ja, ich gehe davon aus, dass es zu einer Entscheidung kommt. Nur zu welcher? Wir sehen keinen nachvollziehen Grund für den Aufsichtswechsel und werden uns vehement dagegen wehren. Es wurde hier ohne Bedarf ein sinnloses Gesetzesverfahren angestoßen, was nicht zu mehr Verbraucherschutz führt und einzig horrende Kosten fabriziert. Wir haben in den letzten zehn Jahren keinerlei relevante Schadenfälle durch freie Finanzvermittlung. Dagegen gab es diverse Produktoder Institutsskandale – wie Prokon, Infinus, S&K, P&R oder Deutsche Bank – im Bereich der von der BaFin beaufsichtigten Anbieter. Die BaFin wäre da gefordert gewesen, hat aber offensichtlich versagt. Die Institutsaufsicht funktioniert also schlechter als die gewerberechtliche Aufsicht der 34f-Vermittler. Aktuell sehen wir auch bei diesem Thema Unterstützung für unsere Position innerhalb der CDU/CSU. Welche weiteren Themen werden Sie und damit natürlich auch die ganze Branche 2020 beschäftigen? Zum 01.08.2020 tritt die überarbeitete und an MiFID II angepasste Finanzanlagen- vermittlungsverordnung in Kraft. Die praktische Umsetzung, wie etwa das Taping, führt noch zu vielen Fragen. Als weitere Kernthemen für 2020 definieren wir Nachhaltigkeit in der Finanzanlage und die diskutierte private Pflichtvorsorge über die Einrichtung eines Staatsfonds oder Ähnliches. Was würden Sie Ende 2020 gerne über das Jahr 2020 sagen wollen? Prima, dass es endlich mal wieder mittelstandsorientierte, nachvollziehbare, entbürokratisierende und dabei natürlich auch verbraucherschützende und nachhaltige Politik gab. So hat die Arbeit für uns und unsere Mitglieder richtig Spaß gemacht! W Norman Wirth Januar 2020 73

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