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AssCompact 01/2021

Die IVW-geprüfte Fachpublikation AssCompact 01/2021 im neuen Layout! Viel Spaß beim Lesen.

AUSBLICK

AUSBLICK 2021 Der harte Markt in der Industrieversicherung ist noch nicht vorbei INTERVIEW MIT THOMAS OLAYNIG, GESCHÄFTSFÜHRER UND HEAD OF PLACEMENT & SPECIALTIES VON MARSH DEUTSCHLAND Herr Olaynig, der Industriever - sicherungsmarkt war 2020 so hart wie nie zuvor. Welche Entwicklungen erwarten Sie 2021? Bereits 2019 zeichnete sich ab, dass der Markt weiter anziehen würde. Die Geschwindigkeit und das Ausmaß dieser Entwicklung überraschten jedoch selbst Brancheninsider. Aus Kundensicht kommt diese Phase zur Unzeit – Schieflage oder Boom, viele stehen jetzt vor großen Herausforderungen. Eine solide Prognose zur Entwicklung von Covid-19, zu Wachstum und Insolvenzen ist momentan schlicht nicht möglich, aber mit einem käuferfreundlicheren Markt ist 2021 noch nicht zu rechnen. Weiter beschäftigen wird uns sicherlich auch in diesem Jahr die dünne Personaldecke bei den Versicherern. In einem Markt, wie wir ihn derzeit erleben, der ganzjährig – aber besonders im Renewal – deutlich mehr Verhandlungsbedarf bedeutet, muss die Branche die personelle Ausstattung verbessern. „Die Versicherer haben in der Regel einen nachvollziehbaren Sanierungsbedarf. Diesen müssen sie in Zukunft aber besser erklären und mit entsprechenden Argumenten für Kunden nachvollziehbar machen.“ Welche Sparten werden davon am meisten betroffen sein? Nahezu alle Sparten sind betroffen, Ausnahmen gibt es kaum. Unternehmen sehen sich unabhängig vom Schadenverlauf teilweise mit erheblichen Prämiensteigerungen und der Forderung nach deutlich höheren Selbstbehalten konfrontiert. Zusätzlich wird die Situation dadurch verschärft, dass etliche Versicherer die bisher zur Verfügung gestellten Kapazitäten nicht mehr bereitstellen und diese Kapazitätslücken anderweitig gefüllt werden müssen. Dieser Trend wird in Sach, aber auch Haftpflicht und den Financial Lines 2021 voraussichtlich weiter anhalten. Großschäden im Bereich der D&O-Versicherung tragen zudem dazu bei, dass der Sanierungsdruck in den Financial Lines weiter wächst. Neben den Preisen geht es auch immer wieder um Ausschlüsse. Werden diese Themen 2021 weiter verhandelt? Ja, schwierige Ausschlussverhandlungen zum Beispiel von Infektionskrankheiten, wie wir sie derzeit mit Covid-19 erleben, und Silent Cyber werden den Markt auf lange Sicht beschäftigen. Wo können Ihrer Meinung nach die Versicherer ansetzen, um das angespannte Verhältnis Kunde/Makler und Versicherer zu entspannen? Die Versicherer haben in der Regel einen nachvollziehbaren Sanierungsbedarf. Diesen müssen sie in Zukunft aber besser erklären und mit entsprechenden Argumenten für Kunden nachvollziehbar machen. Außerdem sollten sie klarer skizzieren, woran gearbeitet werden muss, gerade auch im Hinblick auf Risikomanagementmaßnahmen, die entsprechende Wirkung auf den Versicherungsschutz entfalten. Wichtiger denn je sind effizientes Arbeiten, Fairness und dass gehaltene Versprechen einen Wert haben. Wie schätzen Sie die Lage für Industrieversicherungsmakler 2021 ein? Die Rolle der Makler wird weiter an Bedeutung gewinnen – dieser Trend setzt sich nicht zuletzt aufgrund der herausfordernden Marktsituation fort. Wir erleben eine deutlich steigende Nachfrage nach Beratung hinsichtlich Risikomanagement, Branchenexpertise, digitalen Tools und das Interesse an alternativen Lösungen auf Kundenseite. Diesen Anforderungen gilt es gerecht zu werden, das könnte auch zu einer wei teren Konsolidierung bei den Maklern führen. Hier wird sich in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen. P 72 AssCompact | Januar 2021

AUSBLICK 2021 „Der Trend zu Hyperautomation hält an“ INTERVIEW MIT JONAS PIELA, GESCHÄFTSFÜHRER DER JONAS PIELA VENTURES GMBH Jonas Piela wünscht sich von den Versicherern mehr Mut zur Digitalisierung. Herr Piela, die Versicherungswirtschaft hat 2020 auf mobiles Arbeiten und die Vermittler haben auf Videoberatung umgestellt. Wird sich der Trend 2021 fortsetzen? Ja, definitiv. Durch „Anywhere Operations“ wird es weniger notwendig, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber an einem festen Ort zusammenarbeiten. Skeptiker dieser Art zu Arbeiten werden nach und nach überzeugt und Wege finden, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Wie wir am Anfang unseres Erwerbslebens lernen mussten, uns in einem klassischen Büro zurechtzufinden, müssen wir nun lernen, in einem „digitalen Büro“ kreativ zusammenzuarbeiten. Echte Digitalisierung findet ja aber woanders statt. Welche Maßnahmen sehen Sie 2021 im Fokus der Versicherer? Der Vertrieb wird neue und bessere Werkzeuge für Vermittler bringen, Personal wird sich verstärkt um die Kultur kümmern und IT wird das eigene Repertoire auffrischen. Wenn ich mir aber etwas wünschen dürfte, dann wäre das, dass die Versicherer erkennen, dass es bei der Digitalisierung um die Art geht, wie wir arbeiten. Ich wünsche mir mehr Mut, neue Dinge auszuprobieren, mehr konstruktive Zusammenarbeit und mehr Reflexion. Das ist der eigentliche, ungleich schwierigere Weg. Wird sich die Versicherungsbranche zu offenen Schnittstellen und auch Standards durchringen oder kocht doch jeder weiter sein eigenes Süppchen? Die Innovationsgeschwindigkeit von Standardisierungsorganisationen ist zu langsam, um mit den Entwicklungen am Markt mitzuhalten. Wie bei Banken werden wir hier viele „Süppchen“ sehen. Versicherer müssen Schnittstellen als digitale Produkte mit Softwareentwicklern als Kunden begreifen und im Wettbewerb gut dokumentierte, leicht zugängliche und in sich schlüssige, einfache Schnittstellenprodukte schaffen. Welche neuen digitalen Geschäftsmodelle sehen Sie kurzfristig in der Branche? Stehen zum Beispiel 2021 Health und Mobility im Vordergrund? Oder geht es auch weiterhin um die Schnittstelle zum Kunden, Big Data, Ökosysteme? Bezüglich Ökosystemen wird die Branche lernen, was möglich ist und was nicht. Heute gibt es noch eine diffuse Vorstellung davon, was Ökosysteme sind. Es wird übersehen, dass alle bereits in einem Ökosystem, bestehend aus Versicherern, Kunden, Regulator und Vermittlern, leben. Die Branche wird erkennen, dass es bei Ökosystemen darum geht, sich in den einzelnen Bereichen eines Konzerns der eigenen Stärken bewusst zu werden, sich darauf zu fokussieren und sich digital zu neuen Partnern außerhalb des Konzerns zu öffnen. Und insgesamt: Was sind die Tech-Trends 2021? Wir legen mal ein paar Stichwörter vor: digitale Nachhaltigkeit, Digital Education, Sprachsteuerung, Digital Health … Der Trend zu Hyperautomation wird weiter anhalten. Mehr Prozesse werden digitalisiert und automatisiert. Dabei wird die Zusammen - arbeit der Systeme untereinander eine größere Rolle spielen. Robotic Process Automation ist weniger effizient verglichen mit dem, was möglich wäre. Wichtig ist, die Optimierung und Automatisierung bestehender Prozesse anzugehen. P Januar 2021 | AssCompact 73

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