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AssCompact 01/2021

Die IVW-geprüfte Fachpublikation AssCompact 01/2021 im neuen Layout! Viel Spaß beim Lesen.

AUSBLICK

AUSBLICK 2021 Der Baufinanzierungsmarkt bleibt hochattraktiv Die Zinsen bleiben 2021 niedrig. Das wirtschaftliche Umfeld ist weiter angespannt, selbst wenn die Impfstoffe nach und nach in der Breite verfügbar sein werden. Sowohl Deutschland als auch die anderen Staaten in Europa brauchen das Jahr, um das Niveau vor Corona auch nur ansatzweise zu erreichen. Von Michael Neumann Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG 2020 haben wir ein Jahr mit historisch niedrigen Baufinanzierungszinsen gesehen – und voraussichtlich wird sich das nicht ändern: Die Zinsen bleiben 2021 niedrig. Denn das wirtschaftliche Umfeld ist weiterhin angespannt, selbst wenn Impfstoffe nach und nach in der Breite zur Verfügung stehen. Sowohl Deutschland als auch die anderen Staaten in Europa brauchen das kommende Jahr, um auch nur ansatzweise das Vor-Corona- Niveau zu erreichen. EZB wird die Märkte weiter massiv unterstützen Die EZB wird die Märkte weiter massiv unterstützen. Ihr Ziel ist, für günstige Zinsen zu sorgen, und das wird ihr auch 2021 gelingen: mit ausgeweiteten Hilfsprogrammen und Anleihekäufen, die die Kurse hoch und die Zinsen niedrig halten. Dass die Bauzinsen signifikant weiter sinken, ist eher nicht zu erwarten. Zwar können sich extrem lange Zinsbindungen mit steigender Inflationserwartung etwas verteuern und die Zinsdifferenz zu kürzeren Laufzeiten kann wieder etwas größer werden. In Summe sehe ich jedoch kein nennenswertes Aufwärtspotenzial. Nachfrage treibt Immobilienpreise weiter in die Höhe Wohnimmobilien haben sich krisenfest gezeigt und für das kommende Jahr ist nicht mit einem Abflauen der Nachfrage zu rechnen. Wenn möglich, nutzen Eigennutzer die günstigen Zinsen und für Kapitalanleger gibt es kaum rentierliche Alternativen. Deshalb erwarte ich auch über 2021 hinaus steigende Preise. Zwar flacht der Anstieg in Ballungszentren leicht ab – aber das führt nicht zu einer merklichen Entspannung. Durch die Corona-Pandemie haben die eigenen vier Wände noch einmal an Bedeutung gewonnen, weswegen sich die aktuelle Tendenz – raus aus den Zentren, hinein ins Umland – 2021 fortsetzen wird. Wenn es nicht mehr erforderlich ist, an fünf Tagen in der Woche ins Büro zu fahren, darf der Pendelweg auch länger sein. Denn außerhalb lassen sich für dasselbe Geld mehr Quadratmeter realisieren: für einen Garten, ein zusätzliches Arbeitszimmer oder das Einfamilienhaus. Auswirkung auf den Finanzierungsmarkt Steigende Immobilienpreise wirken sich bei einem stagnierenden Zinsniveau negativ auf den Erschwinglichkeitsindex aus: Die stetige Zinsersparnis in den letzten Jahren mildert die wachsenden Kosten zukünftig nicht mehr ab. Weil für die Erwerbsnebenkosten absolut immer mehr Eigenkapital gefordert ist, fällt der Immobilienerwerb besonders jungen Leuten schwerer, die noch keine signifikanten Ersparnisse vorweisen können. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Finanzierungsbedingungen günstig bleiben: Bei guter Bonität finanzieren Kreditinstitute den gesamten Kaufpreis, und diese Möglichkeit wird auch in Zukunft bestehen. Der Baufinanzierungsmarkt bleibt hochattraktiv, weil die steigenden Wohnimmobilienpreise das Finanzierungsvolumen weiter befeuern. P 76 AssCompact | Januar 2021

AUSBLICK 2021 Covid-19: Der „Turbolader“ für die Kapitalmärkte 2020 wird, da braucht es keinen Propheten, als außergewöhnliches Jahr in die Geschichtsbücher eingehen, als Corona-Jahrgang. Nicht nur, was die gesellschaftspolitische oder medizinische Perspektive betrifft, sondern auch die des Investors. Der Kursabsturz im März, gefolgt von einer ebenso kräftigen Erholung – beides wird uns im Gedächtnis bleiben. Aber: Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts. Deshalb sollten wir uns nicht zu lange mit der Rückschau befassen. Wichtiger ist, was daraus für die Zukunft folgt. Gewaltiger Trendbeschleuniger Unabhängig davon, wann der Impfstoff für jedermann, der sich nicht dagegen wehrt, zur Verfügung steht, wirkt Covid-19 als gewaltiger Trendbeschleuniger, als eine Art Turbolader. Für die Digitalisierung etwa. Die virtuelle Welt hat in den vergangenen Monaten großen Zulauf bekommen: Online-Shopping, das virtuelle Konferenzzimmer oder E-Learning. Ein Teil, vermutlich kein ganz kleiner, wird bleiben, auch wenn sich unser Leben längst wieder normalisiert hat. Mindestens genauso wichtig für den Investor ist ein anderer Trend – die Verschuldung. Weltweit haben die Regierungen in den vergangenen Monaten gewaltige Summen an Corona-Hilfen zur Verfügung gestellt, um zumindest die wirtschaftliche Not der Menschen zu lindern – und tun das auch weiterhin. Die Schulden steigen in der Folge immer schneller. Nur mit dauerhaft sehr niedrigen Zinsen bezahlbar Bezahlen lässt sich das dauerhaft nur mit sehr niedrigen Zinsen, wofür die großen Notenbanken sorgen werden. Wer tatsächlich noch daran geglaubt oder gehofft hatte, die Zinswende nach oben würde irgendwann doch noch kommen, den sollte Covid-19 hoffentlich aufgeweckt haben. Sie wird es nicht – nicht, solange unser Geldsystem Bestand hat. Erstklassige liquide Sachwerte mehr denn je gefragt Die Frage ist, was Investoren aus diesem Befund machen sollten, im Übrigen weit über das nächste Jahr hinaus? Sie brauchen erstklassige liquide Sachwerte, allen voran Aktien von sehr guten Unternehmen. Diese Empfehlung ist natürlich nicht neu. Wir werben seit vielen Jahren dafür. Heute gilt sie aber mehr denn je. Notenbank- und Fiskalpolitik zusammen erzeugen einen zunehmenden Inflationsdruck, der sich in den kommenden Jahren entladen könnte. Nicht in einer Hyperinflation (Extremszenarien waren noch nie unsere Sache), wohl aber in deutlich höheren Teuerungsraten als in den vergangenen Jahren. Dass die Notenbanken mit kräftigen Zinsanhebungen darauf reagieren, ist nicht zu erwarten. Die US Federal Reserve hat bereits kundgetan, ihr Inflationsziel künftig als Durchschnittswert zu verstehen, ein Überschießen der Raten also durchaus zu tolerieren, nachdem die Inflationsraten in den vergangenen Jahren deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent gelegen haben. Die EZB dürfte es ihr gleichtun. Kein gutes Umfeld für Nominalwerte. Welche Aktien gehören in das Portfolio? Bleibt die Frage, welche Aktien in das Portfolio gehören. Die, die zu den offenkundigen Profiteuren zählen und deren Kurse schon deutlich gestiegen sind? Oder besser die Zykliker, die unter die Räder gekommen sind – und deshalb scheinbar über ordentlich Nachholpotenzial verfügen? Wir schauen auf Qualität. Auch daran hat sich nichts verändert. Auf Wer tatsächlich noch daran geglaubt oder gehofft hatte, die Zinswende nach oben würde irgendwann doch noch kommen, den sollte Covid-19 hoffentlich aufgeweckt haben. Sie wird es nicht – nicht, solange unser Geldsystem Bestand hat. Unternehmen, die über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügen, verlässlich wachsen, eine sauber finanzierte Bilanz und ein erstklassiges Management haben, außerdem global aufgestellt sind. Auf Qualitätstitel, die auch größere Krisen weitgehend schadlos überstehen, besser noch, gestärkt aus ihnen hervorgehen. Qualität hat ihren Preis, doch auch der hat Grenzen. Wenn das Allerbeste bereits eingepreist scheint, dann ist ein sehr gutes Unternehmen zwar immer noch ein sehr gutes Unternehmen – vermutlich aber kein sehr gutes Investment. P Von Philipp Vorndran Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch Januar 2021 | AssCompact 77

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