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AssCompact 02/2019

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STEUERN & RECHT Neue

STEUERN & RECHT Neue Chancen für Vermittler in der betrieblichen Entgeltberatung Während Großunternehmen eigene Abteilungen für das betriebliche Lohnmanagement unterhalten, sind im Mittelstand aktuell die Chancen groß, sich als Vermittler und Finanzdienstleister in diesem Bereich der Unternehmensberatung einen attraktiven Kundenstamm aufzubauen. Zunächst muss man aber überhaupt die Möglichkeiten und Vorteile kennen, genauso aber auch die rechtlichen Fallstricke und Stolperfallen. Die erfolgreiche Suche und Bindung von Arbeitnehmern bestimmt wesentlich über den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Neben der Aufgabe selbst und dem Betriebsklima entscheiden heute die Benefits, die der Arbeitgeber zur Verfügung stellt, darüber, ob Mitarbeiter gewonnen und gebunden werden können. An erster Stelle steht dabei für viele Arbeitnehmer der Nettolohn. Gleichzeitig müssen Unternehmen in Zeiten der Globalisierung schon aus Wettbewerbsgründen darauf achten, die ohnehin hohen Lohnkosten in Deutschland intelligent zu gestalten. Hierzu hat der Gesetzgeber an die 40 teilweise steuer- und sozialver - sicherungsfreie Vergütungsmöglichkeiten geschaffen, die vielfach nicht bekannt sind und die daher auch nicht genutzt werden. An dieser Stelle entsteht für Finanzdienstleister ein neues, lukratives Betätigungsfeld als Unternehmensberater. Steuerlich anerkannte Benefits Welche Möglichkeiten haben Arbeitgeber aber nun? Beginnen wir bei den Sachzuwendungen, die jeder Arbeitgeber sofort nutzen kann, um höhere Nettolöhne darstellen zu können – und das ohne zusätzliche Personalkosten. Einige Beispiele: W Tankgutschein: 44 Euro monatlich W private Handygebühren: 40 Euro monatlich W Einkaufsgutscheine: 94,95 Euro monatlich, W Internetpauschale 50 Euro monatlich W Entfernungspauschale: z. B. 15 x einfache Strecke 20 km: 90 Euro monatlich W Kinderbetreuungskosten: z. B. 190 Euro monatlich W Kfz-Werbeflächenmiete: 21 Euro monatlich Diese beispielhafte Auswahl ergibt einen Gesamtwert an begünstigten Vergütungsbestandteilen von 529,95 Euro monatlich, die mit dem Lohn ausgezahlt werden, für den Arbeitnehmer aber komplett steuer- und sozialversicherungsfrei sind. Richtig lohnend: Gehaltsoptimierung im Minijob-Bereich Im Niedriglohn- und Minijob-Bereich sind erfahrungsgemäß am schwierigsten Mitarbeiter zu finden und zu binden. Das folgende Beispiel macht deutlich, welche enormen Möglichkeiten zur Mitarbeiterbindung und zur Motivation in der Entgeltoptimierung stecken: Ein mittelständisches Unternehmen hat die Möglichkeit, eine erfahrene leitende Mitarbeiterin nach einer Babypause für 48 Stunden im Monat wiedereinzustellen. Der Unternehmensstandort liegt in Begünstigte Lohnbestandteile Einige weitere Beispiele für steuerund sozialversicherungsfreie bzw. pauschalbesteuerte Vergütungsbestandteile in der Übersicht: W W W W W W W W W Fahrtkostenzuschüsse, Jobtickets, Tankgutscheine, Firmenwagen Warengutscheine, Rabattfreibeträge Gesundheitsförderung, Erholungsbeihilfe Kindergartenkosten Verpflegungsmehraufwand, Essensgutscheine Handygebühren, private Internetkosten, Werbungskostenersatz Betriebliche Weiterbildung Pkw-Werbeflächenmiete Betriebliche Krankenversicherung und Altersversorgung W u. v. m. Die Grundlage für die begünstigten Vergütungsbestandteile finden sich im Einkommensteuergesetz, in den Lohnsteuerrichtlinien und im Sozialgesetzbuch III und IV. einer bayerischen Großstadt mit hohen Lebenshaltungskosten. Für das „übliche Gehalt“ gibt es keine qualifizierten Bewerber. Die künftige Mitarbeiterin erwartet ein Bruttogehalt von 1.680 Euro monatlich. Die Frau ist verheiratet, 28 Jahre und hat ein zweijähriges Kind. Das Unternehmen will in diesem Fall alle sinnvollen Möglichkeiten zur Lohnoptimierung ausschöpfen und nutzt die Vorteile der Minijob-Vergütung (Variante 2 in der Tabelle). Das Einkommen der Mitarbeiterin wird nach Steuerklasse 5, das des Ehemannes wird nach Steuerklasse 3 besteuert. Zwei Varianten der Lohngestaltung stehen in diesem Fall zur Wahl: 110 Februar 2019

Quelle: byQuality ® GmbH Die Vorteile durch die Lohnoptimierung bei Variante 2 sind enorm: Beim Arbeitgeber reduzieren sich die Lohnkosten um rund 10.600 Euro im Jahr, nur für diese eine Mitarbeiterin. Je nach Anzahl der Mitarbeiter, für die diese Form der Gehaltsabrechnung infrage kommt, kann das eine sechs- bis siebenstellige Kosteneinsparung bei den Personalkosten bedeuten. Jedes Jahr! Die Arbeitnehmerin erhält einen attraktiven Stundenlohn und bei beiden Varianten nahezu das gleiche Nettoeinkommen. Natürlich hängen die Vorteile erheblich von der Steuerklasse und der monatlichen Arbeitszeit ab. Als Faustregel aber gilt: Das Jahreseinkommen des Arbeitnehmers kann durch ein intelligentes Vergütungskonzept um mindestens ein Monatsgehalt erhöht werden, ohne dass beim Arbeitgeber höhere Personalkosten anfallen. Das Beispiel zeigt auch, dass bei der Minijob-Abrechnung beim Arbeitgeber rund 883 Euro monatlich zur Verfügung stehen, um beispielsweise für die Mitarbeiterin zusätzlich eine betriebliche Altersvorsorge und eine betriebliche Krankenversicherung abzuschließen. Arbeitsrechtliche und steuerliche Anforderungen an die Beratung: Stolperfallen beachten! nachgewiesen wer - den. Durch die Nutzung von Pauschalen kann darauf aber auch verzichtet werden. Freigrenzen, Freibeträge und Erlasse der Finanzbehörden sind unbedingt zu beachten und müssen in die Arbeitsverträge aufgenommen werden. Bereits die Überschreitung von nur 1 Euro führt zum Verlust des gesamten finanziellen Vorteils. Und man sollte sich bewusst sein, dass Betriebsprüfer die Entgeltgestaltung besonders genau anschauen. In Zweifelsfällen kann eine kostenfreie Anrufungsauskunft beim Betriebs - stättenfinanzamt gestellt werden. Außerdem sind Arbeitnehmer in jedem Fall darüber aufzuklären, dass durch Einsparung von Sozialversicherungsbeiträgen die staatlichen Sozialleistungen (Altersrente) reduziert sind und eine private Zusatzabsicherung abgeschlossen werden sollte. Gerade hieraus ergeben sich für Finanzdienstleister gute Chancen bei der Beratung der Mitarbeiter zu alternativen privaten Absicherungsmöglichkeiten. W Beraterausbildung und Abwicklung der Entgeltberatung Die derzeit einzige E-Learning-Ausbildung zum „Zertifizierten Fachberater für betriebliche Entgeltoptimierung“ wird von der byQuality-academy angeboten. Die Ausbildung (ohne Vorkenntnisse) dauert ca. 150 Lernstunden, für die Schnell-Leser-Version (berufliche Vorkenntnisse erforderlich) müssen ca. 60 Lernstunden eingeplant werden. Unter https://byquality.de (Suchbegriff: Fachberater für betriebliches Entgeltmanagement) sind weitere Infos zum Berufsbild und zu den Einkommensmöglichkeiten zu finden. Für das Management der Arbeitnehmer-Zuwendungen, den Einsatz einer rechtssicheren Beratungssoftware, die arbeitsrechtlichen Verträge, fortlaufende Anpassungen an geänderte Gesetze und Rechtsprechung empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Entgelt-Dienstleister mit All-Inclusive-Abwicklung. Hinweise dazu sind ebenfalls über das Ausbildungsinstitut zu erhalten. Einige Hinweise dazu: Wichtig ist die Unterscheidung, ob die begünstigten Gehaltsbestandteile durch Barlohnumwandlung oder on top gewährt werden. Dies ist vom Gesetzgeber klar geregelt und muss zwingend beachtet werden. Bei Neueinstellungen kann natürlich frei verhandelt werden, welche lohnerhöhenden Zuwendungen vertraglich zum Gehaltsbestandteil werden. Weiter darf bei der Barlohnumwandlung der gesetz - liche Mindestlohn von aktuell 9,19 Euro brutto pro Stunde durch Gewährung von Sachzuwendungen nicht unterschritten werden. Tarifvereinbarungen sind zu berücksichtigen. Teilweise muss der tatsächliche finanzielle Aufwand des Arbeit nehmers Von Kornelia Knoppik, Gründerin und Geschäftsführerin der byQuality ® GmbH Februar 2019 111

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