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AssCompact 02/2021

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EXISTENZSCHUTZ

EXISTENZSCHUTZ „Grundsätzlich muss man festhalten, dass die Bedingungen in der BU inzwischen in der Breite eine recht hohe Qualität erreicht haben. Gleichwohl gibt es immer noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Diese sind jedoch erstens immer schwerer zu erkennen und zweitens für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedlich relevant.“ Eine andere Limitierung ist, dass eine Nachversicherung nur bei bestimmten Anlässen möglich ist. Wie sieht es hier aus? Von Vorteil ist es auf jeden Fall, wenn eine Nachversicherungsmöglichkeit auch ohne besonderen Anlass besteht. Bei der anlassbezogenen Nachversicherung sehen wir in der Tat inzwischen eine Art Wettbewerb um die Anzahl der optionsauslösenden Ereignisse. Das führt dann zum Teil zu kuriosen Ergebnissen, wenn der eine Versicherer aus Adoption und Geburt ein Ereig - nis macht, und der andere Versicherer damit wirbt, dass es zwei Ereignisse gibt. Tendenziell sind Nachversicherungsmöglichkeiten umso wichtiger, je geringer die Absicherungshöhe bei Vertragsabschluss ist. Wer in der Lage ist, schon zu Beginn der Versicherung eine adäquate BU-Rente abzu sichern, der wird nur relativ wenig Nachversicherungsmöglichkeiten brauchen; vorausgesetzt, die Höhe der bereits abgeschlossenen Rente lässt überhaupt noch eine Erhöhung zu. © Joel bubble ben – stock.adobe.com Das zeigt schon eine gewisse Komplexität. Worauf gilt es denn noch besonders zu achten? Neben den oben bereits ausführlich beschriebenen Aspekten spielt es natürlich auch eine Rolle, zu welchen Rechnungsgrundlagen die Erhöhung durchgeführt wird. Dies kann in der Praxis sehr unterschiedlich gestaltet sein und möglicherweise auch bei mehreren Erhöhungen verschieden gehandhabt werden. Das könnte dann zum Beispiel so aussehen, dass eine Erhöhung bis zu einer bestimmten Summe nach den ursprünglichen Rechnungsgrundlagen vorgenommen wird, bei darüber hinausgehenden Erhöhungen greifen dann die Rechnungsgrundlagen für Neuverträge. Es geht hier auch um die Entscheidung, ob auf eine Gesundheits- oder eine Risikoprüfung verzichtet wird. Was ist hier das genaue Thema? Hier spielen zwei Aspekte eine Rolle: Müssen erneut Gesundheitsfragen beantwortet werden? Das könnte nachteilig sein, da sich der Gesundheitszustand eines Menschen mit fortschreitendem Alter tendenziell eher verschlechtert. Nicht zu verwechseln ist dies jedoch mit der Risikoprüfung im Hinblick auf finanzielle Angemessenheit des BU-Schutzes. Diese Prüfung wird in der Regel grundsätzlich vorgenommen, entfällt also auch bei der Nachversicherung nicht. Was läuft denn gerade ansonsten richtig gut auf Bedingungsseite? Und was läuft schlecht? Grundsätzlich muss man festhalten, dass die Bedingungen in der BU inzwischen in der Breite eine recht hohe Qualität erreicht haben. Gleichwohl gibt es immer noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Diese sind jedoch erstens immer schwerer zu erkennen und zweitens für unterschiedliche Zielgruppen unterschiedlich relevant. Sehr positiv sehen wir einige Bestrebungen im Bereich der Um - organisation des Arbeitsplatzes bei Selbstständigen. So verzichten einige Anbieter inzwischen bei einer bestimmten Betriebsgröße grundsätzlich auf die Prüfung der Um - organisationsmöglichkeit. Auch die zunehmende Verbreitung einer Verlängerungsmöglichkeit ist durchaus zu begrüßen. Bei anderen Entwicklungen, beispielsweise der Teilzeitklausel, erschließt sich bei einigen Formulierungen nicht unbedingt der Nutzen bzw. der Sinn. Was hat der Kunde 40 AssCompact | Februar 2021

EXISTENZSCHUTZ beispielsweise davon, wenn eine Teilzeitklausel nur innerhalb der ersten zwölf Monate nach dem Wechsel in die Teilzeittätigkeit greift? Erwarten Sie, dass das Coronavirus bzw. Covid-19 mittel- oder langfristig einen Einfluss auf die Absicherungsmodelle haben wird? Wir haben uns zu diesem Thema schon mit einigen Rückversicherern ausgetauscht und die vorherrschende Meinung war, dass bisher viel zu wenig Erkenntnisse über die tatsächlichen und vor allem langfristigen Auswirkungen von Corona vorliegen. Da bisher nur ein geringer Teil der positiv getesteten Personen überhaupt deutliche Symptome aufweist und dieser Personenkreis in der Regel auch noch eher betagt ist, kann man derzeit davon ausgehen, dass Corona kurzfristig kaum Auswirkungen auf die Anzahl der Leistungsfälle haben wird. Auch die sogenannte Infektionsklausel greift an der Stelle ja gerade nicht, da es in allen bisher bekannten Fällen an der Erfüllung des sechsmonatigen Prognosezeitraums mangelt und zudem die Behörden ja auch kein individuelles Tätigkeitsverbot für einzelne Berufstätige aussprechen. Dem Koch eines coronabedingt geschlossenen Restaurants wird ja beispielsweise nicht verboten, dort weiter zu kochen und etwa einen Lieferservice zu bedienen. Bedingungsanpassungen sind natürlich denkbar, ebenso Anpassungen in den Gesundheitsfragen, schon allein deshalb, weil sich die Versicherer gegen eventuelle Langzeitschäden absichern wollen. Wie sinnvoll dieses Vorgehen ist, bleibt jedoch fraglich, solange sich an der „Infektionsstruktur“ von Corona nichts Grundlegendes ändern sollte. Wenn ein heute über 50-Jähriger tatsächlich nach beispielsweise 15 Jahren Corona-Spätfolgen nachweisen kann, die auch zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit führen würden, dann dürfte allerdings sein Versicherungsschutz bereits ausgelaufen sein. Bei der gesamten Thematik sollte also auch immer die zeitliche Komponente in die Betrachtung einbezogen werden. Zum Schluss noch ein kurzer Blick auf Dread Disease. Um die Schwere- Krankheiten-Versicherung ist es in letzter Zeit ruhiger geworden. Zu Unrecht? Die Dread-Disease-Absicherung hat aus unserer Sicht den großen Nachteil, dass sie nur auf den ersten Blick leicht verständlich ist und eindeutig definierte Leistungsauslöser aufweist. Schaut man sich mal die Versicherungsbedingungen an, dann sieht man schnell, dass hier hohes medizinisches Fachwissen erforderlich ist, wenn man die Bedingungen verstehen und erst recht vergleichen möchte. Zudem dürfte für viele Interessenten unklar bleiben, dass beispielsweise Krebs nicht gleich Krebs ist. Wenn jemand, der die zunächst einmal vermutlich für ihn erschütternde Diagnose Krebs erhalten hat, dann dazu noch von seinem Versicherer erfährt, dass er aber „nicht genug Krebs“ hat, kann das zu Frust führen. Aus Ihrer Sicht liegt das Problem dann also vor allem in der mangelnden Transparenz und der schweren Verständlichkeit? Für die Dread-Disease-Versicherung gilt noch mehr als für die Grundfähigkeitsversicherung, dass die Anbieter an vielen Stellen die Definition der Leistungsauslöser überdenken und verständlicher gestalten sollten. Insgesamt sehen wir die Dread-Disease-Versicherung nicht als Ersatz im Bereich der Arbeitskraftabsicherung, sondern eher als komplementäres Produkt, beispielsweise in Ergänzung zu einer BU-Absicherung. Welchen Eindruck haben Sie, wie Versicherungsmakler mit den Themen zurechtkommen? Aufgrund der Komplexität der Arbeitskraftabsicherung besteht die Gefahr, dass Makler und Vermittler das Thema beim Kunden gar nicht erst ansprechen; gleichwohl ist der Bedarf immer noch groß. Somit sind die Produktgeber gefordert, ihre Vertriebspartner intelligent zu unterstützen und ihre Produkte vor allem transparent zu gestalten. P © Prostock-studio – stock.adobe.com Zur infinma infinma (www.infinma.de) bietet seinen Kunden Dienstleistungen für Produktmanagement und -entwicklung, Marketing, Verkaufsförderung, Unternehmenskommunikation und Vertriebsunterstützung. Das Unternehmen hat für die BU-Versicherung das Konzept der sogenannten Markt - standards entwickelt. Für die wichtigsten Qualitätskriterien einer Produktgattung wird analysiert, welche Ausprägungen des Kriteriums am Markt verfügbar sind. Diejenige Ausprägung, die von den meisten Anbietern verwendet wird, definiert den Markt - standard im Sinne eines Branchendurchschnitts. Mittlerweile gibt es die Marktstandards auch für weitere Absicherungsmodelle im Existenzschutz. Februar 2021 | AssCompact 41

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