Aufrufe
vor 1 Jahr

AssCompact 03/2020

  • Text
  • Vermittler
  • Makler
  • Unternehmen
  • Versicherer
  • Fonds
  • Beratung
  • Deutschland
  • Zudem
  • Vertrieb
  • Deutlich

STEUERN & RECHT ©

STEUERN & RECHT © Orlando Florin Rosu – stock.adobe.com Risiken bei der Vermittlung von Versicherungsprodukten herunterfahren Die Dokumentation gehört zum Handwerkszeug des Versicherungsvermittlers. Hier gilt es, den Beratungspflichten nachzukommen, die Beratung zu dokumentieren und dabei das richtige Maß zu treffen – um bei möglichen Rechtsstreitigkeiten um eine Falsch - beratung auf der sicheren Seite zu sein. In den letzten Jahren ist eine stetig wachsende Anzahl von Rechtsstreitigkeiten zu verzeichnen, in denen Versicherungsvermittler – Vertreter und Makler – sowie Versicherer wegen Falschberatungen von ihren Kunden in Anspruch genommen werden. Das betrifft sämtliche bekannten Versicherungsprodukte, überproportional aber die Wohngebäudeversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankenversicherung sowie Lebens- und Rentenversicherungen. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren erwartungsgemäß weiter fortsetzen, denn die Anforderungen des Gesetzgebers und der Rechtsprechung an Makler, Vermittler und auch Versicherer sind streng und die bestmögliche Eindeckung von Versicherungsschutz unter richtiger Aufklärung des Kunden über Produkt und Eignung häufig schwieriger als angenommen. Dazu kommt, dass Produkte teilweise äußerst komplex sind und häufig ein Blick in die Zukunft notwendig wird – mit den damit einhergehenden Risiken. Gleichermaßen müssen nicht zuletzt immer mehr Risiken nicht gesetzlich, sondern privat abgesichert werden. Beratung und Rat erteilen – die Regelungen im VVG Der Gesetzgeber verlangt in § 60 Abs. 1 VVG bei der Erteilung des entsprechenden Rates die Zugrundelegung einer hinreichenden Zahl angebotener Versicherungsverträge und die auf fachlichen Kriterien beruhende Eignung für den Kunden, mithin Beachtung seiner Bedürfnisse. Der Versicherungsvermittler hat gemäß § 61 Abs. 1 VVG Wünsche und Bedürfnisse des Kunden zu ergründen, entsprechend zu beraten und den Grund für den erteilten Rat anzugeben und alles zu dokumentieren. Das Pendant für den Versicherer findet sich in § 6 Abs. 1 VVG. Eine Verletzung dieser Pflichten führt zum Schadensersatz gemäß § 63 VVG bzw. § 6 Abs. 5 VVG. Das Verschulden wird gemäß § 63 Abs. 2 VVG vermutet. Im Übrigen ist eine Beratung durch den Versicherer bei Einschaltung eines Versicherungsmaklers nicht in jedem Fall obsolet, wie häufig behauptet wird, nämlich dann nicht, wenn etwa erkennbar eine Fehlinformation erfolgt oder Unterlagen fehlerhaft bzw. unzureichend sind. Zudem kommt eine Zurechnung eines in den Vertrieb eingebundenen Vermittlers – auch Maklers – in Betracht. Der Makler selbst ist seit der Rechtsprechung des BGH im Jahr 1985 treuhänderischer Sachwalter des Versicherungsnehmers und hat von sich aus das Risiko zu untersuchen, das Objekt zu prüfen und seinen Auftraggeber ständig und unverzüglich über die Ergebnisse seiner Bemühungen zu unterrichten. Sinn und Zweck der Dokumentation Die erforderliche Dokumentation sollte – auch zur eigenen Absicherung des 118 März 2020

Vermittlers – authentisch und korrekt sein und auf den Einzelfall Bezug nehmen, mithin individualisiert erfolgen. Vorgefertigte Textbausteine werden von der Rechtsprechung häufig nicht anerkannt und sollten mit Ausnahme einfachster Produkte (zum Beispiel manche Kfz- Haftpflichtversicherungen ohne Besonderheiten) nicht verwendet werden. Mit einer ordnungsgemäßen Dokumentation lassen sich zudem auch Deckungslücken erkennen und schließen. Abzuraten ist von einer Beratung, bei der das Ziel vor dem Beratungsprozess feststeht, die Beratung also im Grunde nur Mittel zum Zweck wird. So sind etwa sämtliche Konsequenzen und Risiken bei dem Wechsel von privaten Krankenversicherungen (Stichwort Altersrückstellungen) oder Berufsunfähigkeitsversicherungen (Stichwort erneute Gesundheitsfragen) zu besprechen. In diesem Bereich entstehen in der Praxis häufig Streitigkeiten, wenn der neue Versicherer Leistungen berechtigt ablehnt. Bei sonstigen Produkten sind ebenfalls alle relevanten Informationen zu geben und zu dokumentieren (etwa Risikoausschlüsse, Kosten des Produkts, Risikoabdeckung, bestes Produkt) sowie dezidiert darzulegen. Sollten bestimmte Produkte für den Kunden nicht abzuschließen sein, so ist immer an eine ähnliche Absicherung zu denken, beispielsweise an die neuen Produkte zu schweren Krankheiten oder Grundfähigkeitsrenten, wobei auch hier wieder das komplexe Produkt eingehend zu erläutern ist. Bei der Vermittlung von gemischten Produkten aus Kapitalanlage und Versicherung ist zudem die im Kapitalanlagerecht geforderte ordnungsgemäße anleger- und objektgerechte Beratung zusätzlich notwendig. Die Beratung wird dann umfassend und kompliziert, weil im Grunde bezüglich jeder Kapitalanlage die prospektierten Risiken zu erläutern sind oder schriftliche Unterlagen rechtzeitig vor Vertragsschluss übergeben werden müssen. Genauso wichtig ist die Exploration des Kunden, dessen Wünsche und Ziele konkret herauszuarbeiten und darzulegen sind, wozu zwingend Nachfragen zu seinen Verhältnissen notwendig sind, natürlich abhängig von der Komplexität des Produktes. Dabei reicht es nicht aus, nur ganz objektiv die Angemessenheit und Geeignetheit zu prüfen, die Sache muss am Ende auch Sinn ergeben, was beispielsweise bei den Kosten einer Rentenversicherung und einer Monatsprämie von 20 Euro höchst zweifelhaft sein dürfte. Das fällt den Kunden bei Nettopolicen häufiger auf, allerdings erst nach Vertragsschluss. Nicht zu viel und nicht zu wenig Die rechtlichen Vorgaben des BGH gehen mittlerweile dahin, eine Beweislastumkehr anzunehmen, wenn der entsprechend gerügte Fehler (Aufklärung) nicht im Beratungsprotokoll auftaucht oder eine Dokumentation gar nicht erfolgte. Sinn der gesetzlichen Regelung war ja vornehmlich, dem Versicherungsnehmer die Möglichkeit zu geben, den Nachweis über den Inhalt der Beratung zu führen. Dann muss also nicht mehr der Versicherungsnehmer als Anspruchsteller die nicht oder falsch erfolgte Aufklärung beweisen, sondern der Vermittler. Die Verwendung von schriftlichen Unterlagen, etwa vom Versicherer, und Dokumentation, diese erläutert zu haben, kann da sehr hilfreich sein. Dabei ist aber von kleinlicher und übertriebener Dokumentation ebenfalls abzuraten. Nicht nur, weil der Versicherungsnehmer das alles schwerlich noch erfassen können wird, sondern weil gerade eine extrem umfangreiche Dokumentation bei Fehlen auch nur eines relevanten Umstandes gerade dafür spricht, dass über diesen Punkt nicht aufgeklärt wurde, wenn doch alles andere dokumentiert wurde. Die Rechtsprechung gestattet es dem Kunden, sich auf die Vermutung aufklärungsrichtigen Verhaltens zu berufen, daher muss er nicht mehr nachweisen, wie er sich bei ordnungsgemäßer Beratung verhalten hätte (zum Beispiel kein Vertragsschluss oder auch Vertragsschluss bezüglich eines anderen, besseren Produktes), was für den Schaden enorme Bedeutung hat. Fazit Sofern es Vermittlern also in ihrer täglichen Praxis gelingt, diese Anforderungen zu beachten, werden sie merken, dass sie Haftungsrisiken minimieren und gleichzeitig neues Geschäft akquirieren. W Ergründen der Kundenbedürfnisse und des Kundenbedarfs Von Martin Stolpe, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Versicherungsrecht bei STOLPE Rechtsanwälte März 2020 119

AssCompact

Vermittler Makler Unternehmen Versicherer Fonds Beratung Deutschland Zudem Vertrieb Deutlich

Neues von AssCompact.de

Vermittler Makler Unternehmen Versicherer Fonds Beratung Deutschland Zudem Vertrieb Deutlich