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AssCompact 03/2021

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB „Berater sollten sich ernsthaft mit Nachhaltigkeit auseinandersetzen“ INTERVIEW MIT NADJA SCHILLER, FINANZBERATERIN FINANZIDEEN BERLIN SOWIE MITGLIED BEI ÖKOFINANZ-21, UND DR. MARCEL MALMENDIER, FINANZBERATER UND GESCHÄFTSFÜHRER QUALITATES SOWIE VORSTANDSMITGLIED BEI ÖKOFINANZ-21 Die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen von Kunden wird in der Beratung künftig verpflichtend. Was braucht es für eine kompetente Beratung im Bereich nachhaltiger Investments und was ist Beratern zu empfehlen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben? AssCompact hat nachgefragt bei ökofinanz-21, einem bundesweiten Netzwerk von nachhaltigen Beratern. „Die Erfassung der Nachhaltigkeits - präferenzen der Kunden in der Beratung sollte man als Chance und nicht als notwendiges Übel sehen.“ Nadja Schiller Frau Schiller, Sie beraten Kunden bei der Entwicklung einer persön - lichen Anlagestrategie, die nachhaltigen Kriterien entspricht. Was bedeutet für Sie das Thema Nachhaltigkeit? NADJA SCHILLER Nachhaltigkeit bedeutet für mich sowohl einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen als auch ein ehrliches und faires Miteinander im beruflichen wie im privaten Bereich. Für Investments heißt dies, dass in jede Empfehlung eine Reihe von Nachhaltigkeitskriterien eingehen. Research in diesem Bereich ist in meiner Arbeit zentral. Für meine Beratung bedeutet das unter anderem einen ganzheitlichen Blick auf die Situation und Wünsche meiner Mandanten und eine langfristig vertrauensvolle Geschäftsbeziehung. Das Interesse an nachhaltigen Finanz- und Versicherungsprodukten steigt. Schlägt sich das auch schon in Ihrem Beratungsalltag nieder? NADJA SCHILLER Die Berücksichtigung individueller Wertvorstellungen und nach haltiger Anlagekriterien gehört seit dem Beginn meiner selbstständigen Tätigkeit vor gut fünfzehn Jahren zu meinem Beratungsalltag. Das spricht sich herum und deshalb fragt der Großteil der neuen Mandanten gezielt nach nachhaltigen Finanz- und Versicherungslösungen. Darüber hinaus beobachte ich bei den Verbrauchern ein zunehmendes Bewusstsein über die eigenen Werte und die Auswirkungen ihrer finanziellen Entscheidungen. Wie setzt sich denn Ihr Kundenstamm zusammen? NADJA SCHILLER Zu meinen Kunden gehören überwiegend Privatkunden. Es sind überwiegend gut ausgebildete, infor mierte und anspruchsvolle Menschen auf der Suche nach einer ganzheitlichen Beratung und einem umfassenden Blick auf ihre finanzielle und Versorgungssituation. Herr Malmendier, wird das Thema Nachhaltigkeit angesichts der Corona-Krise noch wichtiger? Und wie nehmen Sie die Entwicklung innerhalb Ihres Netzwerks wahr? MARCEL MALMENDIER Diesen Zusammenhang kann man teils bereits beobachten, teils erahnen. Zu nächst ist diese globale Krise Folge des Eindringens der Menschen in die Lebensräume anderer Spezies. In vielen solchen Fällen sind die Folgen schleichend. Diesmal hat das expansive menschliche Verhalten unmittelbar spürbare Auswirkungen, die gleichzeitig unsere Lebensweise, Gesundheit und Ökonomie hart treffen. Damit wird der Zusammenhang zwischen Ökologie, Ökonomie und sozialen wie ethischen Fragen, der seit den Anfängen des Club of Rome die zentrale Idee hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit ist, für jeden unmittelbar erlebbar. Und dies geschieht, wenn auch mit erheblichen sozialen Unterschieden, global über alle regionalen und politischen Grenzen hinaus. Die Corona-Krise ist ein Brennglas, das den Menschen ihre Achillesferse zeigt, die mit ihrem eigenen Verhalten verbunden ist. Und sie zeigt, dass wir als Weltgesellschaft reagieren können. Eine solche kollektive Erfahrung wird die 92 AssCompact | März 2021

MANAGEMENT & VERTRIEB © pronick – stock.adobe.com Umsteuerung auf Nachhaltigkeit in jedem Fall pushen. Wir werden das auch in unserer Branche sehen. Und schließlich ein Wort zum Finanzsystem: Schuldenkrise, Oligopolisierung und große spekulative Volumen an Finanzkapital sind kein Ausweis von Nachhaltigkeit. Da ist entschiedenes Gegensteuern gefragt, das sicherlich aus dem politischen System initiiert werden muss. Nachhaltige Investitionskriterien werden es in diesen Themenbereichen nicht richten. Die EU hat einige regulatorische Maßnahmen auf den Weg gebracht, um sicherzustellen, dass das Thema Nachhaltigkeit auch in der Finanzberatung mehr berücksichtigt wird. Wie bewerten Sie denn die bisherigen Schritte? MARCEL MALMENDIER Diese Schritte sind aus unserer Sicht richtig. Dass momentan die Generierung von Daten zur Nachhaltigkeitsbeurteilung von Unternehmen und Projekten wie vor allem die EU-Taxonomie Priorität hat, ist klar. Das ist eine wichtige Basis für Investments generell und damit auch für Finanzberatung. Mit der Offenlegungsverordnung kommt nun für Produktanbieter wie für Finanzberater ab dem 10. März 2021 ein wichtiger Schritt hinzu. Finanzberater, die ihre Ernsthaftigkeit im Bereich der Nachhaltigkeit zeigen wollen, sollten diese Chance nutzen und offen ausweisen, wie sie mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Kritisiert wird zum einen, man würde Anleger durch Gesetze und Vorschriften bevormunden, die gar nicht von dem Thema Nachhaltigkeit überzeugt sind, und zum anderen Gefahr laufen, dass Anbieter Greenwashing betreiben. MARCEL MALMENDIER Jede Veränderung erzeugt Widerstände. Ob der EU-Weg unter Changemanagement- Gesichtspunkten gut aufgesetzt ist, darüber kann man streiten. Aber die generelle Richtung ist gut und ist im Übrigen eine folgerichtige Umsetzung der Agenda 2030 der UN. Greenwashing ist ein Trittbrettfahrer- Phänomen. Hier ist ein kritischer Diskurs gefordert, der zeigt, dass viele große Investmenthäuser derzeit im Kern vor allem die Marketingfarbe ändern. Nun wird ja die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen der Kunden in der Beratung verpflichtend. Was raten Sie Kollegen, die sich bislang noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben? NADJA SCHILLER Die Erfassung der Nachhaltigkeitspräferenzen sollte man als Chance und nicht als notwendiges Übel sehen. Die Menschen sind immer besser informiert und haben konkrete Vorstellungen von ihrem finanziellen Engagement und dessen Auswirkungen. Wir Berater sollten uns ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen, eigene Werte formulieren und uns die Produkte genau ansehen. Es genügt nicht, bei der Suche nach geeigneten Investmentfonds und ETFs in der Fondsdatenbank Filter wie „nachhaltig / ESG“ oder „FNG- Siegel“ des Forum Nachhaltige Geldanlagen zu aktivieren oder auf Bezeichnungen wie „sustainable“, „ESG“, „SRI“, also Socially Responsible Investment, etc. zu vertrauen. O Dr. Marcel Malmendier „Kompetente Beratung im Bereich nach - haltiger Investments erfordert neues Know-how in einem sich rasant entwickelnden Markt. Dieses Know-how ist nicht im Vorbeigehen zu erwerben.“ März 2021 | AssCompact 93

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