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AssCompact 03/2021

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB Zur Transparenzverordnung Ab 10.03.2021 ist die EU- Transparenzverordnung anzuwenden. Die Regelung sieht vor, dass Produktgeber nachhaltigkeitsbezogene Offen legungspflichten erfüllen müssen, und bringt auch Pflichten für Vermittler. Diese müssen bei der Vermittlung von Finanzund Versicherungsanlage - produkten ihren Kunden Informationen über die Erfüllung von Nachhaltig - keits zielen liefern. Als Hilfestellung für Vermittler haben Branchenverbände wie der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW und VOTUM oder auch der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) Leitfäden veröffentlicht. So finden Vermittler eine Empfehlung von AfW und VOTUM unter www.afw.de sowie eine Checkliste des BVK in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Beenken unter www.bvk.de. In den folgenden Monaten kann es beim Thema Nachhaltigkeit noch zu Anpassungen von Vorgaben kommen. Die Verbände raten daher Vermittlern, sich hierzu stets auf dem Laufenden zu halten. Häufig genügt ein Blick auf die aktuellen Top-10-Positionen oder in die Vermögensaufstellung des letzten Jahres- bzw. Halbjahresberichts, um kritische Unternehmen zu finden, die nicht mit den Werten des Anlegers vereinbar sind. Neben diesem anschaulichen Ansatz, Produkte nach Ausschlusskriterien zu filtern, ist es aus meiner Sicht wichtig, dass Finanzberater weitere Ansätze für nachhaltiges Investieren verstehen. Dazu gehören zum Beispiel Best-in-Class-Ansätze und verschiedene Konzepte des Impact Investing, bei dem die Unternehmen positiv selektiert werden, die einen Beitrag leisten, um beispielsweise soziale und ökologische Probleme zu lösen. Zudem sollte sich jeder mit den SDGs, also den Sustainable Development Goals, aus 2015 vertraut machen, die zukunftsweisende Investmentthemen definieren. Worin liegt denn die größte Herausforderung in der Beratung rund um nachhaltige Finanz- und Versicherungsprodukte? BEIDE Kompetente Beratung im Bereich nachhaltiger Investments erfordert neues Know-how in einem sich rasant entwickelnden Markt. Dieses Know-how ist nicht im Vorbeigehen zu erwerben. Mit welcher Situation haben es Finanzberater zu tun? Es gibt heute keine einheitliche Definition für Nachhaltigkeit, auch keine einheitlichen und verbindlichen Mindeststandards. Wie beschrieben gibt es eine Pluralität an Ansätzen für nachhaltiges Investieren. Und aktuell sehen wir noch einen deutlichen Mangel an vielen wichtigen Daten zur Nachhaltigkeitsperformance von Unternehmen und Projekten, woran allerdings auf EU-Ebene intensiv gearbeitet wird. Auch die Pluralität an Nachhaltigkeits-Ratings mit ihren üblicherweise hochaggregierten und damit oftmals durchaus intransparenten Bewertungen erfordert Aufmerksamkeit: Woran soll man sich aus welchen Gründen halten? Zusätzlich muss man sich auf das einstellen, was noch kommt und dann für Investmentprodukte und Beratung relevant wird. Dabei ist eins klar: Das Ziel deutlich höherer Transparenz ist ein Leitmotiv auch dieser neuen Regulierungen. Damit werden gewisse Hürden für rein vertriebliches Handeln in der Beratung nachhaltiger Investments errichtet und die Chancen erhöht, sich mit Qualität im Markt abzuheben. Und wie können sich Berater das notwendige Know-how aneignen, um die Spreu vom Weizen trennen zu können? BEIDE Nach unserer Erfahrung sind folgende Dinge gefordert: Investmentprüfungen mit kritischem Sachverstand, Vernetzung und für diejenigen, die das Thema noch nicht gut kennen, zunächst klassische Qualifizierung. Um beim Thema Wissen zu bleiben: Herr Malmendier, inwieweit sehen Sie denn Handlungsbedarf in puncto Aus- und Weiterbildung von Beratern? MARCEL MALMENDIER Im Bereich Weiterbildung sind wir bei ökofinanz-21 – wie andere auf Nachhaltigkeit spezialisierte Organisationen – selbst aktiv. Angebote von Investmenthäusern, die das Thema schon lange ernsthaft bewegen, sind zum Teil gut. Für Weiterbildungen ist bereits einiges da. Langfristig wird sich die Politik für den Finanzberatermarkt allerdings unter Qualitätsgesichtspunkten überlegen müssen, ob hier nicht eine echte Professionalisierung mit einer grundständigen Ausbildung wie bei anderen Professionen ansteht. Dort kann Nachhaltigkeits-Know-how dann ein zentrales Thema sein. Eine Frage zum Abschluss: Wo sehen Sie nachhaltige Finanz - beratung in fünf Jahren? BEIDE Alle werden Angebote haben. Nachhaltigkeit ist ein Thema, in dem Qualität und Know-how der Finanzberater erkennbar werden. Klimawirkung, Biodiversität, Investments als Change-Instrumente zur Umsteuerung auf Nachhaltigkeit wie auch ESG-Berichterstattungen über den Impact von Investments sind zentrale Beratungsthemen. Und vielleicht öffnen sich der Markt und die Politik auch für diese Idee: Anleger müssen einen expliziten Wunsch äußern, um in kontroverse Geschäftsfelder investieren zu können. P 94 AssCompact | März 2021

MANAGEMENT & VERTRIEB Versicherer verabschieden Nachhaltigkeitsziele Die deutschen Versicherungsunternehmen verpflichten sich zur Nachhaltigkeit. Zu den betroffenen Bereichen gehören etwa die Kapitalanlagen, Bürogebäude und Infrastruktur sowie Produkte und Unternehmensführung. Erste Zielmarke ist das Jahr 2025. Ein aktueller ESG-Report bescheinigt den Versicherern bereits heute auf einem guten Weg zu sein. Der GDV hat ein Positions - papier verabschiedet, mit dem sich die Assekuranz zum nachhaltigen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft verpflichtet. Bei dem Ansatz orientieren sich die Versicherer an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und unterstützen auch das Pariser Klimaschutzabkommen. So wollen die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen von 1.700 Mrd. Euro das Geld ihrer Kunden bis spätestens zum Jahr 2050 klimaneutral anlegen. Die Versicherer gehören zu den größten institutionellen Investorengruppen und wollen über ihre Investitionen Einfluss auf die Transformation der Wirtschaft nehmen. Versicherer werden grüner werden, so der GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Das soll sich auch darauf auswirken, welche Risiken künftig gezeichnet werden sollen und welche nicht. In der Praxis bedeutet dies dann etwa das Anbieten von Versicherungslösungen für erneuerbare Energien, aber nicht mehr für Kohlekraftwerke. Auch in den Versicherungs policen selbst soll Nachhaltigkeit zukünftig eine größere Rolle spielen. © senoldo – stock.adobe.com Nachhaltig bis zur Schadenregulierung Die Pläne gehen aber noch weiter. Gestaltet werden sollen Ver- sicherungen, die Sharing-Konzepte unterstützen oder verstärkt auf die Reparatur eines defekten Gegenstands setzen anstelle eines Austauschs. Bis 2025 wollen die Unter- nehmen zuneh- mend solche Nachhaltigkeitskriterien in die Praxis der Schadenregulierung integrieren. Schon heute investieren Versicherer in Präventionsmaßnahmen. Das Angebot an Produkten für die Altersvorsorge, die auf einer nachhaltigen Kapitalanlage basieren, wird ebenfalls ausgebaut. Klimaneutrale Geschäftsprozesse bis 2025 Die Unternehmen verpflichten sich zudem, bis 2025 ihre Geschäftsprozesse, Bürogebäude und Infrastruktur klimaneutral auszurichten. Die Unternehmensführung wird angepasst und auch der Frauen - anteil und die Diversität in Führungs gremien sollen erhöht werden. Erster ESG-Report Während die Versicherer dabei sind, ihr Zukunftspaket zu schnüren, hat Franke und Bornberg kürzlich einen ersten „ESG-Report“ veröffentlicht. Mit Blick auf den Status quo sieht das Analysehaus schon heute gute Ansätze in der Kapitalanlage. Dort seien Ausschlusskriterien schon weit verbreitet. Die Informationen, die mithilfe der Umfrage und der Nachhaltigkeitsberichte erhoben wurden, seien für ein Gesamtbild jedoch insgesamt bislang zu unterschiedlich. Trotzdem kommt Michael Franke, geschäftsführender Gesellschafter von Franke und Bornberg, zu dem Fazit: „Auch wenn es noch keine einheitlichen Standards gibt und Versicherer ihr Potenzial häufig noch nicht voll ausschöpfen, ist die Versicherungsbranche auf einem guten Weg.“ P Brigitte Horn, AssCompact © nadianb – stock.adobe.com März 2021 | AssCompact 95

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