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AssCompact 04/2019

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ETFS IN DER BERATUNG Die

ETFS IN DER BERATUNG Die passive Revolution Einst als Nische belächelt, erobern ETFs immer mehr Bereiche der Geldanlage, und das nicht nur wegen ihrer niedrigen Kosten. Ihre Einsatzgebiete gehen längst über Standardindizes hinaus – und so haben sie auch für Berater, Versicherungen und Vermittler großes Potenzial. John Bogle ist den meisten Deutschen wohl kaum ein Begriff. Dabei hat er 1976 eine Revolution losgetreten. Eine Revolution, die die Finanzwelt heute mehr denn je aufhorchen lässt. Bogle legte 1976 den ersten Fonds auf, der einen Börsenindex nachbildet. Was mit einem Produkt auf den S&P 500 begann, hat die Fondswelt wie kaum eine andere Neuentwicklung verändert. ETFs sind die größte Wachstumsgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Zuletzt lagen die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten bei 20%. Insgesamt haben ETFs rund ein Fünftel des gesamten Fondsmarktes erobert. Kosten, Kosten, Kosten Von Michael Herrmann, AssCompact ETFs punkten vor allem mit einem Argument: Kosten. Fallen für aktiv verwaltete Fonds in aller Regel über 1% und oft sogar über 2% pro Jahr an, fangen die Jahresgebühren für ETFs schon im Promillebereich an. Selbst exotische Investments oder smarte Portfoliolösungen kosten weniger als 1% pro Jahr. Dieses Argument überzeugt immer mehr Anleger und hat dadurch eine massiven Preiswettbewerb in der Fondsbranche ausgelöst. Für Martin Weis ist das keine Überraschung. „Die Höhe der Gebühren ist am Ende des Tages die einzige Kennziffer, die vor dem Kauf eines Fonds mit Sicherheit feststeht“, meint der Deputy Head of Germany and Austria von Vanguard. Die Fondsgesellschaften – aktive wie passive – reagieren darauf mit einem immer schärferen Preiskampf bei den Fondskosten. Mehr als nur Standardindizes Dieser Preiskampf erreicht alle Sparten der Fondslandschaft. Schließlich bilden 58 April 2019

zusätzlich deren Schwankungen reduzieren. Dass das nicht nur in der Theorie funktioniert, zeigt zum Beispiel der MSCI World Diversified Multiple-Factor Index. Er hat von 2000 bis 2018 den breiten MSCI World um 4,08% pro Jahr geschlagen, bei einer niedrigeren Volatilität. Wie gemacht für Versicherungen Doch nicht nur das Spektrum der abgebildeten Indizes hat sich deutlich erweitert, sondern auch die Einsatzgebiete. ETFs sind heute längst nicht mehr nur als Direktanlage oder Sparplan gefragt. Auch in der Provisionsvermittlung haben sie noch großes Aufholpotenzial (siehe Seite 64 f.). Zudem sind sie bereits ein fester Bestandteil vieler fondsgebundener Lebensversicherungen. Warum sich ETFs gerade mit Versicherungen clever kombinieren lassen, erläutert Frank Kettnaker, Vorstand Vertrieb/Marketing des ALTE LEIPZIGER–HALLESCHE Konzerns, ab Seite 62. Robo Advisor merzen die Schwächen aus ETFs längst nicht mehr Standardindizes wie Dax, Dow Jones oder den S&P 500 ab. Auch exotische Länder oder Branchen sind fester Bestandteil der ETF-Welt. Passiv und trotzdem smart Selbst komplexe Investmentansätze lassen sich über Indexinvestments abbilden. Smart Beta lautet hier das Zauberwort. Solche Faktorfonds bilden Indizes ab, die nicht nur die Marktkapitalisierung der Unternehmen berücksichtigen, sondern die Anteile der einzelnen Titel nach bestimmten Faktoren filtern und gewichten. Das Spektrum reicht dabei von klassischen Value-Faktoren über Momentumindikatoren bis hin zu Volatilitätskriterien. Wie die Faktoren gewichtet werden, entscheiden die Index - anbieter wie MSCI, S&P oder die Deutsche Börse mit ihrer Stoxx-Familie – oft in direkter Zusammenarbeit mit den Fondsgesellschaften. Smart-Beta-ETFs können durch ihren Ansatz die Performance reiner Marktwertindizes schlagen und im Idealfall © Tierney – stock.adobe.com ETFs haben bei allen Vorzügen aber natürlich auch Nachteile. So nimmt der überwiegende Teil der passiven Produkte Abwärtsbewegungen eins zu eins mit. Das ist vor allem psychologisch problematisch, da viele Anleger dann in Panik im schlechtesten Moment aus ihren Investments aussteigen: wenn es an den Märkten kracht. Dieser Herdentrieb liegt in der Natur des Menschen. Er lässt sich daher nicht abschaffen. Er lässt sich aber begrenzen, wenn man den Auslöser der Panik eindämmt: die Verluste. Genau das versuchen Robo-Advisor wie Scalable Capital mit automatisierter Technologie zu lösen. „Regelgebundenes Vorgehen, wissenschaftliches Know-how und viel Rechenpower sind dabei unverzichtbar – und genau dieser Mix zeichnet einen guten digitalen Vermögensverwalter aus“, meint Professor Dr. Stefan Mittnik, einer der Mitgründer von Scalable Capital. Ob Robo-Advisor damit eine ähnlich bedeutsame Revolution wie John Bogle lostreten können, bleibt aber abzuwarten. W Sonderthema im Überblick ETFs in Zahlen Fondsgebundene Rentenversicherungen und ETFs: Eine starke Kombination „Wir sehen großes Potenzial im Einsatz von ETFs bei Provisionsvermittlern“ Faktor-Investing – der neue Weg? ETFs und digitale Vermögensverwalter: Ein starkes Zusammenspiel April 2019 59

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