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AssCompact 04/2019

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ETFS IN DER BERATUNG ©

ETFS IN DER BERATUNG © npstockphoto – Fotolia.com Faktor-Investing – Der neue Weg? Smart Beta ist seit einigen Jahren in aller Munde. Doch werden Faktorstrategien auch in der Praxis eingesetzt? Und wenn ja, was sind die Beweggründe, und für welchen Anlegertyp eignen sich solche Smart-Beta-Ansätze? Die Investmentlandschaft der letzten Jahre stellt viele vor große Herausforderungen bei der Asset-Allokation. Geringe Renditen traditioneller Anlagen, gestiegene Kostensensitivität – insbesondere infolge neuer Transparenzvorschriften wie MiFID II – und die in Krisenzeiten oftmals ungenügende Absicherung gegen Kursverluste, die eine klassische Diversifikation über Asset-Klassen hinweg bieten kann, lassen Investoren nach neuen Wegen suchen, um ihr Portfolio im Hinblick auf Rendite und Risiko effektiver aufzustellen. Stetiger Popularitätsgewinn Faktor-Investing hat vor diesem Hintergrund jährliche Zuwachsraten von 19% verzeichnet. Die Strategien sind keinesfalls neu: Professionelle Investoren streben schon seit Jahrzehnten nach Prämien wie Value oder Momentum. Neu ist aber der Weg, wie Anleger in diese Faktoren investieren können. Innovationen in Innovationen in der Datenverfügbarkeit und -granularität erlauben es, Faktorstrategien regelbasiert, transparent und kostengünstig in einem liquiden Produkt wie einem ETF abzubilden. der Datenverfügbarkeit und -granularität erlauben es heute, Faktorstrategien regelbasiert, transparent und kostengünstig in einem liquiden Produkt wie einem ETF abzubilden. Faktoren können langfristige Überrenditen im Vergleich zu marktkapitalisierungsgewichteten Standardbenchmarks erwirtschaften. Allerdings sorgt nicht jeder Faktor in jeder Konjunkturphase gleichermaßen für überdurchschnittliche Erträge. Zwei grundsätzliche Optionen Investoren, die das Risiko einer kurz- oder gar mittelfristigen Underperformance durch die Zyklizität von Einzelfaktorstrategien vermeiden wollen, haben zwei grundsätzliche Optionen. Sie können versuchen, genau diese Zyklizität für sich zu nutzen und durch Kapitalmarktsignale das Faktorprofil ihres Portfolios zu steuern. Die andere Möglichkeit ist eine Strategie, die zu jeder Zeit ein breites Portfolio zu mehreren Faktoren bietet – eine sogenannte Multifaktors - trategie. Im Rahmen einer Faktor- Timing-Strategie nutzen Investoren makroökomische, fundamentale und technische Indikatoren, um das positive Abschneiden eines Einzelfaktors zu antizipieren und ihr Portfolio taktisch zu positionieren. Das Timing ist jedoch schwer, da Faktorstrategien nicht auf kurzfristige, sondern auf langfristige Renditetreiber abzielen. Zusätzlich kann eine offensive Rotation mit ständigen Wechseln hohe Transaktionskosten verursachen. Eine alternative Vorgehensweise besteht darin, eine taktische Allokation zu Sektoren in Portfolios aufzubauen und diese auf die unterschied - lichen Marktzyklen abzustimmen. Dazu werden nicht nur Faktoren-, sondern auch Sektorenrotationsmodelle verwendet. So ließ sich in den letzten zwei Jahren auch im UCITS-ETF-Markt ein verstärkter Einsatz von Sektoren-ETFs beobachten. Die Abbildung von Aktienmärkten wird somit immer granularer. Besondere Herausforderung Allerdings stellt Timing für viele strategische langfristige Anleger eine besondere Herausforderung dar, da es eine sehr präzise Marktmeinung erfordert sowie die Möglichkeit, direkt agil zu agieren. Gerade für diese Investoren können Einzelfaktoren somit eine Möglichkeit bieten, eine gezielte, taktische Marktmeinung zu implementieren. Das granularere Angebot an Einzelfaktoren erlaubt es Investoren seit einigen Jahren, genau diese Faktor-Marktmeinungen in 66 April 2019

ihrem Portfolio umzusetzen. Große Bewegungen gab es beispielsweise nach der Trump-Wahl und dem anschließend einsetzenden Risk-on-Sentiment. Investoren ersetzten damals in großem Stil Minimum-Volatility- durch Momentum- und Value-Exposures. Einbindung in die Risikosteuerung Ein weiterer Trend besteht darin, dass Faktoren mehr und mehr in die Risiko - steuerung Eingang finden. Institutionelle Anleger analysieren ihre Portfolios, um zu erfahren, welche Risikotreiber sie bestimmen, und ein gezieltes Risikomanagement zu realisieren. Bei der Auswahl neuer Manager spielen beispielsweise ihr Investmentstil sowie die bereits im Portfolio vorhandenen Risikofaktoren eine Rolle, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Eine granularere Sichtweise aus Risiko - perspektive führt auch dazu, dass einige Anleger die Benchmarks ganz umstellen und von den nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes abweichen. Die strategischen Asset-Allokationen mancher Pensionseinrichtungen ändern sich, und sie gliedern ihr Aktienuniversum in unterschiedliche Risikofaktoren auf: Value, Growth, Small Caps, Minimum Volatility. Einige konservative langfristige Anleger, die in der Vergangenheit generell wenig Aktien-Exposure hatten, nutzen heute eine Minimum-Volatility-Aktienstrategie anstatt einer klassischen Benchmark. In dieser Situation steigt auch das Interesse an Multifaktoransätzen. Multifaktor – Der Alleskönner? Multifaktorstrategien versuchen nicht, aktiv nach der derzeitigen Attraktivität einzelner Faktoren zu allokieren. Sie zielen darauf ab, zu jeder Zeit im Marktzyklus in ein diversifiziertes Portfolio aus nachhaltigen Renditetreibern zu investieren. Das Multifaktorportfolio sucht nach kleinen Unternehmen (Size) mit positivem Sentiment (Momentum), die nach ihren Fundamentaldaten unterbewertet sind (Value) und starke Kennzahlen mit stabilen Gewinnen und wenig Verschuldung aufweisen (Qualität). Doch nicht jeder Multifaktoransatz ist gleich. Viele Anbieter bauen ihren Multifaktorindex aus kombinierten Einzelfaktorstrategien. Da Faktoren häufig negativ miteinander korrelieren, besteht die Gefahr, dass sich Faktoren gegenseitig aufheben oder sogar ein negatives Exposure haben. Der von iShares genutzte MSCI-Ansatz bezieht alle Aktien aus dem Ausgangsuniversum in Analysen ein und untersucht ihr Exposure auf die Zielfaktoren, welche dann zu einem Faktor- Gesamt-Score zusammengeführt werden, der auf Portfolioebene maximiert wird. Ein so zusammengesetztes Portfolio enthält Aktien, die hohe Faktor-Charakteristika in Bezug auf alle Faktoren besitzen und sich somit nicht gegenseitig aufheben. Outperformance zum Standardindex möglich Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes ist die Möglichkeit, das Risikoprofil der Strategie zu korrigieren. Risikofaktoren wie aktives Exposure von Sektoren-, Länder- oder Einzeltiteln werden relativ zum Ausgangsuniversum begrenzt. Das finale Portfolio erhält somit ein Risikoprofil, das eng am jeweiligen Standardindex liegt und zugleich durch das aktive Faktor- Exposure das Potenzial für eine Outperformance hat. Der MSCI World Diversified Multiple-Factor Index konnte seit Anfang 2000 bis Ende September 2018 den breiten MSCI World um 4,08% pro Jahr schlagen, bei einer Volatilität leicht unter dem Vergleichsindex. Schlag den Markt iShares ETFs, die diese Multifaktorstrategie nutzen, können eine echte Alternative zu Standardindizes und aktiven Fonds, welche die Benchmark langfristig nicht schlagen konnten, darstellen. Sie sind sogar in der Lage, einen effektiven Ersatz für aktive Strategien im Kern des Portfolios zu bieten. Seit 2013 die ersten Multifaktorstrategien im europäischen ETF- Markt lanciert wurden, hat das verwaltete Volumen laut der BlackRock Global Business Intelligence Database jährliche Wachstumsraten von 65% verzeichnet. Das zeigt, dass Kunden sie auch bereits weitreichend in ihre Portfolios integrieren. W Von Hamed Mustafa, Head of ETF & Index Investments Institutional Sales, und Victoria Arnold, ETF & Index Investments Institutional Sales, Corporates and Pension Funds, BlackRock Deutschland April 2019 67

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