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AssCompact 05/2019

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ALTERSVORSORGE Hängen

ALTERSVORSORGE Hängen (ge)lassen oder abheben? Die Deutschen machen sich Sorgen um ihre Rente und ihren Lebensstandard im Alter. Und trotzdem bekommt die private Altersvorsorge keinen neuen Schwung. Von Brigitte Horn, AssCompact Vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Produkteinführungen der Versicherer im Bereich der privaten Altersvorsorge aneinander gedrängt haben. Das heißt nicht, dass es sie nicht mehr gibt, aber sie haben Seltenheitswert oder sind dann doch eher Ergänzungen zu bestehenden Modellen. Nach der Platzierung der sogenannten Neuen Klassik scheint die Produktpalette zusammen mit den fondsgebundenen Rentenversicherungen und den Index - policen so weit vervollständigt zu sein, um den Niedrigzinsen etwas entgegenzusetzen. Laut GDV machten 2018 die neuen Garantiemodelle rund 58% des Neugeschäfts aus. Die klassischen Lebensversicherungen verlieren weiter an Bedeutung, während Fondspolicen nicht so richtig aus den Puschen kommen. Sicherheit bleibt den Deutschen eben weiter wichtiger als die Rendite. Ganz ohne Kritik bleiben aber auch die neuen Modelle nicht. Viele Versicherungsvermittler und Verbraucherschützer sehen darin weitere Intransparenzen, mangelnde Vergleichbarkeiten und eine Komplexität, die die Kundenberatung alles andere als vereinfacht. Insgesamt geht es also nicht so richtig voran. Weiter ist die intrinsische Motivation, privat vorzusorgen, bei den Deutschen unterrepräsentiert. Was die Lebensversicherung angeht, gibt es zwar die gute Botschaft, dass sie der Gesetzgeber trotz Verbraucherschutzkritik weiterhin als geeignetes Instrument der privaten Altersvorsorge ansieht. Im gleichen Atemzug jedoch wirft er bzw. zunächst das Bundesfinanzministerium in einem Gesetzentwurf einen Provi - sionsdeckel in den Ring. Dann macht’s doch selber „Dann schaut doch, wie ihr selbst zurechtkommt“, schallt es wiederum aus dem Vermittlermarkt zurück. Denn wie soll das funktionieren: private Altersvorsorge fördern, private Altersvorsorgeberatung aber bremsen wollen? 40 Mai 2019

Mittlerweile wird sich immer mehr auf die Kostenfrage versteift. Aber, ob nun Provisisionsdeckel oder nicht: Die Kosten werden weiter gesenkt werden müssen. @ Ljupco Smokovski – stock.adobe.com im vergangenen Jahr zumindest die Debatte um die private Altersvorsorge beflügelt. Ob dies allerdings die Risikofreude der Deutschen erhöht hätte, bleibt der Fantasie überlassen. Realität dagegen ist erst einmal das Rentenpaket der Regierung, das ebenfalls im vergangenen Jahr beschlossen wurde und mit Experimenten solcher Art nichts am Hut hat. Dennoch gibt es ja auch heute schon eine ganze Vielfalt an Altersvorsorgemöglichkeiten. Und Dynamik scheint jetzt in ein anderes Thema zu kommen. Das Bundesarbeits- und das Bundes - finanzministerium will die Einführung einer säulenübergreifenden Altersvorsorgeinformation vorantreiben. Auf einer Online-Plattform sollen Bürger trotz unterschiedlicher Träger ihre Ansprüche aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge einsehen und auch mithilfe einer Modellrechnung die erreichbaren Altersvorsorgeleistungen ausrechnen können. Diese Daten könnten dann auch Basis für eine weitergehende individuelle Beratung sein, um so mögliche finanzielle Lücken im Alter zu schließen. Im Herbst 2019 sollen die erforderlichen Rahmenbedingungen gesetzt sein – mit der Umsetzung wird es deutlich länger dauern. Täglich in der Pflicht Zum BMF-Referentenentwurf „Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung wird die private Altersvorsorge in Zukunft ein zentraler Bestandteil der Vorsorge für das Alter sein. Daher motivieren wir seit Jahren die Bürgerinnen und Bürger, sich neben der gesetzlichen Altersvorsorge auch privat abzusichern. Ein sehr beliebtes Instrument ist dabei die private Lebensversicherung. Es ist eine besondere Herausforderung, dieses Produkt auch in einer Niedrigzinsphase attraktiv zu halten. Wir haben im Rahmen des LVRG bereits eine Reihe erfolgreicher Maßnahmen auf den Weg gebracht, um das System Lebensversicherung langfristig auf eine solide Grundlage zu stellen. [...] Der wesentliche Teil des Gesetzes zur Regulierung der Provisionshöhe von Lebensversicherungsverträgen schafft hingegen keinen substan - tiellen finanziellen oder wirtschaft - lichen Mehrwert. [...] Der Entwurf belastet in der gegenwärtigen Ausgestaltung vielmehr die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie die Industrie mit unnötigen direkten und indirekten Bürokratiekosten und schwächt die Altersvorsorge.“ Antje Tillmann, CDU/CSU-Bundestagsfraktion Das führt dann gleich weiter zur Riester-Rente, die von der Kostendebatte insbesondere betroffen ist. Die Kritik reißt nicht ab, eine Reform steht aber weiter aus. Ob sich da dann auch der Wunsch der Versicherer erfüllen wird, dass weitere Gruppen riesterförderfähig werden, wird sich erst noch zeigen müssen. Aber vielleicht können zumindest Erfolge erzielt werden hinsichtlich des steuerlich förderfähigen Höchstbetrags und dem Abbau bürokratischer Hürden beim Zulageverfahren. Mehr Vielfalt, mehr Überblick Private Altersvorsorge ist mehr als Lebensversicherung. Darauf will auch der Sonderthema-Interviewgast Johannes Vogel von der FDP hinaus. Er fordert deutlich mehr Vielfalt und kann auch der Idee von Friedrich Merz, Aktien in der Altersvorsorge förderfähig zu machen, etwas abgewinnen. Der Vorschlag hatte Auf die Politik zu warten, so viel Zeit haben insbesondere unabhängige Vermittler nicht. Sie stehen ihren Kunden gegenüber täglich in der Pflicht. Und da stellt sich die Situation eben so dar, wie sie nun mal ist – inklusive Niedrigzinsen und Reformstau. Für die tägliche Praxis dienen da schon eher die Artikel und Interviews in diesem Sonderthema. W Sonderthema im Überblick Altersvorsorge in Zahlen Eine Rendite erzielen, die weit über der Verzinsung von Bundesanleihen liegt? Die Frau, das unbekannte Wesen (in der Altersvorsorge) „Wir wollen die private Vorsorge stärken und wünschen uns Mut zur Vielfalt“ Sieben Gründe, warum ETFs Bestandteil jeder Altersvorsorge sein sollten Das Thema Tod beflügelt Altersvorsorge Mai 2019 41

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