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AssCompact 05/2020

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RECHTSFRAGEN IM VERMITTLERBÜRO © koalaphotography - stock.adobe.com Elektrofahrzeuge als Dienstwagen: Neue Regelungen Die EU-Kommission hat am 11.02.2020 ihre Zustimmung zu einer stärkeren Förderung von Elektrofahrzeugen in Deutschland erteilt. Seit dem Jahressteuergesetz 2019 wird Elektromobilität steuerlich stärker gefördert. Dadurch ergeben sich Chancen für Unternehmer bei Kauf oder Leasing von Dienstwagen. Seit dem Dieselskandal sucht der Staat nach Möglichkeiten, die Elektromobilität anzukurbeln und somit dem Klimawandel entgegenzuwirken. Mit dem Jahressteuergesetz 2019 wurden die steuerlichen Förderungen der Elektromobilität deutlich verbessert. Einst war die Begünstigung bei der Berechnung der Privatnutzung von Elektro- Dienstwagen abhängig von der Batteriekapazität und dem Jahr der Anschaffung. Ab dem 01.01.2019 hat der Gesetzgeber stattdessen eine Halbierung des Brutto - listenpreises bei der 1%-Regelung bzw. eine Halbierung der Anschaffungskosten oder der Leasingrate bei der Fahrtenbuchmethode für die Ermittlung der Privatnutzung eingeführt. Begünstigt sind Elektro-Dienstwagen, deren Antrieb ausschließlich durch Elektromotoren erfolgt, sowie Plug-in-Hybridfahrzeuge mit einer Kohlendioxidemission von höchstens 50 g/km oder einer elektrischen Reichweite von mindestens 40 km. Die Mindestreichweite wird in zwei Stufen auf 60 km (ab 2022) bzw. 80 km (ab 2025) gesetzlich angehoben. Wichtig ist es also, sich neben dem Bruttolistenpreis auch die Art des Fahrzeugs, die Kohlendioxidemission sowie die Reichweite der elektrischen Antriebsmaschine vom Hersteller bestätigen zu lassen. Die neue 25%-Regel Nach dem Autogipfel im November 2019 wurden die Vorschläge aus dem Klimaschutzprogramm 2030 umgesetzt und eine zusätzliche Förderung für reine Elektroautos, deren Bruttolistenpreis 40.000 Euro nicht übersteigt, gesetzlich verankert. Für solche Elektro-Dienstwagen wird bei der Berechnung der Privatnutzung der Bruttolistenpreis lediglich mit 25% berücksichtigt. Wird die Fahrtenbuchmethode angewendet, sind bei der Ermittlung der Gesamtaufwendungen für die Berechnung der Privatnutzung die Anschaffungskosten oder die Leasingrate ebenfalls nur mit 25% zu berücksichtigen. Die neue 25%-Regel gilt seit dem 01.01.2020, aber auch für entsprechende Kraftfahrzeuge, die bereits ab dem 01.01.2019 angeschafft worden sind. So wirken sich die neuen Regeln steuerlich aus Ein Unternehmer investiert im Jahr 2020 in ein betriebliches Plug-in-Hybridfahrzeug mit einem Bruttolistenpreis bis 40.000 Euro, einer Kohlendioxidemission von 40 g/km und einer Reichweite von 50 km. Der angeschaffte Dienstwagen wird ebenfalls für private Fahrten und Fahrten zwischen seiner Wohnung und seinem Betrieb (40 km, monatlich 10 Tage) genutzt. Der Unternehmer hat die folgende ertragsteuerliche Entnahme zu versteuern: Bruttolistenpreis 50% des Bruttolistenpreises = Bemessungsgrundlage 1% des Bruttolistenpreises für private Nutzung = 1% aus 19.000 Euro Nicht abziehbare Betriebsausgaben für Fahrten zum Betrieb: 0,03% aus 19.000 Euro x 40 km abzüglich 10 Tage x 0,30 Euro/km x 40 km Gesamtbetrag der monatlichen Privatnutzung Im Vergleich dazu hätte ein ähnlicher Dienstwagen ohne Kohlendioxidemission einen Gesamtbetrag der monatlichen Privatnutzung von 89 Euro, ein ähnlicher konventioneller Dienstwagen dagegen von 716 Euro. Fahrtenbuch oder 1%-Regelung? Auch beim Elektro-Dienstwagen ist die Ermittlung der Privatnutzung grundsätzlich mittels ordnungsgemäßem Fahrtenbuch möglich. Da die laufenden Betriebskosten der Elektro-Dienstwagen 38.000 Euro 19.000 Euro 190 Euro 108 Euro 298 Euro 118 Mai 2020

in der Regel geringer ausfallen, sollte geprüft werden, ob es sich lohnt, künftig ein Fahrtenbuch zu führen. Bei der Ermittlung der Betriebskosten sind auch die Stromkosten einzubeziehen. Ist keine Ladestation mit einem entsprechenden Zähler vorhanden, muss der Stromverbrauch sachgerecht geschätzt werden. Bei vor dem 01.01.2019 angeschafften Elektro-Dienstwagen sind die Kosten für die Batterie nicht einzubeziehen. Wird der Strom aus einer eigenen PV- Anlage bezogen, sind bei der Berechnung der Stromkosten die auf die kWh umgerechneten Anschaffungskosten (Abschreibung) und laufenden Kosten der Anlage einzubeziehen. Auch wenn ein Fahrtenbuch geführt wurde, ist es möglich, sich bis zur Abgabe der Steuererklärung für die Pauschalversteuerung zu entscheiden. Das macht immer dann Sinn, wenn mit dem Elektro-Dienstwagen mehr privat als betrieblich gefahren wurde und die 50%- bzw. 25%-Regel deshalb günstiger ist. Private Nutzung durch den Arbeitnehmer Auch die Überlassung des betrieblichen Elektro-Dienstwagens an Arbeitnehmer unterliegt der begünstigten Regelung. Die Bewertung des geldwerten Vorteils aus der Überlassung eines Elektro-Dienstwagens an einen Arbeitnehmer zur privaten Nutzung erfolgen entsprechend den Ausführungen zur 50%- bzw. 25%-Regel und zur Fahrtenbuchmethode beim Unternehmer. Lädt der Arbeitnehmer den betrieblichen Elektro-Dienstwagen zu Hause auf, können die Arbeitgeber folgende Pauschalen steuerfrei erstatten: Sparen bei der Kfz-Steuer Die Kfz-Steuer wird bei neuen Elektro-Dienstwagen bei Anschaffungen vor dem 31.12.2020 für zehn Jahre erlassen. Beim gebrauchten Elektro-Dienstwagen wird lediglich der Restzeitraum mit übernommen. Nach Ablauf der zehn Jahre wird die Kfz-Steuer dauerhaft um 50% reduziert. Erhöhter Umweltbonus Die EU-Kommission hat am 11.02.2020 ihre Zustimmung zu einer stärkeren Förderung von Elektrofahrzeugen (nur Neufahrzeuge) in Deutschland erteilt. Die Elektro-Dienstwagen ohne Kohlen dioxidemission mit einem Listenpreis unter 40.000 Euro werden mit 6.000 Euro gefördert. Für Elektro- Dienstwagen ohne Kohlendioxidemission mit einem Listenpreis über 40.000 Euro beträgt der Umweltbonus künftig 5.000 Euro. Die Plug-in-Hybridfahrzeuge mit einem Listenpreis unter 40.000 Euro werden mit 4.500 Euro und die mit einem Listenpreis über 40.000 Euro werden mit 3.750 Euro gefördert. Bei der ertragsteuerlichen Behandlung des Umweltbonusses haben die Unternehmen folgendes Wahlrecht: Die Unternehmen können den Umweltbonus als Betriebseinnahme versteuern. In diesem Fall ändert sich die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung nicht. Alternativ dürfen die Unternehmen die Anschaffungskosten für den Elektro-Dienstwagen um den Umweltbonus mindern. Die Pkw-Abschreibungsbeträge fallen dadurch niedriger aus. Ausblick Die neuen Maßnahmen scheinen zu greifen. Immer mehr Autohersteller kündigen neue Fahrzeuge mit einem Brutto - listenpreis unter 40.000 Euro an. Mit der Weiterentwicklung der Batteriesysteme werden die Reichweiten und die Ladegeschwindigkeiten der Fahrzeuge kontinuierlich erhöht. Bereits heute können ca. 90% aller Fahrten mit einem Elektro-Dienstwagen abgedeckt werden. Lediglich für den Außendienst bereitet die Infrastruktur noch Probleme. Der Gesetzgeber wird mit Sicherheit auch hier weitere steuerliche Maßnahmen einführen. Es bleibt spannend. W W ohne Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 50 Euro für Elektro- und 25 Euro für Plug-in-Hybridfahrzeuge, W mit zusätzlicher Lademöglichkeit beim Arbeitgeber: 20 Euro für Elektro- und 10 Euro für Plug-in- Hybridfahrzeuge. Nutzt der Arbeitnehmer seinen eigenen Elektrowagen, sind das Aufladen des Elektrowagens beim Arbeitgeber und die zur Nutzung überlassene betriebliche Ladevorrichtung lohnsteuerfrei. Von Andreas Mehl, ECOVIS Hannover Steuerberater Mai 2020 119

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