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AssCompact 05/2020

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CYBERVERSICHERUNG ©

CYBERVERSICHERUNG © alphaspirit - stock.adobe.com Wie laut wird „Silent Cyber“? Außerhalb der Cyberpolicen steckt häufig auch in anderen Versicherungsverträgen Deckungsschutz für Cyberrisiken. Viele Versicherer sind erst noch dabei, hier eine entsprechende Bestandsanalyse zu erstellen, und für Versicherungsmakler gilt sowieso immer ine mehrdimensionale Betrachtung in der Beratung. In der aktuellen Marktsituation rückt das Thema „Silent Cyber“ mehr denn je in das Blickfeld der Versicherungswirtschaft. Grund hierfür sind insbesondere die massive Zunahme von Hackerangriffen und andere Formen von Cybervorfällen in der jüngsten Zeit. Die aktuelle Corona-Krise und die dadurch noch einmal deutlich gestiegenen Anforderungen der Unternehmen an „remote“ zu erbringenden Tätigkeiten haben diesen Trend weiter verschärft. Sowohl die versicherungsnehmende Wirtschaft als auch die Versicherer haben daher Fragen im Hinblick auf den bestehenden Versicherungsschutz für derartige Risiken. Darüber hinaus gewinnt das Thema aber auch aus regulatorischer Perspektive zunehmend an Bedeutung. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, welche Versicherungsverträge außerhalb der Cyberversicherung möglicherweise stillschweigend und unbewusst Deckungsschutz für Cyberrisiken umfassen. Was ist Silent Cyber? Das „Silent-Cyber-Risiko“ – teilweise auch als „non-affirmative Cyberrisiko“ bezeichnet – umschreibt Versicherungsfälle in traditionellen Versicherungssparten, die aus einem Cybervorfall entstehen und dort stillschweigend mitversichert sein könnten. Demnach werden versicherte Risiken in diesen Verträgen, in denen eine Deckung von Cyberrisiken nicht explizit ein- oder ausgeschlossen wird, als „non-affirmative Cyberrisiken“ bezeichnet. Silent Cyber ist also grundsätzlich kein Thema der Cyberversicherung, sondern betrifft vielmehr andere Versicherungssparten. Welche Sparten sind betroffen? Die Versicherbarkeit von Cyberrisiken beschäftigt die Versicherungswirtschaft in nahezu allen Sparten. In der Personenversicherung ist beispielsweise an die Lebens-, Unfall-, Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherung zu denken. In der Industrieversicherung hingegen liegt der Fokus insbesondere auf den Sach- (inklusive Betriebsunterbrechung), Haftpflicht-, Transport- und den technischen Versicherungen. Allgefahrenkonzepte ohne ausdrückliche Ausschlüsse für Cyberrisiken können davon betroffen sein. Doch auch bei Deckungen auf Basis von „benannten Gefahren“ besteht unter Umständen Versicherungsschutz für etwaige Folgeschäden, sofern sich die versicherte Gefahr aufgrund eines Cyberrisikos realisiert. Bei einer Cyberversicherung handelt es sich um ein kombiniertes Produkt, welches etwa Elemente der Haftpflicht- und der Betriebsunterbrechungsversicherung beinhaltet. Ferner werden im Schadenfall Krisendienst- bzw. Assistance-Leistungen zur Verfügung gestellt. In der derzeitigen Ausgestaltung deckt die Cyberversicherung in der Regel die auf Unternehmensseite erlittenen Vermögensschäden. Abweichend davon erstrecken nur einzelne Versicherer zum Beispiel den Versicherungsschutz in der Haftpflichtkomponente auch auf Personen- und Sachschäden oder bieten im Rahmen der Eigenschadendeckung Versicherungsschutz für Sachschäden. Derartiger Versicherungsschutz ist dann aber üblicherweise auf Schäden am Computersystem des betroffenen Unternehmens oder an etwaigen Produktionserzeugnissen beschränkt. Eine umfassende Versicherung von Personen- und Sachschäden sieht der derzeitige Markt für Cyberversicherungen in aller Regel nicht vor. Was erwarten die Kunden? Für die versicherungsnehmende Wirtschaft steht die umfassende Absicherung 52 Mai 2020

von Cyberrisiken, die sich in Vermögens-, Personen- als auch Sachschäden widerspiegeln können, im Vordergrund. So stellte auch der GVNW (Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft) in seiner Stellungnahme vom 13.06.2019 fest, dass die angebotenen eigenständigen Cyberversicherungen in den meisten Fällen derzeit keinen adäquaten Ersatz für die in den vielen traditionellen Industrieversicherungspolicen bereits enthaltenen Deckungen von Cyberrisiken bieten. Haltung der Versicherer Im Umgang mit Silent-Cyber-Risiken auf Seiten der Versicherer ist ein differenziertes Bild zu verzeichnen: Einige Versicherer haben früh eine Bestandsanalyse betrieben und sind im Rahmen ihrer Versicherungsverträge zu einer ausdrücklichen Benennung von Versicherungsschutz für Cyberrisiken übergegangen. Diese Versicherer benennen in den jeweiligen Sparten ausdrücklich die Cyberrisiken, die versichert sein sollen, andere werden hingegen teilweise ausgeschlossen. Andere Versicherer befinden sich wiederum noch in der Prüfung ihrer Vertragsbestände. Auch aufseiten der Versicherungsaufsicht wird dem Thema zunehmend mehr Bedeutung beigemessen. Die Versicherer sind angehalten, etwaige Kumulrisiken in den eigenen Beständen zu ermitteln und bei Bedarf Anpassungen vorzunehmen. Noch hält sich die Anpassungsquote in den Vertragsbeständen allerdings in Grenzen. Nach Auskunft der BaFin seien umfangreichere Vertragsänderungen im Bestand von den Versicherern bislang nicht beabsichtigt gewesen (vgl. BaFin Journal März 2020, S. 30). Hier müssen die Entwicklungen aufseiten der Versicherer und die entsprechenden regulatorischen Vorgaben weiter aufmerksam beobachtet werden. Die Rolle des Versicherungsmaklers Auch bei der Absicherung von Cyberrisiken steht für Versicherungsmakler eine möglichst umfassende und nachhaltige Absicherung auf Kundenseite im Vordergrund. Cyberrisiken entwickeln sich sowohl qualitativ als auch quantitativ rasant, die daraus resultierenden wirtschaftlichen Implikationen für Unternehmen werden immer drastischer und vielschichtiger. In Bezug auf die Beratung zu passendem Versicherungsschutz bedeutet dies, dass hier eine mehrdimensionale Betrachtung notwendig ist. Schon heute ist insofern ein regelmäßiger Austausch und die Abstimmung zwischen den verschiedenen Risiko- und Spartenexperten unabdingbar, um die entsprechenden Marktentwicklungen wahrzunehmen und bestmögliche Lösungen im Sinne eines ganzheitlichen Risikomanagements zu entwickeln. Ausblick und Bedeutung Die Versicherungsbranche hat es geschafft, für Cyberrisiken in kurzer Zeit attraktive Risikotransferlösungen anzubieten. Nun heißt es dranzubleiben, Risiken richtig einzuschätzen und die Deckungskonzepte so weiterzuentwickeln, dass sie auf Dauer tragfähig sind. Im Interesse der versicherungsnehmenden Wirtschaft sollte daher zielstrebig an marktgerechten und finanzierbaren Lösungen gearbeitet werden. Diese müssen selbstverständlich auch den regulatorischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Versicherer entsprechen. Reflexartige Ausschlüsse und Deckungseinschränkungen, wie teilweise in den klassischen Versicherungssparten vorgenommen, können hier keine nachhaltige Lösung sein, solange es keinen vergleichbaren Versicherungsschutz im Rahmen von eigenständigen Cyberversicherungen für derartige Deckungselemente mit entsprechenden Versicherungssummen gibt. Gleichwohl wird zukünftig bei Unternehmen ein noch höherer Fokus auf der Cyberversicherung liegen. Die Prognose, dass in Deutschland die Marktdurchdringung von Cyberversicherungen in wenigen Jahren dem von D&O-Versicherungen entsprechen wird, erscheint daher wenig gewagt. Flankiert werden muss diese Entwicklung von einer genauen Beobachtung und Anpassung des Marktes für die klassischen Versicherungssparten. Nur wenn es gelingt, Cyberrisiken ganzheitlich zu verstehen – aber auch zu versichern –, wird die Versicherungswirtschaft auch hierbei einen langfristigen Beitrag zum Risikomanagement leisten können. W Von Lukas Nazaruk (l.), Leiter Geschäftsbereich FINPRO*, und Tobias Liedtke (r.), Leiter Produktentwicklung FINPRO beim Versicherungsmakler Marsh *Financial & Professional Services Mai 2020 53

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