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AssCompact 05/2020

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INVESTMENT „An Grundsätzen des Vermögensaufbaus hat die Corona-Krise nichts geändert“ Interview mit Marcus Stahlhacke, Head of Retail Active Allocation – Multi Asset Europe von Allianz Global Investors Der Corona-Crash hat Fondsmanager vor eine Bewährungsprobe gestellt, vor allem die Manager von Multi-Asset-Fonds oder vermögensverwaltenden Lösungen. Marcus Stahlhacke verantwortet bei Allianz Global Investors zwei solcher Produktfamilien. Kurzfristig rechnet er zwar weiterhin mit Turbulenzen, auf lange Sicht bleibt er aber zuversichtlich. Herr Stahlhacke, mit den Allianz AktivDepots und Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI sind Sie für zwei Produktfamilien verantwortlich, die in verschiedene Anlageklassen anlegen können. Solche Multi-Asset-Lösungen sollen sich gerade in Krisenzeiten bewähren. Wie haben Sie diese durch den Corona-Crash manövriert? Die AktivDepots sind Managed-Account-Lösungen. Das bedeutet, es wird für Endkunden auf Zielfondsbasis ein Depot zusammengestellt. Die Zusammenstellung wird typischerweise nur einmal im Quartal angepasst. Innerhalb der Zielfonds sieht das anders aus. Dazu zählt unter anderem einer der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI Fonds, kurz DMAS-SRI-Fonds. Auf dieser Ebene kann täglich gehandelt werden. Bei den AktivDepots haben wir schon im Februar eine Sonderumschichtung mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus vorgenommen. Wir waren relativ offensiv in das Jahr 2020 eingestiegen, haben die Aktienquote dann aber schon in etwa auf neutral zurückgefahren. In den DMAS-SRI- Fonds haben wir auch Mitte Februar die ersten Aktienverkäufe vorgenommen. Hintergrund waren zwei Aspekte: die technischen Signale und das Coronavirus. Die Märkte waren einerseits überkauft und andererseits zeichneten sich mögliche negative Folgen des Coronavirus ab. „Wir sind insgesamt weiter sehr defensiv aufgestellt, wobei wir als Multi-Asset-Manager auch versuchen, unmittelbare taktische Chancen zu nutzen.“ Und während der Corona-Krise? Innerhalb der Krise haben wir die Aktienquoten sukzessive weiter reduziert. Bei den AktivDepots haben wir die Aktienquote von der Spitze in etwa halbiert. Bei dem DMAS-SRI- Fonds 50 ging es in mehreren Schritten von um die 75% sogar runter auf um die 25%. Haben Sie in der Zwischenzeit die Aktienquote der Fonds bereits wieder hochgefahren? Wir sind insgesamt weiter sehr defensiv aufgestellt, wobei wir als Multi-Asset-Manager auch versuchen, unmittelbare taktische Chancen zu nutzen. Damit handeln wir in den DMAS-SRI-Fonds auch gezielt kleinere kurzfristige Positionen. Insgesamt liegen die Aktienquoten aber eher in den unteren Bandbreiten der jeweiligen Grenzen. War die Corona-Krise der Härtetest für Multi-Asset-Fonds und vermögensverwaltende Lösungen? Grundsätzlich ist es in solchen Zeiten gut, wenn man in einem Mischfonds investiert ist. Dadurch hat man einerseits eine breite Streuung und es finden sich in den Portfolios auch Vermögensklassen, die in Krisen steigen, wie zum Beispiel einige Staatsanleihen. In der Spitze der Marktkorrekturen wurden zwar auch diese abgestraft, mittlerweile kommen wir aber wieder zur alten Korrelation zurück, sodass schwache Aktientage typischerweise gute Tage für solide Staatsanleihen sind. Die Streuung ist somit ein Vorteil von Multi-Asset-Fonds. Der zweite wichtige Punkt ist das aktive Management. Das hat bei uns ganz gut funktioniert, weil wir in den letzten Jahren von eher hohen Aktienquoten profitiert haben, diese aber auch schon vor der Krise reduziert haben. Natürlich können wir uns nicht der Entwicklung der Märkte entziehen. Dennoch ist der Wertverlust der Kunden deutlich kleiner als beispielsweise bei reinen Aktienfonds. Braucht es langfristig trotzdem weiter Aktien oder hat sich das durch die Folgen der Corona-Krise geändert? Wenn Sie als Anleger Rendite suchen, hat sich daran nichts geändert, zumal auch die Anleiheseite kurzfristig unter Druck geraten kann. Wir haben einen teilweise starken Ausverkauf beispielsweise bei italienischen Staatsanleihen gesehen. Allerdings hat die EZB mit unkonventionellen Maßnahmen die Märk- 64 Mai 2020

te schnell wieder beruhigen können. Längerfristig kann steigende Inflation ein Problem für Anleihen, aber auch viele andere Vermögensklassen sein. Aktien sind davon meist eher weniger betroffen. In den offensiveren Pro - dukten kann die Aktienseite zeitweise starken Schwankungen ausgesetzt sein, die sich auf die langfristige Perspektive jedoch relativieren. Bei den DMAS-SRI-Fonds haben wir eine sehr dynamische Allokation. Wir übernehmen für den Kunden die Reduktion des Risikos in schwierigen Marktphasen und er vermeidet damit einen oft beobachteten Fehler: auf dem Tiefpunkt aussteigen und dann den Wiedereinstieg verpassen. Das richtige „Timing“ gelingt gerade in solchen extremen Marktphasen selten. Mit dem Vertrauen in das ruhige professionelle Handeln eines erfahrenen Fondsmanagers in solchen aktiv gemanagten Depots kann das vermieden werden. War es für Sie die bisher schwerste Phase als Fondsmanager? Verglichen mit der Finanzkrise der Jahre 2008/2009 war die Situation ähnlich, auch wenn die Ursache eine andere war. Der Rückgang damals war, zumindest beim MSCI World, deutlich massiver als diesmal. Damals gab der Weltaktienindex über 50% nach, in der Corona-Krise haben wir aktuell etwas mehr als 30% gesehen. Das zeigt aber, wo es auch noch hingehen könnte. Die Ausbreitung des Coronavirus hat gleichzeitig einen Angebots- wie auch einen Nachfrageschock mit entsprechenden realwirtschaftlichen Folgen verursacht. Die massiven geldpolitischen Maßnahmen können die Auswirkungen nur abfedern, aber nicht beheben. Das wird erst eine medizinische Lösung können. Eine finale Lösung wäre sicherlich ein Impfstoff. Bis dahin kann aber zum Beispiel auch ein Medikament, das den Krankheitsverlauf mildert sowie die Sterbewahrscheinlichkeit reduziert, zur deutlichen Entspannung der globalen Konjunktur führen. Welche Rolle spielt dabei, dass es kein lokales Problem ist, sondern mittlerweile im Grunde die ganze Welt davon betroffen ist? Mit Blick auf die erhoffte medizinische Lösung ist es ein Vorteil, dass alle Nationen betroffen sind und zusammenarbeiten. Je schneller eine medizinische Lösung gefunden wird, umso schneller kann die Krise überwunden werden. Auf einer Zeitschiene von ein bis zwei Jahren könnte es eine gute Gelegenheit sein, schrittweise über einen Sparplan in die Märkte einzusteigen. Und auf kurze Sicht? Kurzfristig bleibt die Unsicherheit. An den Grundsätzen des Vermögensaufbaus Marcus Stahlhacke hat sich aber auch durch die Corona- Krise nichts geändert. Es wird immer Anleger geben, die aus Liquiditätsgründen Teile ihrer Investments verkaufen müssen. Anleger der DMAS-SRI-Fonds oder der AktivDepots haben aber normalerweise einen Anlagehorizont von mehreren Jahren oder Jahrzehnten. Über solche Zeiträume relativieren sich temporäre schwierige Marktphasen wie jetzt durch Corona und es ändert nichts an der grundsätzlichen Ausrichtung. Genauso schnell, wie es nach unten ging, kann es auch wieder nach oben gehen. Deswegen sollte man das langfristige Ziel im Auge behalten und in solchen Phasen Ruhe bewahren und irgendwann sogar nutzen, um Positionen aufzubauen. Inwieweit verändert die Krise aber auch grundsätzlich die Situation auf den Anleihemärkten? Viele Staaten weiten ihre Schulden ja massiv aus, um die Folgen der Pandemie zu bekämpfen … Das ist natürlich ein Thema, das wir intensiv beobachten. Am Ende des Tages werden die Staatsverschuldungen weiter steigen. Auf der anderen Seite absorbieren die Zentralbanken große Teile der Staatsverschuldung. Dadurch schulden die Staaten sich das Geld wiederum selbst. Das ist keine einfache Situation, bietet aber auch Chancen, wenn man die Situation genau beobachtet und richtig darauf reagiert. Die DMAS-SRI-Fonds wurden zuletzt auf einen nachhaltigen Ansatz umgestellt. Hat sich daran mit Corona etwas geändert? Nein, die Umstellung auf SRI ist ein ganz wichtiges Thema. Daran hat sich nichts geändert. Nachhaltigkeit wird nicht zuletzt im Beratungsprozess eine immer wichtigere Rolle spielen – zum einen aufgrund gesetzlicher Initiativen, zum anderen aufgrund der zunehmenden gesellschaftlichen Relevanz. Das führt zu einer stark steigenden Nachfrage. Darüber hinaus zeigten Unternehmen, die SRI-Kriterien erfüllen, in der Mischung ein attraktives Rendite-Risiko-Verhältnis, und das dürfte wohl „Man sollte das langfristige Ziel im Auge behalten und in solchen Phasen Ruhe bewahren und irgendwann sogar nutzen, um Positionen aufzubauen.“ auch in Zukunft so bleiben. Somit gibt es nach wie vor mehrere gute Gründe, auf ein SRI-Produkt zu setzen. W Mai 2020 65

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