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AssCompact 05/2021

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ALTERSVORSORGE „Die

ALTERSVORSORGE „Die Menschen müssen sich ein Stück weit von ihrer Garantiefixierung lösen“ INTERVIEW MIT DR. HERBERT SCHNEIDEMANN, VORSTANDSVORSITZENDER DER DEUTSCHEN AKTUARVEREINIGUNG (DAV) E. V. Aktuare und Aktuarinnen treiben Innovationen in den Versicherungsgesell - schaften voran. Insofern ist ihr Einfluss auf die Angebote in der privaten Altersvorsorge groß. Ihre Empfehlungen haben in der Politik Gewicht. Beharrlich fordern sie etwa eine bAV- und Riester-Reform. Herr Dr. Schneidemann, die Aufgaben der Aktuare und Aktuarinnen entwickeln sich im Bereich der Altersvorsorge über die Mathematik hinaus. Mit welchen weiteren Fragestellungen müssen sie sich denn befassen? Altersvorsorge war schon immer mehr als reine Mathematik. Denn sie ist eines der zentralen Themen für unsere alternde Gesellschaft. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage, was es heißt, gut zu leben. Dazu zählt neben vielen anderen Fragen auch die persönliche Versorgungssituation im Alter. Das heißt konkret, dass unsere Produkte so konstruiert sein müssen, dass sie den Bedürfnissen der Deutschen entsprechen und ihrer jeweiligen Lebenssituation Rechnung tragen. Da sich die Rahmenbedingungen speziell für die gesetzliche Rente regelmäßig ändern, müssen innovative Konzepte der zweiten und dritten Säule die immer größer werdenden Löcher der ersten Säule stopfen. Wir sind zusätzlich also auch noch Zukunftsforscher und Architekten des Altersvorsorgehauses der Zukunft. Aber auch dafür ist die Mathematik ein sehr gutes Werkzeug. Ist Ihr Berufsstand der Treiber dafür, dass die 100%-ige Beitragsgarantie in privaten Rentenversicherungen gekippt wurde? Es wäre vermessen, nur uns hier in den Mittelpunkt zu stellen. Produktentwicklung ist immer eine Teamleistung. Aber es ist vollkommen richtig, dass die Aktuare und Aktuarinnen in den Versicherungen seit jeher die Produktschmiede und Innovationstreibenden sind – und nicht wie vielfach vermutet nur die Rechenknechte im Keller. Auch wenn niemand absehen konnte, dass wir in eine derart drastische Tiefzinssituation laufen, waren die Umbrüche an den Kapitalmärkten bereits vor Jahren sichtbar. Und ja, diese Veränderungen haben viele Aktuariate auch als Chance gesehen, moderne Produktgenerationen mit neuen Garantiekonzepten zu entwickeln. Diese neuen Garantiekonzepte bieten in der Regel eine höhere Sicherheit, was auf den ersten Blick überraschen kann. Allerdings überrascht es nur, wenn man Garantie mit Sicherheit verwechselt – was leider allzu oft der Fall ist. Aufgrund der Niedrigzinsen gibt es also für die Lebensversicherer keinen anderen Weg? Lebensversicherungen sind keine kurzfristigen Geldanlageprodukte. Vielmehr ist es ihre Aufgabe, eine verlässliche, renditestarke und lebens - lange Rentenzahlung sicherzustellen. Dieser Dreiklang war noch nie trivial und wird in diesen Kapitalmarktzeiten immer herausfordernder. Daher ist es richtig: Die Menschen müssen sich ein Stück weit von ihrer Garantiefixierung lösen, damit die Lebensversicherung im Alter tatsächlich einen entscheidenden Beitrag dazu leisten kann, die immer größer werdenden Lücken in der gesetzlichen Rente zu schließen. Ohne diesen Paradigmen - wandel und die damit verbundenen Senkungen des Garantie niveaus wür - den die Lebensversicherungen zu einem teuren Festgeldsparen werden. Das ist ganz sicher auch nicht im Interesse der Deutschen. Was ist mit der Kostenstruktur der Versicherer? Hätte man nicht auch daran drehen können? Vermittlerverbände wie der BVK haben da in den vergangenen Jahren noch Potenzial ausgemacht. Normalerweise wird ja der Vertrieb aufgrund der Provisionen für die hohen Kosten verantwortlich gemacht. Es ist nicht an mir und der DAV, die Kostenstrukturen in den Unternehmen und im Vertrieb zu bewerten. Es ist aber unsere Aufgabe, auf Wechselwirkungen hinzuweisen und klar zu sagen, dass bestimmte Produkte bei negativen Kapitalmarktzinsen, den strengen regulatorischen Vorgaben und den bestehenden Kostensätzen schlichtweg nicht mehr darstellbar sind. So ist es beispielsweise auch bei der Riester-Rente mit ihrer bisherigen 100%-igen Beitragsgarantie. Das ist ein hochkomplexes Produkt, bei dem es häufig zu Vertragsanpassungen und zur Rückforderung von Zulagen kommt. 40 AssCompact | Mai 2021

ALTERSVORSORGE Unsere Simulationsrechnungen zeigen, dass die Verwaltungs- und Abschlusskosten bei einem Höchstrechnungszins von 0,25% und einem marktdurchschnittlichen Jahresspar - betrag bei gerade einmal ein bis zwei Euro pro Monat liegen dürfen. Und dabei sind die Kosten für die gerade bei Riester-Produkten dringend erforderliche Beratung noch gar nicht berücksichtigt. Wir gehen davon aus, dass sich sehr viele Versicherungen ohne Reform ab 2022 aus der Riester-Rente zurückziehen müssen, da sie dieses Produkt für den Preis einer großen Kugel Eis im Monat schlichtweg nicht mehr verwalten können. Nun geht es darum, auf der Kapitalanlageseite mehr Rendite zu erzielen. Können das die Versicherer? Zumal sie mit Blick in die Zukunft nicht wissen können, ob das so funktioniert. Kurz und knapp: Ja. Denn das Management von Verpflichtungen und dazu passenden Kapitalanlagen ist eine der Kernkompetenzen der Versicherungen und ihrer Aktuare. Ich denke, die Versicherer haben seit Jahrzehnten bewiesen, dass sie auch in schwierigen Marktsituationen sehr beachtliche Renditen erwirtschaften. Gerade in Zeiten wie diesen hat das Sparen im Kollektiv signifikante Vorteile, denn die Sicherungs- und Glättungsmechanismen in unseren großen Kollektiven verhindern, dass Kapitalmarktschwankungen eins zu eins auf das individuelle Versorgungskonto durchschlagen und so insbesondere kurz vor Eintritt des Versorgungsfalls zu dauerhaften Verlusten führen. Dies stellt einen signifikanten Unterschied zu individuellen (Fonds-) Sparplänen dar, wie sie beispielsweise in den USA bereits seit Jahrzehnten auch für die betrieb liche Altersversorgung genutzt werden. Dort profitieren die Anleger in guten Zeiten überproportional von steigenden Aktienkursen. In Bärenmarktphasen sind die negativen Auswirkungen aber umso gravierender. Nach der Finanz - krise mussten viele Amerikaner deutlich länger als geplant arbeiten, da sich ihre Altersvorsorge durch den Börsencrash pulverisiert hatte. Zwar haben sich die Börsen längst von diesem Schock erholt – individuelle Planungssicherheit sieht aber anders aus. Weiterhin kann man bei Versicherern trotz Flexibilität in den Produkten an den höheren Erträgen von illiquiden Anlagen wie Infrastrukturprojekten partizipieren. Gerade in der heutigen Zeit sind die Überrenditen illiquider Anlagen so hoch wie selten zuvor. Wie viel mehr Rendite kann denn eine Reduzierung erreichen? Untersuchungen der DAV zeigen, dass bereits eine Reduktion des Garantieniveaus auf 80% der Beitragssumme ermöglicht, über die gesamte Vertragslaufzeit signifikante Anteile von Aktien und alternativen Anleihen dem Portfolio beizumischen. Dies erhöht die Chance auf höhere Renditen deutlich. Eine quantitative Aussage ist vom jeweiligen Kapitalmarktmodell abhängig, aber qualitativ bestätigen alle Untersuchungen diese Aussage. Könnte Riester damit gerettet werden? Und wie wichtig ist Riester für die private Ver - sicherungswirtschaft? Die Riester-Rente ist ein Vorsorge - produkt unter vielen, aber mit Blick auf die Zahl der abgeschlossenen Verträge zweifellos ein wichtiges. Als Aktuare fokussieren wir uns nicht auf ein Produkt, sondern immer auf das große Ganze. Das bedeutet, wir möchten den Menschen eine verlässliche, planbare Altersvorsorge anbieten. Daher unterstützen wir auch ausdrücklich die nun beschlossene digitale Rentenübersicht. Diese hilft den Menschen, schnell und – hoffentlich – verständlich einen Überblick über ihre zu erwartenden Rentenansprüche und die damit einhergehenden Lücken zu bekommen. Für uns als DAV ist am wichtigsten, dass die Politik den Deutschen O ANZEIGE WoMobil-Versicherung Alles dabei – Alles versichert! Mit der WoMobil-Versicherung der Ammerländer den Reise-Hausrat versichern. Mehr Informationen unter: www.ammerlaender-versicherung.de

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