Aufrufe
vor 9 Monaten

AssCompact 06/2019

  • Text
  • Deutschen
  • Versicherer
  • Fonds
  • Vermittler
  • Menschen
  • Deutschland
  • Beratung
  • Unternehmen
  • Makler
  • Juni

INVESTMENT © Alexander

INVESTMENT © Alexander Limbach – stock.adobe.com Mehr Motor als Misere: MiFID II aus der Sicht unabhängiger Vermögensverwalter Die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II sorgt weiterhin für reichlich Gesprächsstoff in der gesamten Finanzdienstleistungsbranche. Neben deutlicher – und in etlichen Punkten berechtigter – Kritik gibt es aber auch positive Resonanz: Viele unabhängige Vermögensverwalter begreifen das Regelwerk als Chance, sich noch besser zu positionieren. Auch knapp anderthalb Jahre nach Inkrafttreten des MiFID-II-Regelwerks bleibt der Unmut bei vielen Marktteilnehmern groß. Eine überbordende Bürokratie und Unklarheit hinsichtlich vieler Detailvorschriften werden an der Finanzmarktrichtlinie am heftigsten kritisiert. Letztlich verursache die MiFID-II-Regulierung nicht nur einen unangemessen hohen Verwaltungs- und Kostenaufwand auf Anbieter- und Vermittlerseite. Sie sorge vielmehr vollkommen entgegen ihrer Intention für erhebliche Verunsicherung unter den An legern. So lautet das Fazit einer Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft (DK). Vehemente Forderungen nach Nachbesserung Tatsächlich fühlen sich Anleger von der geforderten Infor - mationsflut häufig überfordert und können sie oft nicht richtig einordnen, wie auch Verbraucherschützer monieren. Konsequenz ist laut DK-Spitzenverband, dass Anleger sich vermehrt komplett von den Kapitalmärkten abwenden. Entsprechend vehement fallen Vor allem unabhängige Vermögensverwalter begreifen das Regelwerk vielfach als Chance, ihre Stärken zur Geltung zu bringen und sich noch besser zu positionieren. die Forderungen nach einer Überarbeitung des MiFID- II-Regelwerks auf unterschiedlichsten Ebenen aus. So unzufrieden sich vor allem Banken mit den Vorschriften zeigen: Nicht alle Akteure beurteilen das Bemühen des europäischen Regulators um einen besseren Anlegerschutz so negativ. Vor allem die unabhängigen Vermögensverwalter begreifen das Regelwerk vielfach als Chance, ihre Stärken zur Geltung zu bringen und sich noch besser zu positionieren. Standardisierung der Beratung eröffnet Chancen Zum einen sorgt der regulierungsbedingte Trend zur weiteren Standardisierung der Beratung in Banken dafür, dass ein auf die individuellen Kundenbedürfnisse zugeschnittenes Leistungsangebot für eine wachsende Anlegerklientel interessant wird. Zum anderen ist die geforderte Transparenz in puncto Kosten und Performance für unabhängige Vermögensverwalter ohnehin kein Fremdwort: Sie sind gewohnt und darüber hinaus durch einen eigenen Ehrenkodex verpflichtet, regelmäßig Rechenschaft gegenüber ihren Kunden abzulegen – sowohl über die Anlageergebnisse als auch über alle Kosten. Erhöhte Kostentransparenz Die Kostentransparenz zählt denn auch zu den Punkten des Regelwerks, die unabhängige Vermögensverwalter insgesamt positiv beurteilen. Auch das Zuwendungsverbot und der erweiterte Sachkundenachweis mit jährlicher Überprüfung kommen ihnen grundsätzlich entgegen, wie eine Mitgliederumfrage des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) belegt. Während die genannten Vorschriften viele Banken und Fondshäuser aktuell in Unruhe versetzen, sind unabhängige 62 Juni 2019

Vermögensverwalter mögliche Profiteure, zumal sie sich auf die wesentlichen Änderungen wegen MiFID II rechtzeitig vorbereitet haben. Formale Umstellung gut gelungen Die formale Umstellung ist meist gut gelungen: Bestehende Verträge wurden rechtzeitig aktualisiert, solche im Neukundengeschäft frühzeitig MiFID-IIkonform ausgestaltet. Maßgeblichen Anteil an der erfolgreichen Umstellung hatte der VuV. So hat der Verband etwa die Überarbeitung des Mustervertragswerks und des Organisationshandbuchs für Vermögensverwalter übernommen. Auch hat er eine Branchenlösung für die Telefonaufzeichnung entwickelt. In der eigens vor dem Hintergrund der MiFID-II- Einführung etablierten VuV-Akademie ließen sich zudem viele weitere Detailfragen klären. Unterstützung durch Verwahrstellen Einen nicht unerheblichen Anteil an der gelungenen Umstellung auf einen MiFID- II-konformen Geschäftsbetrieb hatten und haben auch die auf unabhängige Vermögensverwalter spezialisierten Verwahrstellen. Schon sehr frühzeitig hat etwa Hauck & Aufhäuser Präsenzseminare angeboten, um Verwalter umfassend über die bevorstehenden Änderungen zu informieren. Vor allem Tipps zur praktischen Umsetzung der vielfach komplizierten MiFID- Vorschriften, aber auch zu weiteren Regulierungsinitiativen wie etwa einer Neufassung der UCITS- Richtlinie waren und sind gefragt. Viele Auslegungsfragen ungeklärt Zudem herrscht weiter Unklarheit über etliche Detailfragen. Insbesondere bereiten die „Ex-ante-Kostentransparenz“ und das Zuwendungsverbot Sorgen, teils aber auch die Aufzeichnungspflichten und die Geeignetheitserklärung. Besonders die Vorschrift zur Offenlegung der voraussichtlichen Gesamtkosten über die gesamte Haltedauer lässt klare Regeln zu Aufbau, Struktur und Berechnung vermissen: Bei der Ex-ante-Kostentransparenz nutzen Anbieter teilweise verschiedene Prämissen über die künftige Wertentwicklung und verschiedene Zeiträume. Einige arbeiten mit Muster-Anlagebeträgen, die Mehrheit aber mit der tatsächlichen Investitionssumme. Die Informationen sind daher nur für erfahrene Anleger vergleichbar, wie auch die BaFin einräumt und daher eine Konkretisierung verspricht. Unklares Zuwendungsverbot Nötig ist eine solche auch beim Zuwendungsverbot: So ist weiter nicht geklärt, welche Zuwendungen als ausnahmsweise erlaubt gelten. Schwierig erweist sich etwa die Zuordnung der Annahme von nicht-monetären Zuwendungen. Während dem unabhängigen Honorar-Anlageberater die Annahme kostenloser Informationsmaterialien und der Besuch kostenloser Schulungen grundsätzlich untersagt sind, darf der Finanzportfolioverwalter solche Vorteile annehmen, solange sie geringfügig sind. Bei der konkreten Zuordnung und Auslegung gibt es gewisse Spielräume. Unklar bleibt laut BaFin zudem, welche Details für das Taping gelten: Ab welchem Gesprächsstadium ist die Aufnahme zu starten und darf sie unterbrochen werden? Und schließlich bietet auch die damit einhergehende Ausgestaltung der zu erstellenden Geeignetheitsprüfung einen Gestaltungsspielraum, den es zu konkretisieren gilt. Es bleibt einiges zu tun Auch aus Sicht unabhängiger Vermögensverwalter bleibt also einiges zu tun für Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden. Was die Überprüfung der Regeln durch Bundesregierung, EU- Kommission und nationale Aufsichtsbehörde bringen wird, ist bislang allerdings weitgehend offen. W Überbordende Bürokratie Trotz dieser Unterstützung bleiben einige Unzulänglichkeiten der Bestimmungen, die von unabhängigen Vermögensverwaltern zu Recht kritisiert werden. Ohnehin beurteilen auch sie das Regelwerk nicht ausschließlich positiv. Sie monieren eine vielfach überbordende Bürokratie mit ausufernden Dokumentationspflichten und dem daraus resultierenden Organisations- und Verwaltungsaufwand. Beklagt wird insbesondere, dass der erheblich gestiegene Verwaltungsaufwand es erschwert, sich auf die Kernaufgaben Vermögensverwaltung und Kundenbetreuung zu konzentrieren. Von Anja Schlick, Leiterin Asset Servicing/Financial Assets bei der Hauck & Aufhäuser Privatbankiers AG Juni 2019 63

AssCompact

AssCompact 05/2019
AssCompact 04/2019
AssCompact 03/2019
AssCompact 02/2019
AssCompact 01/2019
Deutschen Versicherer Fonds Vermittler Menschen Deutschland Beratung Unternehmen Makler Juni

Neues von AssCompact.de