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AssCompact 06/2019

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INVESTMENT „Amundi

INVESTMENT „Amundi knüpft an die Pioneer-Tradition im Retail-Markt an“ Interview mit Dr. Andreas Steinert, Head of Third Party Distributors bei Amundi Deutschland Amundi ist der größte Asset-Manager in Europa. Dazu hat nicht zuletzt die Übernahme von Pioneer Investments beigetragen. Deutschland ist für die Gesellschaft ein Kernmarkt mit großem Potenzial. Um dieses zu heben, setzt Amundi auf eine neue Vertriebsstruktur sowie ETFs und nachhaltige Anlagen. Freie Vermittler und Versicherer spielen dabei eine zentrale Rolle. Herr Dr. Steinert, Sie waren vor Ihrem Wechsel zu Amundi im vergangenen Jahr 17 Jahre in der Versicherungswirtschaft tätig. Warum nun der Wechsel zu einer Fondsgesellschaft? Die Frage bekomme ich in der Tat oft gestellt. Es gibt immer eine persönliche Dimension. Ich habe 17 wunderbare Jahre in verschiedenen Funktionen in der Versicherungsindustrie verbracht. Wenn sich nach so langer Zeit eine Gelegenheit ergibt, in eine leicht andere Industrie zu wechseln, dann nimmt man das als Aufgabe gerne noch mal an, zumal die Fondsindustrie eine echte Wachstumsindustrie ist. Ein europäischer Marktführer mit langer Tradition in Deutschland ist natürlich zusätzlich reizvoll. In Deutschland hat Amundi mit Pioneer eine etablierte Marke übernommen und durch Amundi ersetzt. Warum hat man die etablierte Marke nicht am Markt belassen? Eine Marke wie Pioneer vom Markt zu nehmen, ist tatsächlich eine Herausforderung. Als globales Unternehmen ist es aber aus verschiedensten Gründen sinnvoll, überall möglichst unter demselben Namen aufzutreten. In dem Namen Amundi steckt übrigens das lateinische Wort mundus, die Welt. Damit wollen wir zum einen den internationalen Fokus des Unternehmens ausdrücken, zum anderen aber auch die starken europäischen Wurzeln. Mir ist es wichtig zu verdeutlichen, dass Amundi in Deutschland an die lange Pioneer-Tradition der Partnerschaft im Retail-Markt anknüpft. Um näher an unseren Partnern zu sein, haben wir auch am 01.01.2019 auf eine regionale Vertriebsstruktur umgestellt. „Wir wollen in der Breite die persönliche Ansprache fördern. Persönliche Ansprache und persönliche Präsenz vor Ort sind essenziell für jeden Vertrieb und notwendig, um Vertrauen zu schaffen.“ Was erwarten Sie sich davon? Wir wollen in der Breite die persönliche Ansprache fördern. Persönliche Ansprache und persönliche Präsenz vor Ort sind essenziell für jeden Vertrieb und nötig, um Vertrauen zu schaffen. Wie wichtig ist eine starke Marke für Fondsgesellschaften und wie wollen Sie diese nicht nur bei Vermittlern stärken? Sehr wichtig. Deshalb investieren wir auch: Um die Markenbekanntheit in der Breite und beim Endkunden zu steigern, sind wir zum Beispiel eine Partnerschaft mit Lufthansa Miles & More eingegangen. Kunden können sich beim Kauf von Amundi-Fonds ab sofort Meilen gutschreiben lassen. Auf der Website von Miles & More wird erklärt, wie einfach man die Meilen beantragen kann. Wie wichtig sind professionelle Vermittler für Amundi? Pioneer ist im deutschen Markt insbesondere durch die freien Vermittler groß geworden. Das war stets eine gute Partnerschaft und es ist natürlich auch weiterhin ein ganz wichtiges Standbein für Amundi. Freie Vermittler und Brokerpools oder andere Strukturen, die sie befördern, sind insofern extrem wichtig für uns. Viele Partner in diesem Bereich begleiten uns seit Jahrzehnten. Diese treue Bindung wollen wir erhalten und ihnen weiter die Qualität und den Service bieten, die sie von Pioneer gewohnt waren. Welche Rolle spielen Versicherer für Amundi? Aus meiner persönlichen Historie heraus habe ich natürlich eine hohe Affinität zu Versicherern. Doch nicht nur deshalb ist dieses Kundensegment für uns ein hochspannendes Feld. Wir haben dort eine breite Kundenbasis. Durch eine Mischung aus regionaler Struktur und Key Accountern wollen wir an diese Traditionen anknüpfen und die Kundengruppe stärker in den Fokus nehmen. Dabei hilft uns, dass sich der Markt der Lebensversicherungen klar in Richtung fondsgebundene Lebensversi- 64 Juni 2019

cherung verschiebt. Insofern gibt es eine wunderbare Überschneidung. Was sind die größten Unterschiede im Vertrieb von Fonds und Versicherungen? Zunächst einmal gibt es einige Gemeinsamkeiten, insbesondere bei den Vertriebswegen. Banken, Makler oder Pools werden zum Beispiel von beiden Industrien bespielt, wenngleich mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Dann gibt es natürlich das große Gemeinschaftsfeld der fondsgebundenen Lebensversicherungen. Unterschiede gibt es vor allem in Bezug auf die Geschwindigkeit und den Zeithorizont. Das Fonds - geschäft ist deutlich marktgetriebener als die sehr langfristig ausgerichtete Versicherungsbranche. Entsprechend werden Fondsprodukte auch deutlich öfter zu taktischen Zwecken nachgefragt und eingesetzt. Welche konkreten Ziele hat Amundi für den deutschen Markt? Deutschland ist ein Schwerpunktmarkt für Amundi. Unter den Vermittlern wollen wir einer der beliebtesten Anbieter sein. Wegen unserer breiten Produktpalette in allen Anlageklassen und unseren besonderen Kompetenzen in verantwortungsvollem Investieren und passiven Anlagen möchten wir immer eine passende Lösung parat haben. Und damit wollen wir auch schneller als der Markt wachsen. Um diese Ambitionen im deutschen Markt zu unterstreichen, hat Amundi im Dezember einen deutschen Beirat aus mehreren externen Experten gegründet. Er ist mit außergewöhnlicher Expertise besetzt und ein idealer Resonanzkörper des deutschen Markts. Darüber hinaus dokumentiert die Einrichtung des Beirats schon an sich die herausragende Stellung Deutschlands für Amundi. Wie will Amundi darüber hinaus die Ziele für Deutschland erreichen? Neben der neuen Vertriebsstruktur durch eine Kombination von drei Aspekten. Erstens sehen wir, dass der ETF- Markt sehr schnell wächst. Wir sind einer der am schnellsten wachsenden Asset-Manager im passiven Bereich. Das ist sicher eines der wichtigsten Wachstumsfelder für Amundi. Das zweite Wachstumsthema ist die Intensivierung der bestehenden Kundenbeziehungen. Wir wollen gerne in vielen aktiven Fondsklassen – Aktien-Value-Strategien, Schwellenländeranleihen und anderen Bereichen – immer erste Wahl sein. Drittens sehen wir großes Potenzial in nachhaltigen Kapitalanlagen, kurz ESG oder SRI. Auf Letzteres versuchen derzeit fast alle Gesellschaften zu setzen … Das ist richtig. Das Thema ist jedoch einer der vier Grundpfeiler des Unternehmens und damit fest in der Unternehmensstrategie verankert. Wir können zudem auf eine lange Tradition von ESG-Anlagen zurückblicken. Der Amundi Ethik Fonds wird seit 1986 nach harten Ausschlusskriterien gemanagt. Der Amundi Funds II – Global Ecology (ab 11.06.2019: Amundi Funds Global Ecology ESG) ist seit 1990 am Markt. Einen der Markttrends, der derzeit ganz klar auf der Überholspur ist, bedienen wir also schon seit Jahrzehnten mit Dr. Andreas Steinert „Deutschland ist ein Schwerpunktmarkt für Amundi. Unter den Vermittlern wollen wir einer der beliebtesten Fondsanbieter sein.“ Expertise und hoher Glaubwürdigkeit. Hinzu kommt ein starkes Research in Paris, wo sich mehr als zehn Experten ausschließlich mit diesen Themen beschäftigen. Als Europas größter Asset-Manager kann man so etwas insgesamt sehr effizient gestalten. Auf welche weiteren Bereiche neben ESG und ETF will Amundi einen Vertriebsschwerpunkt legen? Im aktiven Bereich ist der Amundi Ethik Fonds nicht nur ein sehr erfolgreicher ESG-Fonds, sondern auch ein sehr erfolgreicher defensiver Mischfonds mit echten Blockbuster-Fähigkeiten. Daneben wollen wir auch unsere US-Wurzeln wieder stärker in den Vordergrund rücken. Dank der langen Historie und der Erfolge der aus Boston heraus gemanagten US-Fonds sind wir auch in diesem Bereich gut positioniert. Viel Erfolg haben wir auch mit europäischen Value-Strategien – vor allem mit dem aktiv gemanagten Amundi Funds II – European Equity Value (ab 11.06.2019: Amundi Funds European Equity Value) und dem Smart-Beta-Fonds Amundi Funds Equity Europe Conservative. Insgesamt reduziert Amundi das Fondsangebot in diesem Sommer deutlich. Warum? Das ist nichts anderes als die Vollendung der Fusion zwischen Amundi und Pioneer. Wir haben die Fondsfamilien von Amundi und Pioneer intensiv analysiert und Doppelungen aus den beiden Fondsfamilien herausgenommen – damit aus den Wurzeln zweier starker Unternehmen ein noch stärkeres Angebot entsteht. W Juni 2019 65

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