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AssCompact 06/2020

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POOLS VERBÜNDE

POOLS VERBÜNDE DIENSTLEISTER © Sergey Novikov –stock.adobe.com Stresstest-Dauermodus für 34f-Vermittler und 34h-Berater Mit Stand 01.04.2020 verfügten exakt 37.865 Vermittler über eine Erlaubnis nach § 34f sowie 211 Honorar-Finanzanlagenberater eine Entsprechung nach § 34h GewO. Mit dieser Größenordnung dürfte nunmehr ein Peak-Level erreicht worden sein. Ab kommendem Jahr dürfte sich der Markt an dieser Stelle wohl merklich ausdünnen. Finanzanlagenvermittler haben es die Tage wahrlich nicht leicht. Und das beileibe nicht deshalb, weil ihre Profession demnächst in „Finanzanlagendienstleister“ umgetitelt werden soll. Es dürften stattdessen in der Summe all die folgenreichen Neuregularien im Zuge der MiFID II-Umsetzung sein, die, so sinnig sie mitunter auch daherkommen, unterm Strich mit einem deutlichen Mehr an Beratungs-, Dokumentationsund Kostenaufwand einhergehen. Obendrauf verursacht eine unvorhergesehene Pandemiewelle nicht weniger als weltweit drastische Kurseinbrüche mit kräftig aufflammender Nervosität an den Anlagemärkten. Und zu guter Letzt provoziert inmitten dieser verunsichernden Gemütslage noch ein Bundeskabinettsbeschluss von Mitte März dieses Jahres, der die Übertragung der 34f/h-GewO-Aufsicht einen Schritt näher Richtung BaFin bringt, den lautstarken Unmut vieler Vermittler und prominenter Interessenvertretungen wie den des Deutschen Industrieund Handelskammertags (DIHK) oder des AfW – Bundesverband Finanzdienstleistung e.V. Nachdem zwischenzeitlich nun auch noch der Finanz- und Wirtschaftsausschuss des Bundesrates das Gesetzesvorhaben kritisiert und unter anderem als „mittelstandsfeindlich“ tituliert hatte, ruft aktuell der AfW per medienwirksamer Kampagne eindringlich dazu auf, sich als Vermittler direkt an seinen Bundestagsabgeordneten zu wenden, um über diesen Weg die heftig umstrittene Aufsichtsübertragung damit letztlich doch noch zu Fall bringen zu können. Im Kreuzfeuer der Vermittlerkritik steht die Frage: Ist die BaFin ein kostspieliger Aufseher? Auch wenn der Ruf des Gesetzgebers nach fachlich spezialisierter wie einheitlicher Aufsicht – bei aller verständlichen Gegenargumentation seitens der IHK-Aufsichtsbefürworter – durchaus nachvollziehbar ist, so bleibt für das Gros des freien Vertriebs vor allem in gebührentechnischer Hinsicht ein mehr als fader Beigeschmack. So soll nach dem Willen des Gesetzgebers die Finanzierung der geplanten BaFin-Aufsicht durch Umlagen, Gebühren und die gesonderte Erstattung von Prüfungskosten sichergestellt werden. Summa summarum müssten 34f-Vermittler und 34h-Berater laut Ministeriumsberechnung demnach im Schnitt eine jährliche Umlage von gut 500 Euro einkalkulieren. Zu alledem gesellten sich etwa zu der Erlaubniserteilung (1.590 Euro) noch Prüfungskosten, die bei einmalig rund 140 Euro und jährlich um die 1.000 Euro taxiert werden. Vor allem der AfW hegt indes vehemente Zweifel an dem vorgelegten Zahlenwerk, denn nach seinen perspektivischen Überlegungen kommt er stattdessen auf eine üppige Kostenbelastung, die pro Erlaubnisträger eher in Richtung 4.000 Euro per anno weist. Aber unabhängig davon, ob nun gut 1.000 Euro oder gleich das Mehrfache davon in Rechnung gestellt würde: Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um zuverlässig vorhersagen zu können, dass dies Anlass für nicht wenige Erlaubnisträger sein wird, sich endgültig vom Markt zu verabschieden. Und je mehr dem Finanzanlagenmetier den Rücken zukehren sollten, desto höher fällt dann wiederum die angesprochene Umlage für den Rest aus. Insofern also womöglich der ideale Nährboden für eine sich „selbstaktivierende“ Kosten spirale mit ungewissem Ende. 104 Juni 2020

Betroffenen bleibt demzufolge nur das schlichte Gebot der pragmatischen Herangehensweise. So bietet sich ja schon heute gerade für Vermittler, die in kleinerem Umfang tätig sind, als bewährte Alternative die Kooperation mit einem der bereits bestehenden Haftungsdächer an. Daneben wird es rechtzeitig über vorausschauende Maklerpools wie die BCA-Gruppe die Möglichkeit einer Anbindung an eine hierfür geeignete Vertriebsgesellschaft geben, die dann quasi als „Haftungsdachlight“-Alternative alle notwendigen Rahmenbedingungen bereithält, um über diesen Weg haftungsrechtliche wie auch administrative und einkommenskalkulatorische Fragen wieder in verträglichen Einklang zueinander zu bringen. Das kurze Eigenleben der aktualisierten FinVermV Wer Finanzanlagen vermittelt oder berät, muss sich ab August auf weitere Verschärfungen in der Betriebsführung einstellen, die aufgrund der EU-Finanzmarktrichtlinie (MiFID II) in die neue Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) eingearbeitet wurden. Neben der ausdrücklichen Vermeidung von Interessenkonflikten und der sogenannten Geeignetheitsprüfung sorgt vor all em die Pflicht zur Aufzeichnung von beratungsrelevanten Telefongesprächen und/oder über sonstige elektronische Kommunikationsmittel für Mehraufwand. Die neuerlichen Regelungen sollen gleich zu Beginn 2021 als Unterparagraf in das Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) eingepflegt werden. Mit dem anvisierten Übertrag kommt man damit der längst überfälligen EU-Forderung nach, bei Investmentgeschäften gleiche Maßstäbe für Banken und freie Anlagenvermittler anzusetzen. Dies ist grundsätzlich begrüßenswert, zumal die damit einhergehenden Einzelauflagen ungesehen ihres Mehraufwands dem Vermittler deutlich mehr Rechts - sicherheit in die eigenen Hände legen. Allerdings: Das WpHG regelt betreffend Zuwendungen (Stichwort: BiPRO) für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute ausdrücklich, dass diese nur zulässig sind, sofern sie sicherstellen, die Qualität der für den Kunden erbrachten Dienstleistung zu verbessern. Diesen „Verbesserungs-Passus“ hält man indes für den §34f/h-GewO-Bereich außen vor. Besonders in Zeiten hoher Volatilität: Geldanlage per Robo-Advisor? Spätestens der grenzenlose Shutdown im Zuge der Corona-Pandemie ließ Aktienkurse zunächst im Rekordtempo in ungeahnte Tiefen stürzen und treibt im Umkehrschluss seitdem die Volatilität in neue Höhen. Zur Beruhigung helfen bisher geschnürte finanzielle Rettungspakete bis dato nur bedingt. Insofern stehen wir an dieser Stelle sicher an der Schwelle einer fundamentalen Neubewertung der Aktienmärkte insgesamt. Aber nicht nur aufgrund dieser Gegebenheiten stellt sich für Beratungsprofis die strategische Frage, ob und inwieweit deren Kunden unisono ein individuelles Portfolio benötigen oder ob man stattdessen künftig nicht zumindest in Teilen besser auf professionelle Vermögensverwaltungsstrategien/Musterportfolios setzt. Zwar garantieren standardisierte Lösungen und klassische Robo-Advisor nicht per se bessere Ergebnisse als ihre klassischen Alternativen, aber vor allem ihr leicht nachvollziehbares Konzept kann überzeugen. Und gerade im aktuellen Kontaktsperren-Szenario sind Klienten dankbar für onlinebasierte Beratungs- und Serviceangebote. So bringen wir aus diesem Grund etwa bei der BCA/ BfV-Gruppe über die vollautomatisierte Online-Beratungsstrecke unseres Investment-Shops nutzerfreundliches Handling, Rechtssicherheit und solide Performancestrategien miteinander in bestmöglichen Einklang. Und das mit Erfolg: So erfolgen trotz kontaktloser Zeiten wie aktuell praktisch unvermindert Mittelzuflüsse bei nahezu 100% über genannten Shop. Fazit: Mehr Kooperation Sicherlich wird die schwer verdauliche Mixtur aus Regulation, Wettbewerbs- und Kostendruck, Niedrigzinsumfeld plus Pandemieschock den viel zitierten Konsolidierungsprozess in betroffener Vermittlerszene spürbar anheizen. Insbesondere bei kleineren freien Vermittlereinheiten dürfte sich als geeignete Gegenmaßnahme hierzu der Trend hin zur Kooperation mit einem starken Pool als Partner weiter intensivieren. Denn allen Unkenrufen zum Trotz wird der profunde Investment- Expertenrat gerade für die kommenden Jahre mehr als nachgefragt bleiben. Insofern sieht die BCA/BfV-Gruppe die dargelegten Geschehnisse in ihrer Summe weniger als Problem denn vielmehr als gemeinsame Chance zu investmentseitig nachhaltig prosperierenden Vermittlungsgeschäften. W Von Dr. Frank Ulbricht, Vorstand der BCA AG und Vorstandsvorsitzender der BfV Bank für Vermögen AG Juni 2020 105

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