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AssCompact 06/2021

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB „Wir stehen als Konsolidierer des Marktes bereit“ INTERVIEW MIT DR. SEBASTIAN GRABMAIER, VORSTANDSVORSITZENDER DER JDC GROUP AG Die JDC Group treibt den Ausbau ihrer Versicherungsplattform voran. Sowohl Großprojekte wie etwa der Deal mit der Provinzial als auch Zukäufe liefern entsprechende Wachstumsfantasien. Von diesen Entwicklungen soll auch der Servicebereich für Maklerbetriebe profitieren. Der JDC-Group ist es gelungen, weitere Verträge auf ihre Plattform zu ziehen. Wie ertragreich sind die neuen Projekte bisher? Ja, das stimmt, wir gewinnen jedes Jahr rund 300.000 Versicherungsverträge für unsere Plattform hinzu. Wir sind also mitt lerweile in der Lage, die Früchte unserer Anstrengungen der Aufbaujahre zu ernten. Im Großen und Ganzen ist unsere Plattform fertig, sodass wir nun unsere Kostenbasis fast stabil halten können und sich jeder neue Kunde und jeder neue Vertrag positiv auf unsere Ergebnisentwicklung auswirken. Als besonders „großer Fisch“ wird der Deal mit der Provinzial gesehen. Ist das ein Ausnahmeprojekt? Was die Größe unserer Kunden angeht, ist die Kooperation sicher ein weiterer Meilenstein, wie es vorher vielleicht nur der Gewinn der Lufthansa-Tochter Albatros war. Während uns Albatros knapp 150.000 ihrer Kunden anvertraut hat, können es nach den Plänen der Provinzial in den kommenden fünf Jahren eine Million neue Kunden werden. Die Kooperation mit Provinzial bedeutet daher auf jeden Fall einen großen weiteren Wachstumsschritt für uns, sobald unsere Plattformtechnologie bei den über 100 Sparkassen im Westen und Norden Deutschlands eingeführt ist. Das könnte bis zu 100 Mio. Euro Umsatz und damit eine Verdoppelung unseres Versicherungsumsatzes bedeuten. „Unsere Daten-, Abwicklungs- und Servicequalität ist deutlich höher als bei anderen, weil wir auch den Standards großer Intermediäre gerecht werden müssen.“ Das hat auch Ihrem Börsenwert Schwung verliehen. Wie sehr spielt das für Sie eine Rolle? Natürlich ist die Börsenbewertung immer auch ein Spiegelbild der Anerkennung der Unternehmensleistung. Und das spielt natürlich eine Rolle, wenn wir etwa mit institutionellen Investoren und Kunden sprechen. Aber wichtig ist mir, dass die Börsennotierungen der Kundenzufriedenheit und den Geschäftszahlen des Unternehmens folgen und nicht umgekehrt: Die Reihenfolge ist also: glückliche Kunden – gute Zahlen – glückliche Aktionäre. Das Geschäft mit Versicherungsmaklern und anderen Intermediären läuft solide. Die großen Wachstumsfantasien gibt es aber an anderen Stellen, oder? Wir sind auch mit der Entwicklung unseres Einzelmaklergeschäfts sehr zufrieden, das mit über 10% nachhaltig wächst. Das Wachstum aus den neuen Kooperationen kommt hinzu. Und sicherlich haben wir viel Fantasie auch für alle anderen Vertriebswege wie etwa Bancassurance, Handelsvertreter- oder Ausschließlichkeitsvertrieb. Wie sieht die Costumer Journey in ein paar Jahren aus? Wie der Vertrieb der Zukunft? Als Endkunde habe ich ein Girokonto und überweise daraus meine Beiträge für Versicherungen, für eine private Altersvorsorge oder für Investments am Kapitalmarkt. Heute benötigen wir also immer noch Banken UND Versicherungen. Doch in der Kundenwahrnehmung wird dies in Zukunft zusammenwachsen, Stichwort „Financial Home“. Mit unserer Plattformstrategie stellen wir bereits jetzt die dafür nötige Technologie bereit. Inwieweit profitieren Maklerbetriebe denn noch von der Entwicklung? Unsere Daten-, Abwicklungsund Servicequalität ist deutlich höher als bei anderen, weil wir auch den Standards großer Intermediäre gerecht werden müssen. Das sind Anforderungen, die man als normaler Makler nicht gleich als Erstes im Auge hat. So werden Compliance, Datenschutz und Regulatorik bei uns ganz hoch gehängt. Und natürlich die Usability aller Tools. Jeder 96 AssCompact | Juni 2021

MANAGEMENT & VERTRIEB angeschlossene Vermittler, ob groß oder klein, profitiert also von den gemeinsamen Entwicklungen gleichermaßen. Und damit hat jeder Vermittler diese Qualität, insbesondere die Datentiefe, obwohl er bisher vielleicht selbst gar nicht wusste, dass er diese Anforderung hat. Vor Kurzem sagten Sie in einem Pressegespräch, dass Sie Deutschlands größter Makler werden wollen. Den Umsatz wollen Sie in den nächsten Jahren verdoppeln. Wollen Sie das mit rein organischem Wachstum schaffen oder wollen Sie auch weiter zukaufen? Genau genommen „größte Versicherungsplattform“. Mit den großen Industrie- und Gewerbemaklern sehen wir uns dabei nicht in Konkurrenz. Ganz im Gegenteil gehören diese potenziell zu unseren Kunden. Wie bereits oben erwähnt, sind wir mit der Kooperation mit der Provinzial auf einem guten Weg zur Umsatzverdoppelung. Und wenn unser Einzelmaklergeschäft weiter so stabil wächst und wir dazu noch weitere dieser großen Kunden für unsere Plattformstrategie gewinnen können, kann dies ein exponentielles Wachstum für unseren Umsatz bedeuten. Organisches Wachstum steht daher bei uns an erster Stelle. Wenn sich aber passende Möglichkeiten bieten, würden wir auch zukaufen. Sehen Sie sich selbst auch als Übernahmekandidat? Alles ist heute möglich. Da wir soeben zeigen, dass wir den Durchbruch als führende Digitalplattform eigenständig schaffen, stark wachsen, profitabel sind und zudem eine äußerst stabile Aktionärsstruktur gefunden haben, wäre das Preisschild für einen Erwerber wahrscheinlich viel zu hoch. Aber man kann immer darüber sprechen, ob man nicht Teile der Wertschöpfung gemeinsam besser machen kann. Wir sehen uns dabei eher auf der Käuferseite und stehen als Konsolidierer des Marktes bereit. Welche Projekte wollen Sie demnächst verwirklichen? Aufgrund der immer weiter gehenden Anforderungen unserer Plattformkunden sind wir ständig daran, neue Tools und Anwendungen zu programmieren und zu integrieren. So bauen wir unsere WebApp ständig weiter aus – jüngst etwa um einen Vorsorge-Lückenrechner oder einen GKV-Beitragsersparnisrechner. Mit unserem neuen API-Tool können Berater und Vermittler ihre bestehenden Systeme flexibel an unsere „Daten-Engine“, also unseren „Maschinenraum“ anbinden und profitieren von automatisierten Prozessen und detaillierten Vertragsinformationen. Wie schnell geht es insgesamt in der Branche voran, was beispielsweise den Datenaustausch oder auch BiPRO im Allgemeinen angeht? Wir sind einer der großen Unterstützer von BiPRO. Aber auch wenn eine Vielzahl von Versicherern diesem Datenstandard inzwischen positiv gegenübersteht, heißt dies noch lange nicht, dass alle BiPRO-Normen von allen Versicherern umgesetzt werden. Bis zu einem einheitlichen Datenstandard in unserer Branche dauert es daher sicher noch zehn Jahre oder mehr. Was sind für Sie die weiteren Top- Themen der nahen Zukunft? Zum Beispiel von Big Data über KI bis hin zu Nachhaltigkeitsthemen? Big Data ist inzwischen gar kein Zukunftsthema mehr, in unserem modernen und prämierten Maklerverwaltungsprogramm iCRM ist das Thema schon weitgehend umgesetzt. Wichtig ist nun, aus Big Data „Smart Data“ zu machen. Das bedeutet, aus den reinen Daten zum Beispiel herauslesen zu können, welchen Vorsorge-, Absicherungsoder Investmentbedarf ein Endkunde hat, damit Kunden mehr Transparenz und Handlungsempfehlungen erhalten und unsere Vertriebspartner proaktiv auf ihre Kunden zugehen können. Andere nennen dies werbewirksam künstliche Intelligenz, meist sind es eher Algorithmen, die helfen, Daten zu strukturieren und wertvoll zu machen. Als börsennotiertes Unternehmen ist für uns natürlich auch Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema – sprich die Einhaltung und Umsetzung sämtlicher ESG-Kriterien. Als Digitalisierungsdienstleister fällt es uns hier leicht, Musterschüler zu sein, spart der Einsatz unserer digitalen Tools und Plattform doch Tonnen an Papier und Kraftstoff. Wir haben uns hier selbst ehrgeizige Ziele gesetzt und wollen in kurzer Zeit komplett CO 2 -neutral wirtschaften. Nachhaltigkeit spielt für uns aber auch auf der Produktseite für unsere Makler eine wichtige Rolle. Durch einen „Gogreen-Button“ auf unserer Hauptwebsite können Makler schon in der Grundvoreinstellung ein ESGausgerichtetes Universum wählen. Zudem haben wir in unseren Produktempfehlungen etliche ESGkonforme Fonds, und in unseren Vermögensverwaltungslösungen easy - ROBI und FINE FOLIO können Kunden in Nachhaltigkeitsstrategien investieren. Darüber hinaus bieten wir seit mehreren Monaten dienstags um 11:00 Uhr ein sogenanntes ESG-Frühstück an. Bei diesen Online-Veranstaltungen können sich unsere Vertriebspartner umfassend über ESG-relevante Themen informieren. Ein Thema also, das uns sehr am Herzen liegt! P Die vier Produkteinheiten der JDC Group AG • Technische Plattform (Jung, DMS & Cie): mehr als 16.000 angeschlossene Vertriebspartner, 1,6 Millionen Kunden, 102 Mio. Euro Provisionserlöse • Endkunden-Frontend (allesmeins): modulare White-Label-Anwendung, abgestimmt auf Versicherer, Großkunden, Banken, Vertriebe, Einzelmakler und Endkunden, 25 Mandanten • Direktkundenkanal (GELD.de): Vergleichs- und Transaktionsportal für Finanzprodukte, unter den Top Fünf in Deutschland • Exklusivvertrieb (FiNUM.Unternehmensgruppe): 308 Berater, 82.000 Kunden, 30 Mio. Euro Provisions - erlöse Juni 2021 | AssCompact 97

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