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AssCompact 07/2018

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INVESTMENT © fotogestoeber – Fotolia.com Systematik statt Glaskugel Um die Methoden des computergestützten Portfoliomanagements ranken sich zahlreiche Missverständnisse. Dabei schalten sie vor allem die renditemindernden Emotionen, denen selbst professionelle Fondsmanager unterliegen, vollständig aus. Schließlich geschieht die Titelauswahl bei quantitativen Fonds ausschließlich auf systematischer Basis. Eine überzeugende Rendite bei kalkulierbarem Risiko und nachvollziehbarem Investmentprozess – das wünschen sich viele Anleger in Zeiten niedriger Zinsen und steigender geopolitischer Risiken. Quantitative Aktienselektionsmodelle können zwar keine Wunder vollbringen, aber sie ermöglichen durch ihre Methodik, auch abseits des Mainstreams Erfolg versprechende Investments zu identifizieren, aktive Positionen einzugehen und die Anlageentscheidungen immer wieder nach genau denselben Regeln zu treffen. So können Investoren bei überschaubarem Risiko mittel- bis langfristig potenziell besser als der Markt, das heißt als Indizes und ETFs, abschneiden. Die gleichbleibende, konsequent angewandte Selektionssystematik ermöglicht eine grundsätzlich höhere Wiederholbarkeit der Anlageergebnisse in der Zukunft. Transparenter und planbarer Lange bevor Google mit selbstfahrenden Autos auf den Straßen unterwegs war, wurden die Rechenkapazitäten von Computern schon von innovativen Asset-Managern genutzt. Bei quantitativen Fonds erfolgt die Titelauswahl ausschließlich auf der Basis systematischer Verfahren, ohne dass ein Fondsmanager im übertragenen Sinne während der Fahrt ins Steuer greift. Gerade institutionelle Investoren wie etwa Pensionskassen, Versicherungen oder Stiftungen schätzen diese Ansätze wegen der hohen Transparenz und der Erwartung grundsätzlich wiederholbarer und somit besser planbarer Anlageergebnisse. Zahlreiche Missverständnisse Gleichzeitig ranken sich um die Methoden des computergestützten Portfoliomanagements zahlreiche Missverständnisse. Sorgen Quant-Modelle zum Beispiel für asymmetrische Märkte, weil sie den Herdentrieb verstärken? Schränken die fest definierten Rechenregeln nicht die Flexibilität ein, um auf volatile Märkte schnell und angemessen reagieren zu können? Sind die Modelle streng geheime „Black Boxes“, die außer dem Entwickler niemand, insbesondere nicht der Anleger, nachvollziehen kann? Macht der Computer den Fondsmanager arbeitslos? Und sind quantitative Strategien eigentlich nichts anderes als ETFs – nur teurer? Die Antwort lautet in allen Fällen: Nein. Wahr ist: Der Computer ist ein unverzichtbares Werkzeug, um Hunderte von Aktien analysieren zu können. Er hilft, in jeder Marktsituation kühlen Kopf zu bewahren und die auf Basis der zugrundeliegenden Regeln geeignetsten Werte für das Portfolio auszuwählen. Trotzdem ist der Fondsmanager gefragt, denn man 68 Juli 2018

muss aus den Ergebnissen des Selektionsprozesses die richtigen Schlüsse für die Portfoliozusammensetzung ziehen. Und ist das Modell einmal aufgesetzt, legen wir die Hände nicht in den Schoß, sondern entwickeln das Modell immer weiter, beispielsweise indem wir den verschiedenen Parametern neue Gewichte zuweisen. Dass ein quantitativer Ansatz Mehrwert generiert, zeigen die Erfahrungen des von ODDO BHF selbst entwickelten Aktienselektionsmodells Algo 5. Hier haben wir mit unseren Fonds in hocheffizienten Märkten bewiesen, über verschiedene Marktphasen hinweg – wenn auch unter teilweise größeren Kursschwankungen – in Summe zuverlässig und konsistent Outperformance für unsere Kunden generieren zu können. Quant-Fonds sind also deutlich mehr als „teure ETFs“. Auch das Thema „Black Box“ ist nicht richtig. Der Investmentprozess ist transparent und für jeden Vermittler und seine Kunden nachvollziehbar. Umfangreiche Universen auswertbar Der wesentliche Unterschied des quantitativen Portfoliomanagements zu herkömmlichen Ansätzen liegt in der Breite, der Systematik und der Stringenz, mit der die verfügbaren Kennzahlen ausgewertet werden. Der Computer macht es möglich, auch umfangreiche Aktienuniversen wie beispielsweise den Stoxx 600 Europe Index mit 600 Titeln, global sogar den MSCI Welt-Index mit etwa 1.600 Titeln, auszuwerten. So können auch „Hidden Champions“ aus der zweiten Reihe für ein Portfolio identifiziert und selektiert werden, die bei einem traditionellen Research-orientierten Zugang gar nicht ins Auge gefallen wären. Die systematische Übergewichtung einheimischer oder großer Unternehmen, einfach nur weil man diese besser kennt, kann in einem quantitativen Modell nicht auftreten. Denn hier werden die Titel konsequent nach den Kennzahlen und Faktoren des Modells ausgewählt. Die „Story“ zu den Unternehmen und seine persönliche Meinung dazu blendet der Portfoliomanager dagegen bewusst aus, um Intuition und Irrationalität zu eliminieren. Die Investmententscheidung ist damit in jedem einzelnen Fall konsequent, nachvollziehbar und wiederholbar. Selbstverständlich liegt so ein Modell nicht immer mit allen von ihm selektierten Titeln richtig. Entscheidend ist jedoch, dass das Portfolio über einen längeren Zeitraum insgesamt eine zuverlässige Performance bei begrenztem Risiko liefern kann. Neben der Diversifikation über Einzeltitel kann das Risiko-Rendite-Profil von Quant-Fonds auch durch die Kombination unterschiedlicher Investmentstile verbessert werden. Das von ODDO BHF entwickelte Modell beruht auf fünf Faktoren, die fünf Investmentstile repräsentieren: W Bewertungsniveau W Kursverlauf (Momentum) W Analystenvertrauen W Unternehmenswachstum W Marktrisiko Pro Faktor werden immer die 20 besten Titel in das jeweilige Faktorportfolio aufgenommen – egal wie sie in den anderen Faktoren abschneiden. In Summe ist das Portfolio dann mit etwa 100 Titeln breit gestreut und stilneutral aufgestellt. Die Kombination der Investmentstile in dem Modell zeigt sehr gut, wie Risiko durch Diversifikation reduziert werden kann. Läuft ein Faktor schlecht, wird er durch andere Faktoren kompensiert. Insbesondere die Kombination aus fundamentalen Faktoren (Bewertung, Revision, Wachstum) und technischen (Momentum, Risiko) erweist sich als vorteilhaft. Denn so ist es möglich, die Investition in einzelne Faktoren und Investmentstile in Phasen schlechter Performance durchzuhalten, um so an der anschließenden Erholung zu partizipieren. Das Quant-Modell Algo 5 setzt auf eine sehr aktive Positionierung in den einzelnen Titeln und Investmentstilen, bietet in Summe aber ein diversifiziertes Portfolio mit kontrolliertem Gesamtrisiko. Fazit Die quantitativen Aktienstrategien, wie sie auch ODDO BHF Asset Management einsetzt, zielen nicht darauf ab, als „One- Hit-Wonder“ Performance-Spitzenreiter des Jahres zu werden. Wohl aber haben sie das Potenzial, mittel- bis langfristig eine Mehrrendite gegenüber ihrem Vergleichsindex zu erzielen. W Konsequent, nachvollziehbar, wiederholbar Von Dr. Carsten Große-Knetter, Leiter Aktienfondsmanagement – quantitativ bei ODDO BHF Asset Management Juli 2018 69

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