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AssCompact 07/2018

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INVESTMENT Robo Advice

INVESTMENT Robo Advice aus der Perspektive unabhängiger Vermögensverwalter © iconimage – Fotolia.com Automatisierte Vermögensverwaltungen sind auf dem Vormarsch. Vermögensverwalter selbst rechnen allerdings nicht mit einem schnellen Durchbruch von Robo Advice. Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielfältig. Das ändert nichts daran, dass Robo Advice ein Thema ist, mit dem sich Vermögensverwalter in der Zukunft beschäftigen müssen. Die meisten Vermögensverwalter erkennen eine gewisse Relevanz in der digitalisierten Geldanlageberatung und Vermögensverwaltung. Allerdings fehlen derzeit noch konkrete Vorstellungen, wie sich die Entwicklung auf das eigene Geschäft auswirken könnte oder wie neue Technologien zweckmäßig einzusetzen sind. Das geht aus einer Umfrage der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm unter rund 650 Vermögensverwaltern hervor. Interesse an Robo Advice 34% der Befragten gaben an, dass sie sich für das Thema interessieren, aber Robo Advice derzeit noch nicht anbieten. 32% beschäftigen sich bereits jetzt intensiv mit dem Thema. Für immerhin 31% der Befragten ist Robo Advice ein relevantes Thema bei zukünftigen Kundengenerationen. Nur 3% der Teilnehmer rechnen damit, dass Robo Advice in ca. einem Jahr relevant sein wird, und weitere 2%, dass es in zwei bis drei Jahren relevant wird. Nutzen von Robo Advice Worin könnte ein möglicher Nutzen für die Vermögensverwalter liegen? Hier sehen 29% ein Kostensenkungspotenzial und 24% einen möglichen künftigen Imagefaktor. Der Aussage, dass Robo Advice bereits jetzt ein wichtiger Imagefaktor sein könnte, stimmen allerdings nur 2% der Befragungsteilnehmer zu. Weitere Felder, auf die sich die Nutzung von Robo Advice im Moment auswirkt, sind die Neukundengewinnung sowie die Kundenbindung – jeweils 8% der Befragten sehen das so. Konkrete Aktivitäten Die meisten Teilprozesse der Geldanlageberatung und Vermögensverwaltung sind grundsätzlich vollständig digitalisierbar. Gegenüber den bereits heute existierenden technischen Möglichkeiten ist der Digitalisierungsgrad jedoch noch immer relativ gering. Dies dürfte insbesondere an der Einstellung der Akteure zum Thema Robo Advice liegen, die – wie oben gezeigt – durchaus von Interesse geprägt ist, aber hinsichtlich konkreter Handlungsschritte weitgehende Zurückhaltung zeigt. So verwundert es nicht, dass die konkrete Aktivität gegenüber dem Interesse am Thema Robo Advice und den wahrgenommenen Nutzenpotenzialen in der Befragung deutlich abfällt. So planen nur 7% der Befragten den Einsatz eines White Label Robo Advisors, nur 3% entwickeln einen Robo Advisor. 2% gaben an, bereits einen eigenen Robo Advisor zu betreiben. Robo Advice als Zwischenziel einer vollständigen Digitalisierung wird derzeit nur von einer kleinen Minderheit erreicht. 15% der Teilnehmer sind davon überzeugt, dass Robo Advice derzeit und 70 Juli 2018

auch in der Zukunft nicht relevant für ihr Unternehmen sein wird. Dies könnte daran liegen, dass man die eigene Dienstleistung als nicht digitalisierbar wahrnimmt. Von 22% der Befragten wird dies so empfunden. Immerhin 24% der Befragten gaben an, dass es für andere Unternehmen relevant ist, nur nicht für die eigenen Dienstleistungen. Insoweit wäre eine Zurückhaltung bei konkreten Aktivitäten zu Robo Advice bei etwa einem Viertel der Befragungsteilnehmer mit der Überzeugung zu begründen, mit der eigenen individuellen Dienstleistung oder in der Branche als Ganzes nicht von grundsätzlichen Änderungen durch Digitalisierung betroffen zu sein. Relevant, aber nicht wichtig genug Ein weiteres knappes Viertel der Befragten sieht die Relevanz durchaus, priorisiert das Thema jedoch gegenüber anderen Belangen niedriger: Für 22% der Befragten ist Robo Advice zwar relevant, aber es gibt für sie wichtigere Themen. Somit lässt sich etwa die Hälfte der Zurückhaltung durch eine mehr oder weniger klare Ablehnung sowie durch eine geringe Priorisierung erklären. Nicht erklären lässt sich, weshalb ein gutes Drittel der Befragungsteilnehmer zwar grundsätzlich die Relevanz von Robo Advice sieht und das Thema mit Interesse verfolgt, daraus aber offenbar keine konkreten Maßnahmen ableitet. Zwei große Lager Betrachtet man die abgegebenen Kommentare bei der offenen Frage nach der ganz persönlichen Meinung zum Thema Robo Advice, ergibt sich ein ähnliches Bild: Die Befragungsteilnehmer verteilen sich auf das etwas größere positive Lager und das negative Lager. 16% der Beiträge halten Robo Advice bereits jetzt für einsetzbar. Fast die Hälfte der Beiträge enthält weitere positive Meinungen. Man sieht insbesondere ein großes Zukunftspotenzial (30%) oder denkt, dass Robo Advice als ergänzende Dienstleistung eingesetzt werden kann (19%). Ein knappes Drittel äußert sich klar negativ und hält Robo Advice für ungeeignet (30%). 5% der offenen Beiträge reklamieren, dass der Begriff unscharf definiert sei. Aus den offenen Kommentaren lässt sich ablesen, dass W Robo Advice heute insbesondere bei Retail-Kunden und kleineren Vermögen gesehen wird, W Robo Advice in Kombination mit weiterer Prozessautomatisierung einen Effizienzfaktor darstellt, insbesondere im Hinblick auf Prozesskosten, W sich der Markt eindeutig in diese Richtung bewegt, sodass Robo Advice in Zukunft auch im Hinblick auf vermögende Kunden (nächste Kundengeneration) Relevanz besitzt, W sich Robo Advice als eigenständige Dienstleistungsklasse herausbilden wird, W sich Vermögensverwalter mit Robo Advice neue Kundengruppen erschließen können, W die Umsetzung insbesondere für kleinere Vermögensverwalter als problematisch angesehen wird bzw. der Aufwand schwer abschätzbar erscheint. Manche Äußerungen lassen einen gewissen Missmut gegenüber dem Thema erkennen, beispielsweise wenn von „altem Wein in neuen Schläuchen“ oder „viel heißer Luft“ gesprochen wird. Teilweise klingt auch etwas Häme oder vorauseilende Schadenfreude an. Zusammenfassung Aktuell wird Robo Advice noch fast gar nicht eingesetzt. Robo Advice ist aber ein Thema, mit dem sich Vermögensverwalter in der Zukunft beschäftigen müssen. Durch standardisierte Robo-Advice-Lösungen könnte sich die Zahl der Nutzer erhöhen. Der Einsatz von Robo Advice hat großes Potenzial, wenn auch andere Automatisierungsschritte umgesetzt werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass Robo Advice für Kosteneinsparungen und eine Imageverbesserung sorgt. Vor allem junge Anleger erwarten digitale Prozesse und Services. Insbesondere eignet sich die Vermögensanlage mit Robo Advice für Anleger mit geringerem Anlagevolumen, die keine individuelle Beratung in Anspruch nehmen wollen. Anleger mit einem hohen Vermögen wünschen sich nach Meinung der Befragten hingegen eher eine individuelle persönliche Beratung und wollen sich nicht allein auf Robo Advice verlassen. W Von Prof. Dr. Thomas Bahlinger in Zusammenarbeit mit Marissa Schutsch, TH Nürnberg Georg Simon Ohm Juli 2018 71

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