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AssCompact 08/2019

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INVESTMENT | Roundtable

INVESTMENT | Roundtable 1. Investment Roundtable 2019 Die Fondsbranche wie auch die Fondsvermittlung unterliegen zahlreichen Veränderungen durch Regulatorik, Digitalisierung und Demografie. AssCompact hat Experten zu einem Gespräch über aktuelle Entwicklungen und Trends an einen Tisch geladen. Was die Kapitalmärkte angeht, herrscht gerade einiges an Unsicherheit. Gleichermaßen sind Ihre Vertriebspartner mit den Themen Regulatorik und Digitalisierung beschäftigt. Was sind Ihrer Meinung nach hier die wichtigsten Treiber? Alexander Koch Wenn ich hier gleich einsteigen darf, würde ich zunächst einmal fragen: Ist das Risiko der heutigen Zeit ein volatiler Markt oder ist das Risiko heute nicht eher, keine positiven realen Erträge mehr zu erzielen? Letzteres ist, glaube ich, das eigentliche Thema, das Berater, Vermögensanleger, Private Banker und Wealth Manager beschäftigt. Den Markt kennt man ja, aber nun üben Regulatorik und andere strukturelle Veränderungen Druck auf die Geschäftsmodelle aus. Die Kosten steigen, der Druck auf die Margen damit auch. Mit den retrofreien Anlageklassen und den Clean-Fee-Share-Klassen gibt es so gut wie keine Bestandspflegeprovisionen mehr. Martin Stenger Ja, das würde ich unterstreichen und noch um die Digitalisierung erweitern wollen. Wir müssen uns ja die Frage stellen: Wie digital ist der Kunde eigentlich? Daraus resultieren die Fragen: Habe ich den richtigen Prozess mit meinem Geschäftsmodell? Übernimmt der Robo die Beratungssituation oder wie geht es weiter? In Beraterkreisen wird dies viel diskutiert, denn man darf nicht unterschätzen, wie viel Beratungswunsch auf Kundenseite noch da ist. Ich glaube aber, dass man mit einem AssCompact Investment Roundtable – die Teilnehmer: Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der Asset Standard GmbH Alexander Koch, Head of Regional Sales bei BlackRock Charles Neus, Leiter Altersvorsorge-Lösungen der Schroder Investment Management (Europe) S. A. Martin Stenger, Sales & Relationship Manager UBS Fondcenter der UBS Fondcenter AG Monika Tautorus, Leiterin Produktservices der AXA Konzern AG Moderation: Brigitte Horn, AssCompact intelligenten Tool den jeweiligen Berater sehr gut unterstützen und damit auch die Entscheidungsqualität gerade hinsichtlich der regulatorischen Anforderung verbessern kann. Frau Tautorus, welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Monika Tautorus Als Versicherer kommen wir ja ein bisschen aus einer anderen Welt, geprägt von Altersvorsorge und langfristiger Einmalbeitragsanlage. Und wir stellen in diesem Jahr schon fest, dass nach den Irrungen und Wirrungen an den Börsen zum Ende 2018 Garantieprodukte wieder mehr nachgefragt werden. Einmalbeitragsprodukte, die keine feste Garantie haben, leiden. Da lässt sich auf jeden Fall die Kapitalmarktentwicklung ablesen. Klaus-Dieter Erdmann Als Investmentleute sehen wir das natürlich kritisch. Es ist ein Problem, dass Anleger immer noch meinen, mit einer Garantie und ohne Risiko eine Rendite erzielen zu können. Die Zeiten sind vorbei. Leider haben wir aber in Deutschland keine Aktienkultur. Charles Neus Unsicherheit und eine komplizierte Regulatorik sind nicht die besten Voraussetzungen, den Kunden 56 August 2019

ei der Auswahl der richtigen Altersvorsorgelösungen zu beraten. Deswegen sehen wir es als oberste Priorität, unseren Kunden, sprich den Vermittlern, hier mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für uns heißt dies auch, den Vermittlern mit einfachen Marketing- und Produktlösungen dabei zu helfen, ihren Beratungsprozess zu erleichtern. Es wird aber mittlerweile viel aufgeklärt und mit Friedrich Merz gibt es prominente Unterstützung für Aktien. Tautorus In der Tat klären wir unsere Kunden stärker auf. Normalerweise reporten wir nur halbjährlich, was heißt, dass die Kunden zum 31.12. Reports erhalten haben, die nicht besonders schön waren. So haben wir zum 30.04. einen neuen Stand herausgegeben und da haben wir sehr viel positive Resonanz erhalten. So konnten wir zumindest die Unruhe einfangen. Erdmann Ja, wir haben ja alle im ersten Quartal wieder viel gut machen können. Aber an eine grundsätzliche Unterstützung der Politik für die Anlage in Aktien glaube ich nicht. Es gab ja deutlichen Gegenwind zu den Vorschlägen von Herrn Merz und prominente Politiker verweisen ja gerne darauf, dass sie auch nur ein Sparbuch hätten. Und die Diskussion über die Einführung einer Finanztransaktionssteuer macht Aktien für Privatanleger auch nicht attraktiver. Koch Zudem fehlt leider auch der edukative Charakter. Für die Investor Pulse Studie befragt BlackRock regelmäßig Sparer. Dabei kommt heraus, dass sich die Deutschen Sorgen um vieles machen, aber wenig um die Altersvorsorge. Ich möchte aber noch etwas anfügen. Wir sehen häufig nur auf den Dax oder die Indizes, wenn wir über Volatilität reden. Wenn wir aber mal die Dividendenrenditen einbeziehen, sehen wir, da lagen wir in den letzten Jahren immer um die 3%, und da liegen die positiven und realen Erträge. Nur fehlt da oftmals wieder das Wissen. Neus Gerade in den letzten zwei Jahren haben wir wieder eine Zunahme an Anlegern beobachtet, die in Investmentfonds investieren. Und das ist sehr erfreulich. Dies zeigt, dass wir als Branche durchaus gute Arbeit leisten. Ausreichend ist das jedoch noch lange nicht. Im Vergleich zu den Nachbarländern besteht immer noch Nachholbedarf auf Anlegerseite. Hier hilft ein aufgeklärter und vor allem ein überzeugter Vermittler, der die Zusammenhänge von Sicherheit und Risiko in der Altersvorsorge verständlich machen kann. Was kann ein Vermittler tun? Oder zieht er sich vielleicht sogar eher zurück? Tautorus Wir unterstützen unsere Vertriebspartner ja mit regelmäßigen Veranstaltungen und Online-Seminaren zum Kapitalmarkt. Da haben wir einen erstaunlich hohen Zuspruch auch bei Versicherungsvermittlern. Der wichtigste Schritt am Vermittlermarkt ist wirklich, das Thema konstant und dauerhaft zu besetzen, Informationen zur Verfügung zu stellen und Ableitungen in „Was mache ich damit bei meinem Kunden?“ mitzugeben. Koch Konstant und dauerhaft sind super Stichwörter. Denn darum geht es per se. Ich glaube, es wird immer eine Symbiose sein – wir sind ja angewiesen auf die Kolleginnen und Kollegen und deren Beratungsleistung als auch auf deren Impulse, um unsere Mandate und Produkte voranzubringen. Gleicher - maßen unterstützen wir mit regelmäßigen Informationen – seien es wöchentliche Kapitalmarktausblicke, wiederkehrendes Informationsmaterial oder Kundenorientierung. Stenger Kontinuität heißt für mich aber auch, einfach mal anzufangen und auch durchzuhalten. Denn mit jedem Jahr, wo der Kunde in einer Anlage ist, relativiert sich sein Risikoempfinden. Wir in Deutschland haben oft diese punktuelle Stichtagsbetrachtung zum 31.12. Kein Mensch schaut sich jeden Tag den Wert seiner Immobilie an, tut dies aber beim Sparen. Dabei verliert man manchmal das langfristige Ziel des Vermögens- oder Vorsorgeaufbaus aus den Augen. Neus In den vielen Gesprächen mit Beratern spüren wir die Bereitschaft, sich auf die neue Welt, in der Investieren das neue Sparen ist, einzulassen. Der Vermittler ist bereit, Geld und Zeit in weitere Ausbildungsmaßnahmen zu investieren. Dies darf natürlich nicht das Tagesgeschäft beeinträchtigen. Eine Weiterbildung sollte maximal drei bis vier Werktage in Anspruch nehmen. O Martin Stenger (l.) und Alexander Koch (r.) fordern mehr Kontinuität bei der Geldanlage. August 2019 57

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