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AssCompact 08/2019

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INVESTMENT | Roundtable

INVESTMENT | Roundtable Die Chancen liegen auf der Straße, könnte man meinen. Aber? Erdmann In den vergangenen Jahren war der Berater mit administrativen Dingen beschäftigt – mit DSGVO, MiFID II, IDD usw. Ich wünschte mir, da käme langsam mal etwas Ruhe rein. Allein mir fehlt der Glaube, wenn ich die nächsten Themen schon sehe – zum Beispiel das Thema Nachhaltigkeit. Das ist ein großes Thema. Es wird vermutlich die Branche die nächsten Jahre beschäftigen. Welche Auswirkungen könnten die angestrebten ESG-Kriterien der EU haben? Ziel ist, Finanzströme in nachhaltige Projekte, Unternehmen usw. zu lenken. Neus Wir halten einen vorausschauenden, fundamental ausgerichteten Anlageprozess für unerlässlich. Nur so kann man die Auswirkungen von Nachhaltigkeitskriterien verstehen, die in traditionellen Finanzanalysen oft unberücksichtigt bleiben. Wir untersuchen, wie Unternehmen mit ihren Kunden, Zulieferern und Mitarbeitern interagieren und sich an strukturelle, soziale und ökologische Trends anpassen. Dabei berücksichtigen wir die gesamten ökologischen und sozialen Kosten ihrer Aktivitäten. Unser Integrationsansatz deckt den gesamten Lebenszyklus einer Investition ab, von der Identifizierung von Trends und der Analyse von Unternehmen bis hin zur Interaktion mit Entscheidungsträgern in den Unternehmen, um Verbesserungen zu bewirken. Das Ganze umfasst auch die Abstimmung bei Hauptversammlungen und eine ausführliche Berichterstattung über unsere Aktivitäten. Stenger Bei uns im Haus ist Nachhaltigkeit schon seit mehreren Jahren ein Thema. Das ist also nichts Neues im vermögensverwaltenden Kontext. Nur ist nicht jedes Produkt, das als nachhaltig am Markt eingeführt wird, auch tatsächlich nachhaltig. Bei uns gibt es nachhaltige Strategien schon mehrere Jahre – sowohl auf Passiv- als auch auf Aktivseite. Ein wichtiger Punkt in Bezug auf Nachhaltigkeit ist „Dass nachhaltige Produkte weniger renditestark oder risikoträchtiger seien, ist inzwischen widerlegt. Gerade auf der passiven Seite sieht man stark, dass die Komponenten in die einzelnen Indizes involviert werden.“ Alexander Koch, BlackRock die Frage, ob man nur etwas weglässt, was man als nicht mehr opportun betrachtet, oder ob man einen echten Schritt dahingehend macht, dass man beim nachhaltigen Investieren darauf achtet, dass eine Messbarkeit der Nachhaltigkeit entsteht. Das ist ja das, was in Brüssel im Moment geprüft wird. Da gibt es auf unserer Seite ein aktives Produkt, das sogar einen eigenen Report dazu rausgibt, welche Nachhaltigkeitsschritte entstehen – im Sinne von Impact-Investing. Da ist auch das Stichwort Engagement zu nennen, also wie sehr setzt man sich als Kapitalverwaltungs - gesellschaft oder Fonds ein, dass bei gewissen Häusern sich die Art zu arbeiten nachhaltiger ausrichtet. Koch Dabei sind die Vorurteile, dass nachhaltige Produkte weniger renditestark oder risikoträchtiger seien, inzwischen widerlegt, denke ich. Auch unser Haus bietet beide Seiten an. Gerade auf der passiven Seite sieht man aber stark, dass die Komponenten in die einzelnen Indizes, also im weiteren Sinne in die ETFs, involviert werden. Da findet auf jeden Fall ein Wandel statt, über die ESG-Komponente hin zum Impact-Investing. Was aber auch regulatorisch noch wichtig ist, ist, dass man einen einheitlichen Nenner findet. Als Unternehmen selbst haben wir ein eigenes Impact-Team, das sich mit diesem Thema beschäftigt. Und es wird in Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Tautorus Wir sind da genauso unterwegs, und zwar auch schon seit vielen Jahren. Bereits vor fünf Jahren sind wir mit unseren eigenen Anlagen aus der Kohle ausgestiegen. Wir haben inzwischen ganz klare Vorgaben in der gesamten Anlagestrategie, diese Dinge im hohen Maße zu berücksichtigen, und das zieht sich bei uns durch alle Klassen. Wie wir zukünftig mit Fonds, die wir in fondsgebundenen Versicherungen anbieten, umgehen, haben wir noch nicht entschieden. Am schönsten wäre es, wenn alle Häuser sich dazu entscheiden würden, diesen Weg mitzugehen und diese Komponenten in die einzelnen Fonds mitaufzunehmen. Wir sehen auch, dass der Druck immer größer wird. Aber wie gesagt, wir sehen das sehr positiv. Was bedeutet das dann für den Vertrieb? Erdmann Es gibt schon einige Berater, die sich schwerpunktmäßig auf dieses Gebiet fokussiert haben und ihre Kunden in diese Richtung beraten. Wie das dann sein wird, wenn alle Berater im Anlageberatungsprozess verpflichtend die Nachhaltigkeitspräferenz des Kunden hinterfragen, um die entsprechende Anlage zu empfehlen, wird sich zeigen. Ich habe die Hoffnung, dass es kein bürokratisches Monster wird – egal ob in der Beratung oder in der anschließenden Begleitung. Wir beschäftigen uns auch mit diesem Thema. Uns geht es da um Transparenz im Bereich der vermögensverwaltenden Produkte. Allerdings sind wir da auch von den Datenanbietern abhängig und die wollen die Datenlieferung inzwischen natürlich auch gut bezahlt wissen. Das finde ich nicht besonders prickelnd und da würde ich mir wünschen, dass vonseiten der EU entsprechende Daten zur Verfügung gestellt würden, damit der Berater nicht überlegen muss, sich die Daten für teures Geld dazukaufen zu müssen. Stenger Der Erfolg, den sich der Gesetzgeber wünscht, hängt genau von diesem 60 August 2019

Punkt ab. Für den Berater muss es einfach sein, das Richtige zu wählen, ohne dass weitere Ausgaben entstehen. Das Thema in die Geeignetheitsprüfung zu integrieren, halte ich für machbar. Aber im deutschen Fondsuniversum muss ganz klar zu erkennen sein, ob der Ausschnitt sauber im Sinne der Nachhaltigkeit ist, weil er über die Taxonomie freigegeben wurde – dann kann der Berater entsprechend agieren. Neus Der Vertrieb hat bei uns eine breite Auswahl an Nachhaltigkeitsfonds. Und wir legen weiter nach: Erst dieses Jahr haben wir mehrere Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt, jüngst den Schroder ISF QEP Global ESG ex Fossil Fuels. Weitere auf Nachhaltigkeit fokussierte Fonds werden folgen. Dann lassen Sie uns zu einer Schlussrunde kommen: Worauf sollten sich Vermittler bzw. Berater in den nächsten sechs bis zwölf Monaten fokussieren? Neus Die Vermittler haben für sich und ihre Kunden erkannt, dass ein Umdenken bei der Wahrnehmung von Sicherheit und Risiko sinnvoll ist. Genau hier sollten wir ihn abholen, und zwar mit innovativen, risikoarmen Lösungen. Das bedeutet kostengünstige Multi-Asset-Lösungen mit einem hohen Nachhaltigkeitsgehalt, begleitet mit den üblichen digitalbasierten Marketingunterlagen. Bei Schroders sind wir dafür bestens ausgestattet. Erdmann Letztlich sollten sie sich auf den Kunden fokussieren und dabei die Kapitalmärkte mit im Blick behalten. Wir plädieren seit Jahren dafür, dass der Berater die Vermögensverwaltung – also die Allokation des Vermögens – delegiert, und das möglichst an mehrere Köpfe und mehrere Stile in Form von vermögensverwaltenden Fonds. Und zusätzlich muss er sich natürlich darüber Gedanken machen, wie er seinen Kunden an sich bindet und informiert. Tautorus Mein Appell ist einfach, die Chancen, die wir zu den verschiedenen Themen gesehen haben, zu erkennen und zu nutzen. Diese aufzubereiten und dann auch mit dem Kunden zu besprechen. Da kommt in der Regel auch Geschäft raus. Es DKM-Kongress Investment Weitere nützliche Informationen zur Zukunft des Investmentvertriebs gibt es auf dem Kongress Investment auf der DKM 2019. Der in Kooperation mit funds excellence gestaltete Kongress findet am 23. und 24.10.2019 in Halle 3, C02 statt. ist eigentlich das Wichtigste, die Dinge an- und aufzunehmen, sich nicht verschrecken zu lassen oder sich abzuwenden, sondern sich im Gegenteil darauf einzulassen und die positiven Dinge zu sehen. Ein bisschen mehr Mut! Koch Die Welt und der Markt sind wieder einmal im Wandel, ob das nun Regulatorik, strukturelle Veränderungen oder technische Aspekte sind. Das soll und darf den Berater nicht abschrecken, sondern ganz im Gegenteil bietet das eine unheimlich große Chance, noch näher an den Kunden zu gelangen und noch mehr Service und Effizienz zu bieten. Das ist eine Chance! Stenger Der Berater soll klar vom Kunden her denkend die Dinge wahrnehmen. Er ist der Navigator für die ganzen Veränderungen. Er führt den Kunden durch die aktuellen Geschehnisse am Kapitalmarkt. Er ist lokal vor Ort, um die globalen Themen einzusortieren, damit das Ziel des Kunden erreichbar wird. Wenn er sich dieser Sache verschreibt, dann kann er nur gewinnen. W Klaus-Dieter Erdmann (l.) und Monika Tautorus (r.) fordern Berater dazu auf, sich auf die Chancen und Kunden zu konzentrieren. August 2019 61

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