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AssCompact 08/2020

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INVESTMENT

INVESTMENT „Nachhaltige Wachstumstrends statt kurzfristigem Hype“ Interview mit Aisa Ogoshi, Fondsmanagerin in der Emerging Markets und Asia Pacific (EMAP) Aktiengruppe bei J.P. Morgan Asset Management Die aktuelle Börsenrallye zeigt wieder einmal, dass die Aktienmärkte häufig zu kurzfristig fokussiert sind. Für langfristig orientierte, aktive Fondsmanager schafft das aber auch interessante Möglichkeiten. Aisa Ogoshi setzt lieber auf langfristige strukturelle Trends statt auf „Schlagzeilen“ – und auf Investments in der gesamten Pazifik-Region. 2020 ist so ganz anders verlaufen, als viele gedacht hätten. Wie haben Sie als Fondsmanagerin die Corona-Krise erlebt? Oh ja, wer hätte mit einer Pandemie gerechnet, die weite Teile der Welt in einen Lockdown schickt? Die asiatischen Aktienmärkte waren die ersten, die von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen waren – und sie waren auch die ersten, die von dem Rückgang zur Normalität in der Region profitieren konnten. Noch ist vieles weiter unklar, aber die Krise hat dazu geführt, dass die Unternehmen in allen Regionen der Welt neu bewertet wurden. Dabei hat sich rund um den Globus ein Trend manifestiert, nämlich die immer stärkere Digitalisierung. Immer mehr Menschen arbeiten von zu Hause aus – auch ich habe über Monate vom Home „Anleger sollten sich weiter auf solide langfristige Office aus meinen Fundamentaldaten in Verbindung mit attraktiven Fonds gemanagt Bewertungssignalen konzentrieren.“ und war dank der digitalen und interaktiven Möglichkeiten immer im engen Austausch mit unserem Team. Und auch sonst haben sich neue Online-Gewohnheiten geprägt. So nutzen viele Menschen nun stärker E-Commerce- Plattformen und Online-Banking sowie digitale Bezahlmöglichkeiten. Viele dieser Entwicklungen werden über die Krise hinaus Bestand haben, da sie bestehende Prozesse nur beschleunigt haben und technologische Innovationen in Asien untermauern. Covid-19 führte zu einem beispiellosen Marktabsturz und einer ebenso schnellen Erholung. Aktuell sind die Märkte aufgrund der Besorgnis über eine zweite Corona-Welle wieder etwas volatiler. Wie beurteilen Sie diese Marktentwicklung? Die Märkte können in Zeiten extremer Volatilität, wie wir sie derzeit wieder erleben, sehr kurzfristig getrieben sein. Wir sind überzeugt, dass ein disziplinierter Investmentprozess bei der Navigation durch den Lärm der Schlagzeilen unerlässlich ist. Anleger sollten sich weiterhin auf solide langfristige Fundamentaldaten in Verbindung mit attraktiven Bewertungssignalen konzentrieren. Parallel sollte das Risiko auf einem angemessenen Niveau gemanagt werden, um Alpha-Chancen zu nutzen. In den letzten Wochen gab es einen Wechsel in der Anlegergunst: von Aktien, die vom Trend, zu Hause zu bleiben, profitieren, zu Namen, die bei Wiederaufnahme der Wirtschaftsaktivitäten an Fahrt aufnehmen sollten. Wie positioniert man sich da am besten? Unabhängig davon, in welchem der beiden Lager die Unternehmen sind: Wir sind überzeugt, dass Qualitäts - unternehmen mit starkem Management aus der Pandemie in einer gestärkten Position in ihren jeweiligen Branchen hervorgehen werden. Und so haben wir die Volatilität der letzten Wochen genutzt und unsere Allokation in solche „Quality Growth“-Unternehmen innerhalb unseres Portfolios verstärkt. Wie behalten Sie angesichts der anhaltenden Unsicherheit die Nerven? In Zeiten wie diesen vertrauen wir auf unseren disziplinierten, langfristigen Anlageprozess. Die langfristigen strukturellen Trends in Bereichen wie Technologie, bei der Verbrauchernachfrage nach höherwertigen Gütern und im Gesundheitswesen werden langfristig weiter anhalten. Heutzutage entwickelt sich der Nachrichtenfluss schnell und jeder Tag bringt neue Entwicklungen. Der Vorteil der über 30-jährigen Historie und Erfahrung mit dem Pacific Equity Fund ist jedoch, dass wir vieles schon einmal gesehen haben, sei es die asiatische Finanzkrise, das Platzen der Dotcom-Blase, die Finanzkrise oder auch Gesundheitskrisen wie SARS. Auf Basis von Schlagzeilen zu investieren, hat sich noch nie bewährt. Der Schlüssel besteht darin, längerfristige Strategien zu vertreten, bei denen es möglich ist, analytische Ergebnisse umzusetzen. Ihr Pacific Equity Fund hat in diesem Jahr den €uro Fund Award sowie den 60 August 2020

Refinitiv Lipper Fund Award jeweils über kurz-, mittel- und langfristige Zeiträume als bester Asienfonds verliehen bekommen. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs? Dank der Unterstützung unseres einzigartigen Teams aus Unternehmensanalysten und Länderspezialisten vor Ort in der Region ist es uns immer wieder möglich, herausragende Anlageideen zu entdecken, die alle anderen übersehen haben. Grundsätzlich ist unsere Strategie aber kein Geheimnis, sondern wir verfolgen eine Bottomup-Strategie und konzentrieren wir uns auf die langfristigen strukturellen Wachstumschancen in der Asien- Pazifik-Region. Wir haben einen teambasierten Ansatz, der immer wieder sehr gut funktioniert, um Qualitäts - namen mit langer Wachstumsdauer zum richtigen Preis zu identifizieren. Ich bin mit diesem Ansatz sehr zufrieden und würde immer langfristige Nachhaltigkeit gegenüber einem kurzfristigen Hype wählen. Welche vielversprechenden Trends in der Asien-Pazifik-Region haben Sie im Portfolio? Wir haben beispielsweise eine Übergewichtung in verschiedenen Unternehmen des Gaming-Sektors. Spannend daran ist, dass einerseits die Zeit, die für diese Spiele aufgewendet wird, in allen Altersgruppen weltweit wächst, wobei die Asiaten führend sind. Smartphones haben es dem Markt für Gratisspiele ermöglicht, weltweit zu expandieren, während das Spielen mit Konsolen zu Hause inzwischen generationsübergreifend gewor - den ist – Eltern, die mit diesen Spielen aufgewachsen sind, spielen heute zum Spaß mit ihren Kindern, was in früheren Generationen nicht der Fall war. Zudem hat sich die Monetarisierung von Spielen deutlich verbessert: Durch die Möglichkeit zum Online-Herunterladen sind bei Gratis-Formaten die In-App-Käufe zu einem wichtigen Merkmal geworden. Das ist positiv, da es die Volatilität der Einnahmen während des Spielzyklus verringert. Und schließlich werden starke Inhalte und Lizenzen – denken Sie nur an Super Mario oder Pokémon – in der Cloud- Streaming-Ära zunehmend nachgefragt, und da lässt sich eine ganze Reihe von spannenden Inhalten in Asien finden. In China haben wir darüber hinaus einen Schwerpunkt in Aktien der New Economy, die von strukturellen Trends wie der wachsenden Mittelschicht und Innovationen profitieren. Weitere spannende Unternehmen finden wir im Gesundheitswesen, im Konsumbereich und bei Internetwerten. Und welches sind Ihre bevorzugten Länder bzw. welche mögen Sie aktuell am wenigsten? Der Portfolioaufbau erfolgt ja rein über die Aktienselektion, und auf dieser Basis sind wir derzeit in Taiwan am stärksten übergewichtet, da wir dort eine Reihe attraktiver zyklischer Qualitätsnamen finden können. Japan ist derzeit am stärksten untergewichtet, was allerdings lediglich das Bewertungs - niveau von Qualitätsnamen in Japan widerspiegelt. Wir bevor - zugen weiterhin Unternehmen, die ihre globale Wettbewerbsfähigkeit bewiesen haben. Was ist das stärkste Argument für eine Investition in die Asien-Pazifik-Region und nicht nur in die wachstums - starken Länder in Asien? Mit einem breiten Fokus auf die ganze Region sind viel bessere risikobereinigte Erträge zu erzielen. Sie können die Vorteile des Wachstums in Schwellenländern nutzen und gleichzeitig ein geringeres Gesamt - risiko eingehen. Gerade wegen der Dominanz Chinas ist es sinnvoll, mit Japan ein starkes Aisa Ogoshi „Gerade wegen der Dominanz Chinas ist es sinnvoll, mit Japan ein starkes Gegengewicht zu haben und die Diversifikation zu erhöhen.“ Gegengewicht zu haben und die Diversifikation zu erhöhen. Nachdem die letzten beiden Dekaden eher schwach waren, gibt es derzeit eine neue Welle von Unternehmen, die führend in Bereichen mit strukturellem Wachstum sind, so wie Automatisierung, Internet und Handel. Und eine letzte Frage: Wie wichtig ist für Sie Nachhaltigkeit – heutzutage ja auch mit den drei Buchstaben ESG bezeichnet? Als fundamentale, langfristige Investoren glauben wir, dass Unternehmen, die ökologische und soziale Belange berücksichtigen und ein hohes Maß an Corporate Governance aufweisen, bessere langfristige Investments bieten. Seit vielen Jahren haben wir ESG-spezifische Fragestellungen als ein zentrales Element unseres Anlageprozesses verankert und unser Research- und Anlageprozess ist vollständig ESG-integriert. Das ist gerade in weniger transparenten Märkten ein wichtiges Entscheidungskriterium. W August 2020 61

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