Aufrufe
vor 4 Monaten

AssCompact 08/2020

  • Text
  • Digitale
  • Krise
  • Zudem
  • Vertrieb
  • Vermittler
  • Digitalen
  • Versicherer
  • Makler
  • August
  • Unternehmen

MANAGEMENT & VERTRIEB ©

MANAGEMENT & VERTRIEB © peshkov – stock.adobe.com Emotional Leadership – Wenn Fakten allein nicht mehr weiterhelfen Leistung ist heute nicht mehr alles, Menschen wollen auch in Unternehmen als Persönlichkeiten mit Herz und Verstand wahrgenommen werden. Schlüsselqualifikationen für Führungskräfte sind heute deshalb Empathie und Inspiration. Die Welt ändert sich rasant – und mit ihr die Anforderungen für Firmen und Führungskräfte. Begonnen mit dem Internet, weitergeführt mit dem Smartphone, haben wir in den vergangenen zehn Jahren mehr Änderungen erlebt als im gesamten letzten Jahrhundert. Mit den Veränderungen in der Welt haben sich die Anforderungen an Führungskräfte von heute verändert. Was früher von Erfolg gekrönt war, bringt viele Manager und Leader heute nicht mehr voran. Außergewöhnliche Strategien sind notwendig, um exzellente Ergebnisse und Erfolge zu erzielen. Der Umgang mit Emotionen spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Das Wissen darum, was Menschen bewegt und motiviert, ist eine Grundfähigkeit für die emotionale Führung. „Firmen, die gestärkt aus Veränderungen hervorgehen wollen und Marktdynamiken für sich nutzen wollen, bilden ihre Führungskräfte und Mitarbeiter im Umgang mit Emotionen weiter.“ Erste Reaktion oft Abwehr Reaktionen, die im Business-Kontext hier zuerst kommen, gehen meist in diese Richtung: „Emotionen und Business – wie soll das gehen? Liegen wir uns dann alle nur im Arm und weinen? So kann man kein Unternehmen führen.“ Die Reaktion ist verständlich. Die Ansicht entspringt dem Bild des Menschen als Homo oeconomicus, das die Wissenschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Trennung von Körper und Geist geprägt hat. Dieses Bild wirkt bis heute nach und spiegelt sich in dem bisher noch mangelnden flächendeckenden Ausbildungsangebot zur Bildung der emotionalen Souveränität in Schulen, Universitäten und Weiterbildungsmaßnahmen wider. Der Emotional Turn Mit dem 21. Jahrhundert befinden wir uns nun mitten in einem „Emotional Turn“. Der Mensch ist keine Leistungsmaschine, sondern eine Persönlichkeit mit Herz und Verstand, der an Erkenntnis und Entwicklung interessiert ist. Immer mehr Studien zu den Themen Erfolg, Glück, Zufriedenheit und Gesundheit zeigen, dass der bewusste Umgang mit Emotionen – vor allem mit unangenehmen – den Erfolg im Leben bestimmen. Zu 80% hängt dieser von der emotionalen Intelligenz ab (Quelle: Trendstudie des Zukunftsinstituts: Siegeszug der Emotionen 2018). Emotional Leadership ist also kein Nice-to-have, sondern das Want-have für das 21. Jahrhundert, denn Emotionen sind der Treiber für Veränderung. Emotionale Führung schafft die Balance zwischen Hirn und Herz, um gute Entscheidungen zu treffen. Glück, Zufriedenheit, Trauer, Verzweiflung – der Umgang mit Emotionen bestimmt, wie Menschen reagieren. Denken, Fühlen und Handeln sind hirntechnisch untrennbar verbunden. Wer den Kontakt mit seinen Emotionen verliert, funktioniert nur noch und wird Opfer emotional manipulierbarer Strategien. Verleugnung und Unterdrückung von Emotionen machen krank und wirken sich auf direkt auf die Arbeitsleistung und die Motivation aus. Eine Studie der BKK hat gezeigt, dass jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland von Burnout bedroht ist. Die DAK hat untersucht, dass 17% der Krankheitstage wegen psychischer Belastung genommen werden. Was ist Emotional Leadership? Der Zusammenhang zwischen Emotional Leadership, Mitarbeiterzufriedenheit, Identifikation, Teamzusammenhalt und Höchstperformance wurde in zahlreichen Studien nachgewiesen. Emotional Leadership ist individuelle Führung, die 90 August 2020

Die wichtigsten Fragen, um im Emotional Leadership die nächsten Schritte zu gehen W W W W W W W W W Was bietet die Firma an, um Mitarbeiter und Führungskräfte emotional auszubilden? Was ist der ganzheitliche Unternehmenszweck? Beinhaltet die Unternehmensvision individuelle, gesellschaftliche und gemeinschaftsorientierte Ideen? Wie werden Fühlen und Denken in die Unternehmenskommunikation, die Führungskultur und die Kooperation mit Partnern/Kunden integriert? Was wird getan, um eine Kultur des Vertrauens zu fördern? Welche Fehlerkultur gibt es? Wie ist die emotionale Stimmung im Unternehmen? Was sind die vorherrschenden Schlüsselemotionen? (Herrscht kühle Distanz oder ein energetisches Miteinander?) Was wird konkret getan, um Freude im Unternehmen zu fördern? (Freude ist der Treiber für Veränderung und Ideen.) Was braucht ein Emotional Leader? Zum Basiswissen eines Emotional Leaders gehört also Emotionswissen. Klassisches Unwissen im Umgang mit Emotionen zeigt sich zum Beispiel in der Ausführung von Change-Prozessen, die scheitern. Wer hört „alles wird neu oder muss anders“, blockiert innerlich. Die Botschaft dahinter lautet: „Alles in der Vergangenheit war schlecht.“ Unbewusst führt dies zu inneren Widerständen und ist einer der Gründe, warum Change-Prozesse im Unternehmen oft nicht gut oder nicht schnell genug funktionieren. Damit Change funktioniert, gehört an den Anfang ein einfacher Schritt: Wertschätzung der Vergangenheit. Veränderung ist zu einem Teil mit der „Emotion Trauer“ verbunden. Trauer ist eine Emotion, die uns in die Ruhe bringt, und es kommt keine „Wir packen es an“-Stimmung auf. Eine Führungskraft, die jetzt motivieren will und mit kraftvoller Energie daherkommt, missversteht die inneren emotionalen Abläufe eines Menschen. Die Vergangenheit will immer erst wertgeschätzt werden. Dann ist Platz für Neugierde, Interesse und Freude an der aktiven Gestaltung der Zukunft vorhanden. „Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene Emotionen und die von anderen wahrzunehmen, zu beurteilen, zu verstehen und die zugrunde liegende Kraft jeder einzelnen Emotion konstruktiv zu nutzen.“ die Stärken eines jeden Mitarbeiters in den Vordergrund stellt, ihn als ganzheitliches Wesen mit Bedürfnissen und Wünschen erfasst, um so starke Teams aufzubauen und zu positionieren. Das Training der emotionalen Intelligenz stellt hierbei eine Schlüsselrolle dar, denn diese kann im Gegensatz zum IQ, der genetisch festgelegt ist, trainiert werden. Die Emotionserkennungsfähigkeit lässt sich messen und als Prüfungskriterium heranziehen. Übersetzt bedeutet das: Wie gut kann jemand Emotionen anhand von Mikroexpressionen in der Mimik – also im Gesicht – seines Gegenübers ablesen? Tatsache ist, dass fast jeder zweite Gesichtsausdruck in Deutschland fehlinterpretiert wird. Hier gibt es also enormen Bildungsbedarf. Wie sollen Führungskräfte wissen, was Mitarbeiter bewegt, wenn sie die Emotionen im Gesicht nicht erkennen können? Und wenn sie die Emotionen im Gesicht lesen können, wissen sie dann, wie man mit den unterschiedlichen Emotionen umgeht? Diese Fähigkeiten muss ein Emotional Leader also haben: W Hohe Emotionserkennungsfähigkeit durch Mimikresonanz W Hohe Selbstwahrnehmung: Emotionen verstehen und wahrnehmen W Hohe Selbstregulation: Denken und Verhalten ver - stehen und anpassen W Motivations- und Bedürfniswissen: Verhalten von anderen verstehen und lenken W Hohe Empathie W Emotionsunterscheidungsgenauigkeit durch einen hohen Wortschatz W Von Yvonne Schönau Yvonne Schönau ist International Speaker und Trainerin für emotionale Intelligenz. Sie wird beim DKM-Kongress Vertrieb, der bereits zum neunten Mal inhaltlich von der Buhr & Team AG für mehr Unternehmenserfolg gestaltet wird, zu hören sein. Der Kongress ist für den 29.10.2020 geplant. August 2020 91

AssCompact

AssCompact 05/2019
AssCompact 04/2019
AssCompact 03/2019
AssCompact 02/2019
AssCompact 01/2019
Digitale Krise Zudem Vertrieb Vermittler Digitalen Versicherer Makler August Unternehmen

Neues von AssCompact.de