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AssCompact 09/2018

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INVESTMENT | Roundtable

INVESTMENT | Roundtable 1. Investment Roundtable 2018 Der Investment-Vertrieb musste zum Jahreswechsel so viele neue Regulierungen wie nie verarbeiten. Beim 1. AssCompact Investment Roundtable 2018 diskutierten sechs Vertreter von Produktanbietern über den Umgang mit diesen Herausforderungen und welche weiteren Chancen und Gefahren in Zukunft auf Anbieter und Vermittler zukommen werden. Frau Härtl, waren die Regulierungen zur Jahreswende wirklich so umfassend oder wurde es heißer gekocht als gegessen? Sabine Härtl Uns haben fast alle Regulierungen getroffen, da wir sowohl auf der Fondsseite wie auch als Vermögensver - walter aktiv sind. Beim Thema PRIIPS ist zudem nach wie vor völlig unklar, wie man die Transaktionskosten berechnet. Bei einem unserer DWS-Fonds wurden zum Beispiel Transaktionskosten von 9% errechnet. Nach unserer Berechnungsmethode sind es 0,3%. Das zeigt, wie schwierig allein die richtige Berechnung für PRIIPS ist. Letztlich war das gesamte Thema MiFID II eine Katastrophe. Bei vielem war unklar, wie man es umsetzen soll, weil es in der Regulierung nicht zu 100% drin stand. Wir haben versucht uns eng mit unseren Partnern abzustimmen. Bei manchen hatte man aber das Gefühl, dass sie noch nie etwas von MiFID II gehört hatten. Aber irgendwas musste man ja machen. Ich hoffe daher, dass es noch Nachbesserungen gibt. Inwiefern? AssCompact Investment Roundtable – die Teilnehmer: Klaus-Dieter Erdmann, Geschäftsführer der Funds Excellence GmbH Sabine Härtl, Leiterin Mandats- & Vertriebsmanagement der DJE Kapital AG Franz Linner, Leiter Finanzportfolioverwaltung der European Bank for Financial ServicesGmbH (ebase) Charles Neus, Leiter Altersvorsorge-Lösungen der Schroder Investment Management GmbH Jörg Spielberger, Head of Sales Insurances & IFAF der Franklin Templeton Investment Services GmbH Monika Tautorus, Leiterin Vorsorge Produktmanagement Produktservices der AXA Konzern AG Härtl Ich will nur mal ein Beispiel herausgreifen: die Verlusttragfähigkeit. Bei der Zielmarktdefinition gibt es nur keine oder geringe Verlusttragfähigkeit sowie eine Tragfähigkeit bis zum Totalverlust oder darüber hinaus. Als Fondsgesellschaft muss man festlegen, wo man sich da einstuft. Selbst relativ konservative Renten- oder Aktienfonds werden bei „bis zum Totalverlust“ eingestuft. Und das muss der Berater wiederum dem Kunden erklären können. Da ist vieles noch nicht sinnvoll. Die Regulierung hat uns viel Arbeit beschafft. Zugleich beschweren sich die Kunden, dass sie mit weiteren neuen Dokumenten überflutet werden, die sowieso keiner versteht. Franz Linner Das ist genau der springende Punkt. Die Menge an Unterlagen, die man dem Kunden zugemutet hat, bringt diesem in der Regel nichts. Selbst bei Kleinstkäufen muss man das ganze Brimborium durchführen, sodass die Leute sagen: Geht’s noch? Muss das für einen 50-Euro-Sparplan wirklich sein? Auf der anderen Seite gibt es erfahrene Anleger, die das alles nicht brauchen, weil sie wissen, was sie tun. Der Schutzgedanke ist wichtig und gut, aber man ist teilweise übers Ziel hinaus geschossen. Wie hinderlich ist die Regulierung konkret für den Berater? Klaus-Dieter Erdmann Aus der Regulierung ist eine Bevormundung geworden und in vielen Fällen auch eine Geschäftsbehinderung. Wenn man mit Kunden sämtliche Dokumente detailliert durchgehen will, ist ein halber Tag nichts. Das kann es nicht sein – egal ob es um kurzfristige Anlagen, Vermögensverwaltungen oder um die Altersvorsorge geht. Charles Neus Fakt ist: Je länger ein Gespräch dauert, desto geringer ist die Chance auf einen Abschluss. Zudem wird die Verunsicherung immer größer. Bei den ganzen Warnungen und Aufklärungen wird es immer schwieriger, dem Kunden das Gefühl zu geben, dass es richtig ist, was er da tut. 62 September 2018

Hinzu kam in diesem Jahr dann auch noch die DSGVO. Inwieweit war das Thema für Fondsgesellschaften und Versicherer relevant? Erdmann Das war natürlich auch für die Anlageindustrie ein Thema. Man musste mit jedem Kunden in Kontakt treten und die Datenschutzvereinbarungen überarbeiten. Jörg Spielberger Regulierung und Datenschutz sind natürlich wichtige Themen, bei denen in der Tat übers Ziel hinausgeschossen wurde. Vor lauter Kürzeln weiß man zeitweise gar nicht, wo man anfangen soll. Bei Franklin Templeton kümmert sich ein 50 Mann und Frau starkes Team nur um solche Themen. Ich frage mich, inwieweit diese Themen eine Bringschuld sind. Sollte es nicht vielmehr eine Holschuld sein? Wenn es um das neue Smartphone oder um die Ausstattung des Autos geht, ist das für den Endkunden natürlich interessanter. Aber Altersvorsorge und Vermögensaufbau sind so wichtig, dass man erwarten sollte, dass sich der Endkunde ein Stück weit die Zeit nimmt. Das gilt auch, wenn er einen Berater hat, um diesem einige Fragen stellen zu können. Kann der Kunde bei den ganzen Dokumenten überhaupt noch durchblicken? Erdmann Man muss aufpassen, dass man sich nicht nur in Erklärungen und Aufklärungen bewegt, ohne den Kunden in der eigentlich wichtigen Sache, nämlich der Anlage, zu beraten. Trotzdem muss man es tun. Das erste Halbjahr 2018 war fast nur davon geprägt, sich mit irgendwelchen Regulatorien auseinanderzusetzen. Der Kunde versteht das alles gar nicht. Und wenn er etwas gelernt hat, dann, dass er die Finger von allem lassen sollte, was er nicht versteht. Warum liegen noch 2 Bio. Euro auf Sparkonten? Weil die Leute sich nicht bewegen. Weil sie verunsichert sind. Weil sie nicht genug wissen. Weil der Dax ohnehin so hoch steht und der nächste Crash bestimmt kommt. Und wenn die Zinsen steigen, ist das auch schlecht für viele Anlagen. Aus dieser Gemengelage heraus passiert verständlicherweise gerade wenig. Das klingt ziemlich ernüchternd. Kommt man aus dieser Misere heraus? Neus An der fortschreitenden Regulierung wird sich vorerst nichts ändern. Bei Versicherungsmaklern kommt sogar noch hinzu, dass es Überlegungen gibt, ihre Provisionen zu deckeln. Monika Tautorus Dafür soll es nach den aktuellen Informationen dazu dann mehr laufende Provisionen geben. Wobei man dann wird nachweisen sollen, dass der Kunde auch tatsächlich betreut wird. Ich bin auch gespannt, was noch kommen wird. Für 2019 zumindest dürfte das aber nicht mehr umsetzbar sein. Erdmann Insgesamt habe ich dennoch die Hoffnung, dass wir etwas regulatorische Ruhe bekommen, nachdem die ganzen genannten Projekte nun weitestgehend umgesetzt sind, und wir uns stattdessen darauf konzentrieren können, den Kunden bei der Suche nach den richtigen Produkten zur Absicherung und Altersvorsorge zu unterstützen. Da gibt es schließlich viele neue Alternativen zu klassischen Produkten, mit denen es sich lohnt, sich auseinanderzusetzen. Welche, das wollen wir nicht zuletzt auf der DKM 2018 im Rahmen des Kongresses Investment vermitteln. Spielberger Auf der einen Seite wird vor allem auf der Versicherungsseite viel gefordert, auf der anderen Seite soll das Produkt aber noch günstiger werden. Das gilt umso mehr, als die Kosten mittlerweile sehr transparent sind. Qualität hat ihren Preis – ob auf Produktebene oder bei der Anlageberatung. Wie wichtig wird das Thema Kosten für die Fondsindustrie noch werden? Neus Das wird die große Diskussion der nächsten Jahre werden. Gerade für ein Haus, das aktives Management vertritt, wird das Thema Kosten noch einige Zeit ein wichtiges bleiben. Wir haben nichts dagegen, dass Produkte günstig sein sollen. Die Frage ist nur, zu wessen Lasten das geht. Ich befürchte, es wird zulasten des Kleinstanlegers gehen. Viele O Monika Tautorus (AXA) sieht zwischen Versicherern und Fondsgesellschaften große Unterschiede im Vertrieb. September 2018 63

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