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AssCompact 09/2018

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INVESTMENT © Andrey Popov – Fotolia.com Crowdfunding in Deutschland Crowdfunding entwickelt sich weltweit dynamisch zu einer Alternative zu klassischen Finanzierungen und Investments. In Deutschland stockt die Entwicklung hingegen noch. Dabei stellt die Europäische Union sogar den Rahmen für eine Crowdfunding-Regulierung bereit, von der Investoren wie Unternehmen profitieren würden. Crowdfunding hat sich als innovative als Finanzierungsform für Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen weltweit etabliert. Global wurden im Jahr 2016 über 261 Mrd. Euro von der Crowd in Unternehmen und Projekte investiert. Auch in Deutschland boomt die Schwarmfinanzierung. Mit 321 Mio. Euro Volumen im Jahr 2016 wuchs der deutsche Crowdfunding Markt um 23%. International noch hinterher Gleichzeitig zeigt der internationale Vergleich, dass es in Deutschland im Bereich des Crowdfundings noch viel Wachstumspotenzial gibt. So haben andere Länder Europas deutlich höhere Wachstumsraten. In Frankreich wuchs beispielsweise der Markt um 40% auf insgesamt 444 Mio. Euro. Gemessen an der volkswirtschaftlichen Stärke könnte Deutschland ein mindestens doppelt so hohes Marktvolumen haben. Skandinavier auf der Überholspur Stattdessen haben selbst die skandinavischen Länder die Bundesrepublik bereits überholt. Alle skandinavischen Länder zusammen haben im Jahr 2016 ein Volumen von 323 Mio. Euro erreicht. Das dynamische Wachstum in Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland kommt nicht von ungefähr. Die skandinavischen Länder haben in den letzten Jahren ihre Crowdfunding-Märkte so aufgestellt, dass sie europaweit wett - bewerbsfähig sind. Das verbessert den Kapitalzugang für kleine Unternehmen und ermöglicht den Plattformen ein deutliches Wachstum. Vor allem zwei Wachstumsbereiche Dies wäre auch für Deutschland sehr wünschenswert. Schließlich ist die Finanzierung auch hierzulande für viele Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. In Deutschland wachsen bisher vor allen Dingen die Bereiche Crowdlending und Crowdinvesting mit zweistelli- 74 September 2018

gen Wachstumsraten. Hierzu tragen insbesondere Immobilieninvestments bei und darüber hinaus die Tatsache, dass sich zunehmend auch die institutionellen Anleger beteiligen. Wichtiger Bestandteil europäischer Unternehmensfinanzierungen Insgesamt profitierten europaweit mehr als 14.000 Unternehmen vom Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen. An diese Unternehmen wurden über 1,1 Mrd. Euro über Crowdplattformen vermittelt. Wenngleich traditionelle Finanzierungen wie zum Beispiel Bankkredite ein Vielfaches ausmachen, hat sich Crowdfunding auf Gesamteuropa gesehen dennoch bereits zu einem wichtigen Bestandteil der Unternehmensfinanzierungen entwickelt. EU-Prospektverordnung Die Europäische Union hat mit der Reform der EU-Prospektverordnung ermöglicht, dass die Mitgliedsstaaten eine attraktive Crowdfunding-Regulierung entwickeln und eine Ausnahme von der Prospektpflicht bis zu 8 Mio. Euro festlegen können. Dieser Schritt ist sinnvoll. Es ist daher zu hoffen, dass Deutschland sich an seinen Nachbarn orientiert und die Möglichkeiten der Erleichterung von Crowdfunding, welche die Europäische Union bietet, umsetzt. Nur so kann Deutschland im internationalen Vergleich beim Crowdfunding wettbewerbsfähig bleiben. Hürden für die Internationalisierung gibt. Dies ist insbesondere auch aus Sicht der kapitalsuchenden Unternehmen bedauerlich, die gerne auch Anleger aus dem europäischen Ausland erreichen würden. Sinnvolle Schwellenwertanhebung Im Rahmen der Umsetzung der EU-Wertpapierprospektverordnung, die der Deutsche Bundestag am 28.06.2018 beschlossen hat, sind wichtige Weichen gestellt worden, um das Potenzial von Crowdinvesting als einen festen Bestandteil im Finanzierungsmix von Unternehmen zu manifestieren. Mit der Anhebung des Schwellenwerts für die Pflicht zur Erstellung eines Wertpapierprospektes auf 8 Mio. Euro ist ein wichtiger Schritt genommen. Drohende Ungleichbehandlung Gleichzeitig ist zu bedenken, dass diese Regelung gegenwärtig nur für Aktiengesellschaften gilt. Start-ups und KMU, die in der Regel in Form einer GmbH organisiert sind, können nicht davon profitieren. Hier ist die Bundesregierung gefordert, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Ungleichbehandlung von Aktiengesellschaften und GmbHs führt nicht zu einer Stärkung von Mittelstand und Start-ups. Da die Prospektfreiheitsgrenze derzeit nicht auch für GmbHs angehoben wird, können zukünftig zwar Aktien bis 8 Mio. Euro prospektfrei angeboten werden, Anteile an einer GmbH- aber nur mit einem Bruchteil dieses Werts. Hier liegt der Schwellenwert bei nur 100.000 Euro. Weitere Schritte müssen folgen Die Bundesregierung hat gehandelt und einen ersten Schritt in die richtige Richtung getan. Weitere Schritte müssen aber folgen, damit die von der Europäischen Union vorgesehenen Impulse für die Unternehmen auch in Deutschland eintreten können. Sonst wird der Abstand zu anderen Ländern irgendwann nicht mehr aufzuholen sein. W Gegenwärtige Rechtsunsicherheit Gegenwärtig besteht eine gewisse Rechtsunsicherheit durch die in kurzem Abstand durchgeführten Evaluierungen und Änderungen des Kleinanlegerschutzgesetzes. Nachteilig für die deutschen Plattformen wirkt sich darüber hinaus aus, dass es in Deutschland kein Crowdfunding-Gesetz aus einem Guss gibt, das sich an den europäischen Kapitalmarktregularien orientiert. Stattdessen gibt es einen deutschen Sonderweg in Form der Schwarmfinanzierungsausnahme im Rahmen des Kleinanlegerschutzgesetzes. Diese Ausnahme ist nicht auf andere Länder in Europa übertragbar, sodass es für die deutschen Crowdfunding-Plattformen besondere Von Uli W. Fricke, Stellvertretende Vorsitzende des Bundesverband Crowdfunding e.V. September 2018 75