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AssCompact 09/2019

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INVESTMENT | Roundtable

INVESTMENT | Roundtable Roundtable Alternative Investmentfonds Sachwertinvestments haben sich seit Einführung des KAGB grundlegend gewandelt. Streng regulierte Investments dominieren heute den Markt. Ihr Vertrieb kommt bisher aber nicht in Schwung. Im ersten AssCompact Roundtable Alternative Investmentfonds diskutieren Branchenvertreter, woran es hakt und was sich in Zukunft ändern muss. Sachwerte und geschlossene Fonds haben es bei Anlegern wie auch bei Vermittlern weiter schwer. Dabei sind sie seit dem KAGB aus dem Jahr 2013 ähnlich gut reguliert. Warum kommt das Geschäft trotzdem nicht so richtig in Schwung? Jens Freudenberg Den meisten ist gar nicht bewusst, dass die neue Welt in Form der Alternativen Investmentfonds (AIFs) nicht mehr mit den alten Sachwertprodukten und geschlossenen Fonds vergleichbar ist. Was genau hat sich denn verändert? Clemens Mack AIFs zeichnen sich durch ein hohes Maß an Klarheit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit aus. Auch das Thema Bewertung hat sich klar verbessert. Es ist viel mehr Klarheit in die Produkte gekommen. Nur wurde diese Klarheit bisher nicht transportiert. Da ist unsere Branche definitiv hinten dran. Es muss uns gelingen, den Kunden mitzunehmen und davon zu überzeugen, dass er etwas kauft, was unter dem Strich genauso klar und übersichtlich ist wie ein offener Investmentfonds. Auch die Kostenstrukturen unterscheiden sich zwischen beiden Fondsarten übrigens nicht mehr großartig. Roundtable Alternative Investmentfonds – die Teilnehmer: Jens Freudenberg, Vertriebsdirektor der BVT Unternehmensgruppe Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG Clemens Mack, Geschäftsführer der ÖKORENTA FINANZ GmbH Andreas Schütz, Geschäftsführer Real Estate der Dr. Peters Group Moderation: Michael Herrmann, AssCompact Freudenberg Wir haben nach der KAGB-Regulierung sicherlich den Fehler gemacht, dass wir weiter an der Herausgabe des Prospektes festgehalten haben und diesen nicht, wie es die offenen Investmentfonds tun, hinterlegen und online zugänglich machen. Genau das hat uns wieder einen Schritt weg vom Wettbewerb, den offenen Investmentfonds, gebracht. Unsere Anleger bekommen nach wie vor einen viele Seiten umfassenden, in kleingedrucktem Schwarz-Weiß erstellten Prospekt nach dem Erstgespräch. Dadurch wirken unsere Produkte im Vergleich zu einem offenen Investmentfonds unglaublich komplex – obwohl sie es in aller Regel nicht sind. Der AIF hat grundsätzlich die gleiche Regulatorik und die gleichen Chancen und Risiken wie ein offener Aktien- oder Rentenfonds. Das wird dadurch verkannt. Andreas Schütz Ein wesentlicher Punkt, der sich nicht verändert hat, ist die Höhe der Mindestanlagesumme, die je nach AIF bei bis zu 20.000 Euro liegt. Damit schließen wir per se alle Anleger aus, die keine derartigen Summen anlegen können oder sich wohler dabei fühlen, 74 September 2019

Vermögensaufbau über einen monatlichen Fondssparplan zu betreiben. Mit geringeren Mindestanlagesummen könnten wir auch diese Zielgruppen ansprechen. Ansonsten gebe ich meinen Vorrednern recht: Ein AIF unterliegt grundsätzlich der gleichen Regulatorik und ist durch die regelmäßigen Bewertungen und Reportings nicht minder transparent als ein offener Investmentfonds. Beispiele wie der nun eingeführte Net Asset Valie (NAV) bei Immobilien- AIFs zeigen zudem, dass wir bestrebt sind, die Transparenz noch weiter zu erhöhen. Vielen Anlegern ist aber gar nicht bekannt, was hinter dieser Zahl steht. Ist es eher ein Kommunikations- oder ein Transparenzproblem? Schütz Ganz klar ein Kommunikationsproblem. Bislang ist es nicht gelungen, den Anlegern die Vorteile der Regulierung zu vermitteln. Auch die Botschaft von der Transformation unserer Branche ist bei vielen Anlegern nicht richtig angekommen. Hier müssen sich alle Beteiligten zusammentun und noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten. Wir sehen aber, dass die Nachfrage nach AIFs wieder steigt. Zudem ist selbst bei Anlegern, die aktuell noch per Crowd - investing in Immobilien investieren, das Interesse an lang laufenden Projekten groß. Ganz besonders, wenn diese Projekte kontinuierliche Auszahlungen bringen. Diesen Anlegern müssen wir unser Produkt noch besser erklären. Denn die Renditeprofile beispielsweise unserer Immobilien-AIFs sind sehr attraktiv. Zudem bieten die langen Laufzeiten und kontinuierlichen Auszahlungen Stabilität. ältere Investoren nicht mehr akzeptabel. Deshalb suchen sie nach Alternativen. Und die müssen und können wir ihnen bieten. Welche Rolle spielt in Bezug auf Laufzeiten die Möglichkeit, Fonds vorzeitig auf dem Zweitmarkt zu veräußern? Alex Gadeberg Als Zweitmarktbörse würde ich natürlich hoffen, dass jeder Kunde seinen Anteil direkt wieder verkauft. Aber Spaß beiseite. Niemand soll einen AIF kaufen, um ihn morgen wieder zu verkaufen. Das sollte man aber auch beim Aktienoder Rentenfonds nicht tun. Der Zweitmarkt ist ein wichtiges Ventil, um im Zweifel wieder rauskommen zu können. Mack Beim Zweitmarkt kommt auch das Bewertungsthema wieder zum Tragen. In der neuen Welt werden wir über kurz oder lang zu einer übersichtlicheren und leichteren Handelbarkeit kommen, weil man mit dem NAV auch als Kunde einen reellen Vergleichswert für den Fondswert erhält. In der klassisch geschlossenen Welt war das anders. Da waren die Kurse für den privaten Käufer und Verkäufer überhaupt nicht transparent. Gadeberg Jetzt haben Käufer und Verkäufer einen Richtwert. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Nicht in erster Linie für den Zweitmarkt, sondern um sehen zu können, wie es um mein Vermögen bestellt ist. Dass der NAV nicht immer exakt stimmen kann, ist auch klar. Aber er gibt zumindest einen guten Anhaltspunkt für das Fondsvermögen. Vielen Kunden und Vermittlern ist aber nicht klar, dass es den NAV gibt, was er bedeutet und wie er ermittelt wird. Gadeberg Der NAV gibt den Nettowert des Fondsportfolios an. Bei allen unter dem KAGB aufgelegten Produkten ist gesetzlich festgelegt, wie dieser NAV ermittelt werden muss. Es müssen zum Beispiel externe Experten für die Wertberechnung beauftragt werden, die zudem alle zwei Jahre getauscht werden müssen. Von dem von ihnen ermittelten Wert der Assets müssen dann noch Schulden und die Kosten abgezogen werden. O Bleiben lange Laufzeiten ein wichtiges Merkmal oder unterscheidet sich auch hier die neue Welt der AIFs von der alten Welt der Sachwertinvestments und geschlossenen Fonds? Freudenberg Auch hier hat sich die Produktwelt gewandelt. Wir haben zwar oftmals immer noch – konzeptionsbedingt – lange Laufzeiten, in unserem US-Segment bieten wir aber auch Laufzeiten von nur drei bis vier Jahren pro Projektentwicklung an. Ein solcher Kurzläufer wird auf der Vertriebsseite sehr positiv angenommen. Lange Laufzeiten sind gerade für Jens Freudenberg (r.) will das Bewusstsein für die Unterschiede zwischen AIFs und der alten Sachwertewelt schärfen. September 2019 75

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