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AssCompact 09/2020

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ASSEKURANZ © metamorworks – stock.adobe.com Der Cyberversicherungsmarkt – Eine spannende Entwicklung Das Risiko, Opfer eines Cybervorfalles zu werden, steigt weiter an. Diese Erkenntnis fordert Unternehmen sowie Versicherer heraus und hat Einfluss auf Konditionen und Inhalte von Policen wie auch auf das Verhalten von Versicherungsnehmern, Versicherern und Vermittlern. Kurzum: Sie beeinflusst die Gesamtentwicklung dieses aufstrebenden Marktes. 2021 feiert die Cyberversicherung in Deutschland ihren zehnten Geburtstag. In der Regel sind runde Geburtstage ein schöner Anlass und alle Gäste feiern mit. Bei der Cyberversicherung herrscht hierzulande jedoch nicht in allen Bereichen ausgelassene Feierlaune. Der deutsche Cyberversicherungsmarkt erlebt seine erste Bewährungsprobe. Zur Marktsituation Der deutsche Cybermarkt wird bis Ende des Jahres 2020 ein Prämienvolumen von rund 250 Mio. Euro erreichen. Auf Anbieterseite sind rund 50 Versicherer und über 100 Produkte zu finden. Die „Zugehörigkeitsdauer“ der Versicherer ist dabei sehr unterschiedlich, jedoch ist ein so starker Zuwachs von neuen Anbietern wie in den Jahren 2015 bis 2018 nicht mehr zu beobachten. Als Vergleich dazu: In den USA waren im Jahr 2019 laut einem Bericht der National Association of Insurance (NAIC) 192 Versicherer Anbieter von Cyberver - sicherungen, das Prämienvolumen lag bei 2,26 Mrd. US-Dollar. Die Anzahl der Policen wie auch das Prämienvolumen wachsen in Deutschland weiterhin stärker als in jeder anderen Sparte der Assekuranz. Der Zuwachs ist nicht einheitlich nur einem Kundensegment zuzuordnen, sondern wächst branchenübergreifend und für Industrie- und Gewerbesparte gleichermaßen. Die Cyberversicherung hat mit ihrem Prämienvolumen bereits die Sparte Vertrauensschadenversicherung überholt. Nach Schätzung verschiedenster Marktteilnehmer liegt die Marktdurchdringung bei den deutschen Unternehmen dennoch bei gerade mal 15 bis 20%. Als Vergleich dazu sei erwähnt, dass neun von zehn Unternehmen eine Betriebshaftpflichtversicherung besitzen. Risiko und Schadenentwicklung Das Bewusstsein für schwerwiegende Unternehmensrisiken wird jährlich durch das Allianz Risk-Barometer, für das Unternehmen verschiedenster Branchen befragt werden, geschärft. Im Ranking der Risiken finden sich nun Cybervorfälle erstmals auf Position 1 wieder. Eine Folge daraus ist, dass die Investitionen der Unternehmen für die Cybersicherheit von Jahr zu Jahr ansteigen. Diese Entwicklung innerhalb des Risiko-Managements kann man über alle Umsatzvolumina der Unternehmen erkennen; und dies, obwohl insbesondere größere Unternehmen mehr und qualifizierteres Personal für diesen Bereich abstellen. Im weltweiten 32 September 2020

Vergleich liegen Unternehmen in Deutschland mit ihren Budget-Ausgaben für Cybersicherheit aber nur im Mittelfeld. Die Techniken und Vorgehensweisen von Cybercrime-Tätern haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder verändert und weiterentwickelt. In der aktuellen Betrachtung ist zu erkennen, dass die Angriffe eine höhere technische Qualität und eine gezieltere Vorbereitung als früher aufweisen und sich die Täter intensiver mit dem Opfer im Vorfeld beschäftigen. Beispielsweise ist der frühere Trend von breit angelegten Angriffswellen auf Unternehmen, verbunden mit einem eher in geringerer Höhe geforderten pauschalen Lösegeld, abgelöst worden von einer individualisierten und genau auf das Opferunternehmen zugeschnittenen Lösegeldforderung. In einer aktuellen Studie des Cyberversicherers Hiscox werden die Angriffe via Phishing-Mails mit 44% als häufigste Angriffsart angegeben, gefolgt von Schadsoftware (Viren oder Trojaner). Nach den bisherigen Schadenerfahrungen sind die anfallenden Kosten der Wiederherstellung für das Unternehmen nach einem Cybervorfall, neben der Betriebsunterbrechung und dem Notfallmanagement, nicht zu unterschätzen. Die Schadenbelastung der Policen wird durch eine Aussage des Versicherers AGCS verdeutlicht: So wurde 2019 bei jeder vierten Cyberpolice ein Schaden gemeldet; 2017 war dies noch lediglich bei jeder zehnten Police der Fall. Der Vertrieb von Cyberversicherungen ist weiterhin als eine sehr attraktive Disziplin zu bezeichnen. Der erfolgreiche und richtige vertriebliche Ansatz bei den Unternehmen wird nun durch strengere Zeichnungs- und Underwriting-Guidelines der Versicherer reizvoll flankiert. Die Versicherer haben über die letzten Monate die Anzahl an Risikofragen sehr erhöht, was den Prozess eines Vertragsabschlusses für die Beteiligten lehrreich gestaltet. Basis der erweiterten Risikofragen der Versicherer sind die zunehmenden Schadenerfahrungen. Erstmals werden aufseiten der Versicherer auch Bedingungswerke inhaltlich eingeschränkt, während man über die letzten zehn Jahre hier noch ausschließlich einen fortschreitenden Inno - vations- und Entwicklungsprozess wahrgenommen hatte. Die Entwicklung bei Kapazität, Prämie und Underwriting gilt auch für das im dritten und vierten Quartal anstehende Renewal der Bestandskunden. Einige Versicherer fordern ganz grundsätzlich breit angelegte Informationen in Form eines Re-Underwriting. Fazit und zukünftige Entwicklung Die eingangs beschriebene Bewährungsprobe für die Marktteilnehmer dieser (immer noch) jungen Sparte ist als gesunde Entwicklung einzustufen. Es ist nach derzeitigem Stand nicht davon auszugehen, dass sich Versicherer von der generellen Bereitschaft, Cyberrisiken zu zeichnen, verabschieden. Die Cyberversicherung wird auch in den kommenden Jahren die Sparte mit dem größten Wachstum und Entwicklungspotenzial darstellen. Das Thema Cyber ist für den Versicherungsvermittler im Austausch mit seinem Kunden längst unverzichtbar geworden. Um den Überblick in dieser Sparte zu behalten, ist jedoch eine intensive Beschäftigung notwendig, da die Ver - sicherer in keiner anderen Sparte inhaltlich so unterschiedlich und innovativ sind wie in der Cyberversicherung. Einen wichtigen vertrieblichen Hinweis für das nächste Kundengespräch kann man auch der Aussage des ehemaligen Hackers Kevin Mitnick abgewinnen: „Sicherheitssysteme müssen immer gewinnen, der Angreifer hingegen muss es nur einmal.“ W Prämien, Kapazität und Underwriting Die beschriebenen Entwicklungen haben in den letzten Monaten dazu geführt, dass sich der Markt für Cyberversicherungen in Deutschland verhärtet und sich von einem Käufer- zu einem Verkäufermarkt gedreht hat. Über alle Anbieter hinweg ist zu verzeichnen, dass die angebotenen Versicherungssummenkapazitäten zurückgenommen werden, teilweise stark und unabhängig von der Bereitschaft der Versicherungsnehmer für höhere Prämien. Gleichzeitig passen die Versicherer die Prämien risikoübergreifend an, das heißt unabhängig von Größe und Branche. Von Florian Salm, LL.M., Spezialist für Cyberversicherungen bei der Erichsen GmbH September 2020 33

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