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AssCompact 10/2019

INVESTMENT © Chinnapong

INVESTMENT © Chinnapong – stock.adobe.com Wasser- und Abfallmanagement rücken in den Anlegerfokus Ein effizientes Abfallrecycling, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser oder Maßnahmen gegen die Vermüllung der Weltmeere: Menschen sind weltweit auf eine funktionierende Wasser- und Abfallinfrastruktur angewiesen. In den nächsten Jahren sind Investitionen in Billionenhöhe in diesem Bereich erforderlich. Davon können auch Anleger profitieren. Das anhaltende Bevölkerungswachstum, die Urbanisierung sowie strengere Umweltauflagen sind nur einige Gründe, weshalb das Wasser- und das Abfall - management immer wichtiger werden. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass im Jahr 2050 rund 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben – ca. 2,5 Milliarden mehr als heute. Prognosen zufolge wohnen dann mehr als zwei Drittel der Menschen in Städten, wo vor allem das Abfallproblem besonders gravierend ist. So geht die Solid Waste Association davon aus, dass 2050 weltweit bis zu 10 Millionen Tonnen Abfall täglich anfallen. Aktuell sind es rund 7 Millionen Tonnen. Eine globale Herausforderung Die größten Müllproduzenten finden sich in Industrie - nationen. Auch wenn die EU inzwischen bereits erste Schritte gegangen ist und Einwegplastik wie Plastikbesteck, Trinkhalme und Wattestäbchen ab 2021 verbieten will, besteht großer Handlungs- und Investitionsbedarf. Während in bevölkerungsreichen Regionen wie China und Indien noch relativ wenig Abfall pro Einwohner anfällt, produziert jeder Mensch hierzulande mehr als 600 Kilogramm pro Jahr. Damit liegt der Prokopfverbrauch in Deutschland über dem in Frankreich, Italien und den Niederlanden. Je mehr sich die Menschen in Schwellenländern am westlichen Lebensstil inklusive Wegwerfmentalität orientieren, desto mehr wächst jedoch auch dort der Müllberg. Es wird folglich wichtiger, nicht nur Kunststoffe, sondern alle Abfälle zu vermeiden und – falls dies nicht möglich ist – zu sammeln und zu recyceln. Doppelter Mehrwert durch Auslagerungen In weniger entwickelten Ländern werden oft mehr als 90% der Abfälle auf wilden Deponien entsorgt oder offen verbrannt. Diese Praktiken können erhebliche Gefahren für die Gesundheit, Sicherheit und Umwelt nach sich ziehen. Eine gut funktionierende Abfallwirtschaft ist jedoch teuer und kann Daten der Weltbank zufolge bis zu 50% des Gemeindebudgets ausmachen. Oft kann es sinnvoll sein, diese Aufgaben auszulagern, damit neue und bessere Technologien zum Einsatz kommen, um die Abfälle effizienter zu sammeln. Diese Lösungen schaffen häufig einen Mehrwert für beide Seiten: die Gesellschaft und die Abfallwirtschaft. Der Trend, dass die Gemeinwesen bei einer fortschreitenden Entwicklung ihr Abfallmanagement selbstständig organisieren, wird wahrscheinlich anhalten. Trinkwasser wird immer knapper Eine ähnlich große Herausforderung sind die Wasserversorgung und das Abwassermanagement. Während die Wasserinfrastruktur in Schwellen- und 70 Oktober 2019

Entwicklungsländern noch auf- und ausgebaut werden muss, ist sie in Industrienationen in vielen Fällen erheblich in die Jahre gekommen. So sind auch dort Investitionen zur Instandhaltung oder für neue Anlagen nötig. Daneben wird die Ressource Trinkwasser immer knapper. Einer Studie von McKinsey zufolge verbraucht die Menschheit heute täglich 4.500 Kubikkilometer Wasser. Im Jahr 2030 soll der Bedarf auf 6.900 Kubikkilometer Wasser steigen. Das meiste Wasser wird in der Landwirtschaft verbraucht, auf die rund zwei Drittel des globalen Wasserbedarfs entfällt. Dabei lässt der wachsende Wohlstand in Schwellenländern den Verbrauch weiter steigen. Wer mehr verdient, konsumiert auch mehr – und zwar Produkte, für deren Produktion viel Wasser anfällt. So benötigt man beispielsweise für die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts rund 2.700 Liter Wasser – eine Folge der ineffizienten Bewässerungstechnik auf vielen Baumwollplantagen. Auch in einer Tasse Kaffee stecken mit rund 140 Liter mehr, als ein durchschnittlicher Mensch hierzulande pro Tag verbraucht. Außerdem ist Trinkwasser eine endliche Ressource, und nur 1% des Wasservorkommens ist für Menschen nutzbar. Der Rest ist Salzwasser oder in Gletschern gebunden. Während sich Bewohner auf der Nordhalbkugel noch wenig Gedanken über Wasserknappheit machen müssen, haben Menschen in den BRIC-Staaten zusehends damit zu kämpfen. Über 2 Milliarden Menschen sollen dort im Jahr 2030 von extremem Wasserstress betroffen sein. zudem das Recycling schnell an Bedeutung, wobei Müll immer mehr zu einem wertvollen Rohstoff wird. Aktienauswahl hat sich vervielfacht Diese Entwicklungen spiegeln sich auch an den Finanzmärkten wider. Seit 1990 ist die Zahl der investierbaren Aktien in den Bereichen Wasser- und Abfallmanagement von 30 auf 300 gestiegen. Während die meisten Wasserfonds monothematisch gemanagt werden, bietet die Kombination der Anlagethemen Wasser und Abfall einen Mehrwert. Hintergrund ist, dass die Aktien der beiden Segmente nur gering korrelieren. Der Bereich Wasser umfasst beispielsweise viele Versorger, die gerade in volatilen Marktphasen wegen ihrer defensiven Eigenschaften Potenzial haben. Darüber hinaus kommen aber auch Pumpen- und Armaturenhersteller, Wasser - aufbereitungsunternehmen, Netzbetreiber sowie Mess- und Abrechnungsunternehmen für Anlagen infrage. Im Ab - fallsektor gibt es zum Beispiel interessante Investitionsmöglichkeiten bei Abfallsammelunternehmen, Entsorgern sowie entsprechenden Maschinenbauern und Spezialrecycling- Unternehmen, die beispielsweise im Bereich der Ressourcenrückgewinnung tätig sind. Breiter Zugang durch passenden Fonds Um Anlegern den Zugang zu diesen aussichtsreichen Anlagesegmenten zu ebnen, hat Fidelity den Sustainable Water und Waste Fund aufgelegt. Dieser Fonds berücksichtigt bei der Titelauswahl auch ökologische und soziale Kriterien sowie Aspekte einer guten Unternehmensführung. Über einen Marktzyklus hinweg strebt der Fonds ein langfristiges Kapitalwachstum an. Dies soll erreicht werden, indem weltweit in Unternehmen investiert wird, die in der Abfall- und Wasserwirtschaft tätig sind. Anleger sollten wissen, dass die Wertentwicklung stark von branchenspezifischen Faktoren beeinflusst wird, die sich von der Entwicklung marktbreiter Börsenindizes deutlich unterscheiden können. Bei einem ausreichend langen Zeithorizont und der Fähigkeit, Kursschwankungen an den globalen Aktienmärkten zu tragen, ist der Fonds ein Investment für alle Investoren, die auf wichtige Zukunftstrends und Nachhaltigkeit setzen wollen. W Anlagechancen im Wasser- und Abfallmanagement All das birgt aber auch Chancen für Unternehmen, die im Wasser- und Abfallmanagement tätig sind – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese reicht von Wasserquellen, aus denen mithilfe von Pumpen und Filtern Wasser gewonnen und gereinigt wird, bis hin zu Wasserspeichern und Wiederaufbereitungsanlagen, und von der Kontrolle der Wasserqualität bis hin zu effizienteren Bewässerungssystemen für die Landwirtschaft. In der Abfallwirtschaft gewinnt Von Bertrand Lecourt, Fondsmanager bei Fidelity International Oktober 2019 71

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