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AssCompact 12/2018

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MANAGEMENT & VERTRIEB

MANAGEMENT & VERTRIEB Die erste DIN-Norm in der Finanzberatung kommt Die DIN-Norm 77230 „Basis-Finanzanalyse für Privathaushalte“ steht vor dem Start. Schon im Januar 2019 soll es losgehen. Wie die Norm zustande kam, was sie bedeutet, welche Wirkung erwartet wird und was künftig geplant ist, darüber führte AssCompact auf der DKM 2018 ein Gespräch mit verschiedenen Beteiligten. Herr Winterhalter, welche Aussagekraft hat eine DIN-Norm? Christoph Winterhalter Eine DIN-Norm beschreibt einen gemeinsamen Nenner und stellt den Stand der Technik dar. So funktioniert das in der Produktnormung „In der DIN-Norm 77230 ist festgeschrieben, wie und eine professionelle Finanzanalyse für Privathaushalte auch in der durchzuführen ist – als Ausgangspunkt, um darauf eine Beratung aufzusetzen.“ Dienstleistungsnor - mung. Und in der DIN-Norm 77230 Christoph Winterhalter ist nun festgeschrieben, wie eine professionelle Finanzanalyse für Privathaushalte durchzuführen ist – als Ausgangspunkt, um darauf eine Beratung aufzusetzen. Das gab es bisher nicht. Holger R. Rohde Herr Rohde, der Verabschiedung der Norm für die Finanz - analyse ging eine langwierige Gremienarbeit voraus. Daran nahmen verschiedenste Verbands- und Interessenvertreter teil, unter anderem auch Sie als Vertreter von Stiftung Warentest. Wie darf man sich denn den ganzen Prozess bis zur Einigung vorstellen? Holger R. Rohde Auf jeden Fall herrschte nicht von Anfang an Einigkeit. Aber das geht auch gar nicht, wenn sich so viele verschiedene Interessengruppen an einem Tisch zusammenfinden und jeder seine eigenen Vorstellungen in so ein Gremium einbringt. Es war ein Gremium von 25, 30 Leuten – beginnend von Verbraucherschützern über kleine Beratungsunternehmen bis hin zu Großbanken. Jeder hat sich aktiv beteiligt. Die Fragen beginnen da bei einfachen Dingen, zum Beispiel damit: „Wie muss eine Haftpflichtversicherung konstruiert sein und müssen bei so einer Finanzanalyse-Norm die versicherten Risiken schon mit berücksichtigt werden?“ Oder es kam die Frage auf: „Ist der Disporahmen, den die Bank einräumt, Liquidität, die man berücksichtigen soll, oder nicht?“ Im Gremium haben wir uns dann dazu durchgerungen, dass dies Liquidität ist. Wer war denn dann der Schwierigste in den Gremien? CW Das kann und will ich nicht sagen. Aber es gibt immer schwierige Kandi - daten und es kommen Leute ins Gremium, um eine Norm zu verhindern. Das muss man wissen. Und letztendlich geht es am Schluss wirklich darum, Konsens zu erzielen. Das Gremium muss sich einigen. Kommt es zu keiner Einigung, gibt es keine Norm. Das heißt, es ist schon eine Errungenschaft, bei der Finanzanalyse eine Einigkeit erzielt zu haben? CW Absolut. Aber das war natürlich kein trivialer Prozess. Ich glaube, wir haben 55 Sitzungstage innerhalb von knapp vier Jahren gebraucht, um zu dem Stand zu kommen, an dem wir jetzt sind. Und so wird im Januar die Norm veröffentlicht. Nach der ersten Entwurfsveröffentlichung im Sommer kamen ja noch ziemlich viele Kommentare von Marktteilnehmern herein. Die Nacharbeiten sind nun alle enthalten? CW Ja, es wurden Hunderte von Kommentaren bearbeitet, im Gremium besprochen und in die Norm integriert. Es muss tatsächlich jeder Einwand bearbeitet und darüber abgestimmt werden. Nennen Sie uns doch noch einmal ein paar strittige Punkte. HRR Die Liquidität hatte ich ja schon genannt. Zudem haben wir im Gremium immer wieder mal den Vorwurf von Bankenseite gehört, dass alles sehr „versicherungslastig“ sei und die Bankprodukte 116 Dezember 2018

Im Gespräch Christoph Winterhalter, Vorsitzender des Vorstandes von DIN e. V. Matthias Kritzler-Picht, Projektleiter bei DIN e. V. Holger R. Rohde, Head of Research Insurance and Legal Issues bei Stiftung Warentest Dr. Klaus Möller, Vorstand der DEFINO Institut für Finanznorm AG und Obmann des Ausschusses für die DIN 77230 nicht genügend zur Geltung kämen, was vermutlich auch stimmte. Es ist uns nun aber ganz gut gelungen, alles sehr produktneutral zu gestalten. Ein Beispiel: Bei Absicherung eines BU-Risikos denkt man zuerst an eine Versicherung. Jetzt ist das offener und sie können alle möglichen Lösungen dort einbringen. Auch die Priorisierung der Themen war eine große Diskussion. So ist ein Bewertungsschema entstanden, um zu schauen, welches Risiko vor einem anderen Risiko abgesichert werden muss. Was genau sagt uns nun die Norm für die Finanzberatung? CW Wenn ich mich an diesen Prozess halte, dann hat die Finanzanalyse ein gewisses Qualitätsniveau. Das sagt die Norm aus. HRR Ja, aber es ist auf jeden Fall ein Missverständnis, wenn man denkt, die Beratung wird besser. Es ist keine Norm, die die Finanzberatung normiert. Sondern etwas, was davor liegt, nämlich die Analyse des Status quo. CW Es hilft aber der Branche, wenn die Analyse als Ausgangspunkt ein einheitliches Qualitätsniveau hat. So kann auch ein unabhängiger Berater eine Finanzanalyse erstellen und die Beratungsleistung kann dann von jemand anderem kommen. die Norm anwenden zu wollen, und ich gehe davon aus, dass sich über kurz oder lang jeder mit ihr auseinandersetzen muss. Schon allein deshalb, weil Verbraucher mit dieser Analyse zu ganz unterschiedlichen Beratern und Maklern gehen werden. Wenn dieser dann sagt, das interessiert mich alles nicht oder was soll ich damit anfangen, dann wird der Kunde wohl zu jemand anderem gehen. Wie kommt der interessierte Makler oder Berater zu der Norm? CW Die Norm ist letztendlich ein Produkt, das über unseren Verlag verkauft Christoph Winterhalter wird. Sie ist eine Empfehlung und kann als Basis für die Analyse herangezogen werden. Für kleine Unternehmen ist das eine große Hilfestellung, größere Unternehmen könnten daraus auch ein Geschäftsmodell generieren und in ein Geschäftsmodell einpassen. Wird die Norm irgendwann evaluiert? CW Ja, wir evaluieren sie spätestens alle fünf Jahre. Dann muss das Gremium zusammenkommen und prüfen, ob sie noch dem Stand der Technik entspricht. Falls nicht, wird der Normungsprozess sozusagen überarbeitet. Ist die Norm denn nun auch ein Gütesiegel? CW Also, die Norm selbst ist ein Qualitätssiegel, aber nicht ein DIN-Qualitätssiegel. Letztlich muss es jemanden geben, der nach dieser Norm zertifiziert. Oder der Berater oder Makler sagt für sich: „Ich halte mich an die DIN-Norm und drücke damit aus, dass ich einen Qualitätsstandard einhalte.“ Herr Dr. Möller, Zertifizierung, das ist ja Ihr großes Thema. Wie ist da der aktuelle Stand der Dinge? Dr. Klaus Möller Na ja, unser Unternehmen DEFINO zertifiziert ja Personen, Unternehmen und Software bereits für DIN- SPEC-konformes Arbeiten und macht das jetzt übergangslos auch für die DIN-Norm. Das ist ja sozusagen das wertigere O Was ist denn nun die allgemeine Erwartungs haltung an den Markt? HRR Eine spezielle Erwartung habe ich gar nicht. Ich bin nur gespannt, wie schnell sich die Norm im Markt verbreitet. Es haben ja einige Häuser angekündigt, DKM 2018: Im Kongress DIN-Norm gab es viele informative Vorträge zur neuen Norm. Dezember 2018 117

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