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AssCompact 12/2018

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INVESTMENT © monropic – Fotolia.com Kleinvieh macht auch Mist: Crowdinvesting wird erwachsen Sachwertinvestments sind dank digitaler Crowdinvesting-Plattformen heute nicht mehr nur mit großen Summen möglich, sondern auch in kleinen Dosen erhältlich. Und auch wenn Immobilien das Angebot dominieren, lässt sich auf den Plattformen in deutlich mehr als nur in Immobilien investieren. Noch nie in diesem Jahrtausend waren die Deutschen mit ihrer finanziellen Situation so zufrieden wie gerade jetzt, hat das aktuelle Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands ergeben: 63% der über 2.700 Interviewteilnehmer bezeichnen ihre finanzielle Situation als „gut“ oder sogar „sehr gut“, nur 8% sind unzufrieden damit. Die Frage der Anlageentscheidung in der Niedrigzinsphase ist allerdings trotz aller Zufriedenheit vielfach nicht wirklich gelöst – weiterhin stellt sich für viele Anleger die Frage, wie sie ihr Portfolio mit Sachwerten diversifizieren können, ohne mehrere Zehntausend Euro investieren zu müssen. Es kommt auf die Rahmenbedingungen an In dieser Nische hat sich Crowdinvesting seit mehreren Jahren etabliert. Ermöglicht wurde dies nicht zuletzt dadurch, dass der Bundestag den Schwellenwert für die Erstellung eines Wertpapierprospektes auf ein Emissionsvolumen von 8 Mio. Euro festgelegt hat. Die Unternehmen können ihn einmal jährlich für die prospektfreie Emission von Wertpapieren nützen. „Deutschland nimmt damit in Europa eine führende Stellung bei der Umsetzung von Erleichterungen für Unternehmen ein, die über Crowdfunding-Plattformen Kapital suchen“, freut sich Ralph Pieper, im Vorstand des Bundesverbandes Crowdfunding zuständig für Regulierungsthemen. Allerdings gilt das bisher nur für Aktiengesellschaften bei Unternehmen in der Rechtsform einer GmbH liegt die Obergrenze bei 100.000 Euro. Um Start-ups zu stärken, fordert die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Uli Fricke, weitere Schritte, „um die von der EU vorgesehenen Impulse für die Unternehmen auch in Deutschland“ umzusetzen. Auch die Großen wollen mitspielen Sinnvoll ist das, denn Crowdinvesting erfreut sich sowohl auf Anleger- als auch auf Unternehmensseite stabiler Beliebtheit, auch, aber nicht nur im dominierenden Immobiliensektor. Das erkennt man nicht zuletzt daran, dass ehemalige und aktuelle Player des Beteiligungsmarktes, die sich teilweise nach der Finanzkrise vom Geschäft mit Privat - anlegern abgewendet hatten, nun über 66 Dezember 2018

den „Umweg“ Crowdinvesting wieder ins Publikumsgeschäft einsteigen, zum Beispiel KGAL mit ihrer Tochtergesellschaft Physible für eine Anlage via Anleihe in Immobilien, Infrastruktur (erneuerbare Energien) und Flugzeuge. Die HCI plant über Marvest Schiffs - investments ab 500 Euro, LHI und Hannover Leasing waren bzw. sind neben ihren herkömmlichen Fondsprodukten zusammen mit Exporo im Crowdinvesting aktiv. Solvium Capital sammelt über die Crowdinvesting-Plattform Moneywell Kapital für Investments in Container und anderes Logistik - equipment wie Wechselkoffer ein. Für viele Anbieter von Sachwertinvestments stellt die Zusammenarbeit mit Crowd - investing-Plattformen eine Möglichkeit zum Einstieg in den digitalen Vertrieb dar und eine Chance, jüngere Kundengruppen anzusprechen – bisher ist der Großteil der Zeichner beispielsweise bei WealthCap über 60 Jahre alt. Bunte Angebotspalette Doch auch die Mitglieder des Bundesverbands Crowdfunding – wenn auch nicht alle – sind aktuell mit zu finanzierenden Projekten am Start und bieten Investoren eine breite Palette an Finanzierungsideen: Aescuvest ermöglicht etwa die Investition von Wagniskapital in Geschäftsideen aus dem Gesundheitswesen bereits ab 250 Euro, allerdings steht Stand Anfang November 2018 nur ein Projekt zur Verfügung. Mehr Auswahl gibt es bei Bettervest, einer bereits seit sechs Jahren aktiven Plattform für Energieeffizienzprojekte: Aktuell können Investoren zwischen fünf verschiedenen Projekten mit Laufzeiten zwischen drei und acht Jahren wählen; Standorte sind Nigeria, Indien, Madagaskar, Kuba und Thüringen. Etwas bodenständigere Energieprojekte bietet GreenVesting, wo aktuell ein Energieeffizienzhaus, eine solare Tröpfchenberegnung in Marokko und Solarprojekte in Deutschland zur Auswahl stehen. Ein Klassiker im „grünen“ Segment ist LeihdeinerUmweltGeld. Hier wird Kapital überwiegend für Bürgerprojekte eingesammelt. Aus dem Segment der geschlossenen Fonds sind solche Anlagen inzwischen fast vollständig verschwunden, allerdings ist derzeit die Beteiligung am Bioenergiepark München Ost, am Energieeffizienzhaus Neudeggergasse, am BHKW Flexibilisierung Schwanebeck und am Windpark Mehringer Höhe möglich. Auch Wiwin, 2011 von den Gründern der Juwi-Gruppe ins Leben gerufen, vermittelt eine ganze Reihe von Projekten aus den Bereichen Motor, Solar- und Windenergie. Companisto vermittelt klassisches Wagniskapital für Start-ups (als partiarisches Darlehen mit Gewinnbeteiligung und niedriger Festverzinsung) und Wachstumsfirmen (als Nachrangdarlehen mit Zinsen von bis zu 8% jährlich). Privatanleger investieren dort gemeinsam mit Business Angels und haben Stand Anfang November 2018 die Wahl zwischen sieben Projekten von Medizintechnik bis Urban Farming. Von Batterien bis Zusatzantrieben Immerhin drei Projekte finden Anleger gerade auf Fundernation, einer Plattform für Venture Capital und Spendenprojekte: ein Online-Reisebüro, ein Lizenzmodell für Batterien und ein Sattelauflieger mit elektrischem Zusatzantrieb. Wer hingegen in Oldtimer investieren will, wird bei Geldwerk fündig: Carzins ermöglicht das aktuell ab 500 Euro. „Deutschland nimmt damit in Europa eine führende Stellung bei der Umsetzung von Erleich - terungen für Unternehmen ein, die über Crowd - funding-Plattformen Kapital suchen.“ Bürgernahe Projektfinanzierungen will Investofolio technisch begleiten: Derzeit können sich Anleger an der Fußball-Community Soccerunited und an Green Cola, einer zucker- und aspartamfreien Limonade, beteiligen. Kapilendo schließlich vermittelt derzeit Kapital für 3D-Kameratechnologie und für Designermöbel. Ralph Pieper, Vorstand des Bundesverbandes Crowdfunding Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste Nicht alle Verbandsmitglieder, die vor zwei Jahren aktiv waren, haben gerade Projekte für Privatanleger: Medifundo und Lightfin müssen passen, Greenxmoney macht kein Neugeschäft mehr, Flmstr, wo Anleger in Kinofilme investieren konnten, ist ebenso wie GeldzuGrün nicht mehr zu erreichen. Ein Selbstläufer sind also auch Crowdinvestments nicht – im Gegenteil, die Stellung als Kreditgeber eines Nachrangdarlehens wirft den Anleger in seiner Rechtsposition hinter Fremdund Eigenkapitalgeber zurück. Zurückgezahlt werden dürfen diese Darlehen nur, wenn die Solvenz des Kreditnehmers nicht gefährdet ist. In Schieflagen zahlen Privatanleger demnach als Erste drauf. Auf der anderen Seite steht die Möglichkeit, bereits mit kleinen Beträgen unkompliziert in eine breite Palette von Anlagegütern zu investieren. Wer sorgsam auswählt, kann sein Portfolio mit überschaubarem finanziellem Aufwand breit diversifizieren und sein Gesamtrisiko dadurch reduzieren. W Von Stephanie von Keudell, freie Journalistin Dezember 2018 67

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