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AssCompact 12/2020

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ALTERSVORSORGE ©

ALTERSVORSORGE © grivina – stock.adobe.com Altersversorgung heute und morgen: Was Frauen und Männern wichtig ist Die Erwartungen von Frauen und Männern an ihre Altersvorsorge unterscheiden sich eher im Detail als im Groben. Unterschiede gibt es aber in den Lebens- und Arbeitswelten mit starken Auswirkungen auf die betriebliche Altersversorgung. Die Welt der Arbeit befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Erwerbstätige im Home Office, Start-ups in Co-Working-Spaces, Freiberufler in der Gig-Economy – die Digitalisierung macht’s möglich. Eine Variante wird jedoch mehr und mehr zur Rarität: die Tätigkeit bei einem einzigen Arbeitgeber während des gesamten Berufslebens. Moderne Erwerbsbiografien sehen anders aus: Jobwechsel, Auslandsaufenthalte, Sabbaticals, Familienzeiten sind inzwischen die Regel, Vielfalt und Diversity vielerorts Teil der Unternehmenskultur. Das wirft Fragen zum Thema Altersversorgung auf: Passt sie noch in die moderne Arbeitswelt? Haben Frauen und Männer unterschiedliche Bedürfnisse in Sachen (Betriebs-)Rente? Um ein aktuelles Bild zu erhalten, hat Aon Anfang 2020 eine repräsentative Studie durchgeführt. Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass Frauen in der Regel auf ihren Ruhestand finanziell schlechter vorbereitet sind als Männer, ihre Informationslücken sind oft größer. Aber müssen daraus auch genderspezifische Rentenangebote folgen? Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass der Handlungsbedarf eher woanders liegt. Die moderne Arbeitswelt erzeugt bei den Erwerbstätigen klare Wünsche und Bedürfnisse – aber ganz unabhängig davon, ob es sich um Frauen oder Männer handelt. Portabilität plus Flexibilität: Wünsche an die Betriebsrente Wie sehen diese Wünsche aus? Eigentlich naheliegend: Wer sein Arbeitsleben nicht mehr bei einem einzigen Arbeitgeber verbringt und die Vorteile einer Betriebsrente nutzt, möchte diese beim Jobwechsel nicht verlieren. Einfache Mitnahmemöglichkeiten stehen deshalb ganz oben auf der Wunschliste. Auch der zweite große Wunsch spiegelt moderne Lebensverhältnisse: Frauen wie Männer wünschen sich bezüglich der Betriebsrente mehr Flexibilität. Dies ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass Beschäftigungsverhältnisse heute deutlich öfter als früher unterbrochen werden, zum Beispiel durch Familienzeiten, und sich die Einkommensverhältnisse damit ändern. Wünschenswert ist es aus Sicht der Befragten, die Beiträge dementsprechend anpassen zu können, zum Beispiel zeitweise auszusetzen oder zu reduzieren. Das ist durchaus möglich, aber das Wissen, was das nun für die spätere Rente bedeutet, ist nicht verbreitet. So liegt denn auch der Wunsch nach besseren Renteninformationen gleich auf Platz 3 der Wünsche. Besserer Überblick Während Frauen sich vor allem klare Informationen auf einen Blick wünschen, würden Männer gern regelmäßige Updates erhalten. Wie kann so etwas aussehen? Eine unserer befragten Frauen brachte ein Beispiel: Eine berufstätige Frau, gerade in Elternzeit, findet den aktuellen Stand ihrer Betriebsrente auf ihrem persönlichen bAV-Account. Die Landingpage hält alle Informationen bereit, die für ihre aktuelle Situation relevant sind: die Auswirkung von zeitweise geringeren Zahlungen auf die Rente, mögliche Alternativszenarien, verschiedene Produkte zur persön - lichen Altersvorsorge etc. Das Beispiel offenbart Grundlegendes: Information kommt dann gut an, wenn sie den Adressaten individuell anspricht – und einfach ist. Wir brauchen also intelligente Kommunikationslösungen, die Erwerbstätige in ihrer spezifischen Lebensphase erreichen. Statusabfragen sollten einfach online möglich sein. 46 Dezember 2020

Zur digitalen Rentenübersicht Aon Solutions hat gemeinsam mit der Universität Ulm die konzeptionellen Grundlagen für die digitale Rentenübersicht der Bundesregierung maßgeblich mitentwickelt. In der Online- Plattform sollen die Informationen verschiedener Versorgungsträger zusammengetragen werden, sodass der Bürger jederzeit einen Überblick über seine zu erwartenden Altersvorsorgebezüge erhält. Ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren ist im Gange, mit dem Start der Plattform ist aber nicht vor Ende 2022 zu rechnen. In diesem Zusammenhang sei auch die neue digitale Rentenübersicht erwähnt, die die Bundesregierung zum Herbst 2022 beschlossen hat. Aon hat dazu gemeinsam mit der Universität Ulm das Gutachten erstellt, das die Umsetzung dieser digitalen Info konkret aufzeichnet. Damit hat jeder Erwerbstätige einen Überblick über seine zukünftige Rente. Individuelle, flexible Angebote: Bitte mehr davon Keine Lösungen von der Stange, sondern flexible, individuelle Angebote – das sind wichtige Merkmale einer zukunftsorientierten Altersversorgung. Diese Angebote zeichnen sich aus durch intelligente, kreative Formate, die auf persönliche Lebenssituationen zugeschnitten sind. Eine solche Lösung für die bAV könnte nach dem Baukastensystem funktionieren und verschiedene Stadien in einem Arbeitsleben berücksichtigen, mit Angeboten zum Beispiel für verschiedene „Typen“ wie Berufseinsteiger, Singles, junge Eltern. Solche vorkonfigurierten, aber gleichzeitig individualisierbaren Lösungen erleichtern es den Menschen, sich mit dem Thema Rente überhaupt zu beschäftigen. Aon hat Vorschläge erarbeitet, wie ein solches System konkret aussehen kann. Hürden abbauen Warum ist das wichtig? Obwohl die bAV eine der beliebtesten Renten - formen der Erwerbstätigen ist, wird ihr Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Zu kompliziert ist vielen das Thema, darüber hinaus gibt es noch deutliche Kommunikationslücken zu schließen. Wenn es nach den Wünschen von Arbeitnehmern geht, ist es mit digitalen oder papierenen Informationsangeboten seitens der Arbeitgeber nicht getan. Ganz wichtig ist ihnen die persönliche Ansprache in Sachen Finanzen und Altersversorgung. Hier können Arbeitgeber punkten: Über zwei Drittel (71,8%) der jüngeren Arbeit - nehmer (18 bis 29 Jahre) wünschen sich mehr Unterstützung bei der persönlichen Finanzplanung, besonders wichtig ist ihnen dabei die Altersversorgung. Kleine Unterschiede Wohlgemerkt: Die geschilderten Wünsche an die Betriebs - rente – Portabilität, Flexibilität, Information – gelten für Männer und Frauen gleichermaßen. Trotzdem lassen sich einige Unterschiede bei Frauen und Männern im Umgang mit ihrer Rente feststellen. In der Regel sind Männer besser über ihr Alterseinkommen informiert. Frauen rechnen mit weniger Rente und gehen deshalb davon aus, entweder hinzuverdienen zu müssen oder die Unterstützung von Partner bzw. Familie in Anspruch zu nehmen, um über die Runden zu kommen. Diese niedrigere Erwartungshaltung ist mit dem in der Regel niedrigeren Gehalt und/oder mit der individuellen Lebenssituation zu begründen. Unsere Untersuchungen zeigen darüber hinaus, dass Frauen ein sehr realistisches Verhältnis zu ihren Finanzen haben. Im Vergleich zu Männern sehen sie sich als die besseren Finanzmanager, und was die Höhe ihrer Rente angeht, verlassen sie sich am ehesten auf sich selbst. Fazit bAV-Lösungen für die moderne Arbeitswelt sollten individuelle Lebenssituationen berücksichtigen. Frauen und Männer, denen das Thema oft noch zu kompliziert ist, haben dies - bezüglich die gleichen Wünsche: bessere Mitnahmemöglichkeiten, mehr Flexibilität, einfachere Kommunikation. Diese neuen Lösungen können nur in enger Zusammenarbeit mit HR und bAV-Experten entstehen. Denn je nach Unternehmen werden zukunftsorientierte Vergütungspakete unterschiedlich aussehen, intelligente Baukastensysteme können dabei die Basis für individuelle Angebote sein. Können Arbeitnehmer auf entsprechend attraktive Pakete zugreifen, ist die Betriebsrente ein ausgezeichnetes Instrument, um Talente zu finden und im Unternehmen zu halten. W Von Gundula Dietrich Gundula Dietrich ist Geschäftsführerin der Aon Solutions Germany GmbH. Die Mathematikerin ist Aktuarin (DAV) und IVS-geprüfte versicherungsmathematische Sachverständige für betriebliche Altersversorgung und leitet den Bereich Retirement & Investment am Standort Mülheim/Ruhr. Dezember 2020 47

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